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Schönheit und ihr Paradox
Berufen zum Schönen
Wie die schöne Liebe mich zu meinem Selbst führte.
von Kacey Sycamore
Dienstag, 24. März 2026
Verfügbare Sprachen: English
Als kind liebte ich es in eine gute .Geschichte einzutauchen. Wenn sich ein Kleiderschrank nach Narnia öffnete oder ein Brief, gebracht von einer Eule, das Leben eines kleinen Jungen veränderte, wurde ich in ein spannendes Abenteuer hineingezogen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine ältere Schwester mich neckte, als ich nach dem Tod Dumbledores unter Tränen aus meinem Zimmer herauskam.
In diesen Momenten des Lesens erlebte ich Schönheit. Das hatte nichts mit Aussehen zu tun. Es war eine Reise des Herzens aus mir selbst heraus und hinein in eine größere Einheit, eine transzendente Erfahrung, die in mir ein tiefes Gefühl der Freude, Hoffnung und Dankbarkeit hinterließ. Ich glaube, dass gerade diese Erfahrung zum ersten Mal meine unbewusste Sehnsucht zum Ausdruck brachte, mich selbst als Kind in der Familie Gottes zu erkennen.
Charles Choi, Going Home, Öl auf Leinwand, 2018. Alle Abbildungen von Charles Choi. Verwendet mit Genehmigung.
Mit zunehmend Alter wurden diese Erfahrungen immer seltener. Ich hatte Mühe, mich auf das Leben einzulassen, und fühlte mich in meinem eigenen Kopf und meinen Emotionen gefangen. Mitte 20 war ich äußerlich erfolgreich, mit einer soliden Karriere, romantischen Beziehungen und allen Annehmlichkeiten eines modernen, autonomen Lebens. Aber hinter diesem glänzenden Image verbargen sich Schmerz, Verwirrung und Unzufriedenheit.
Ich wanderte oft ziellos durch die Stadt und sehnte mich danach, dass sich mein Leben zu etwas Größerem öffnen würde. Nie hätte ich gedacht, dass es jemanden gab, der all diese Momente sah und mir genau die Schönheit bieten wollte, die ich so sehr liebte.
Eine freundliche Begegnung
Im Jahr 2018, frisch getrennt und orientierungslos, schickte mich mein Arbeitgeber zu einer Konferenz nach Texas. Dort stellte sich mir ein junger Mann aus England vor. Es war eine kurze, freundliche Begegnung, und ich dachte mir nichts weiter dabei. Als ich Ben jedoch später am selben Tag bei einer Veranstaltung wieder traf, wurde unsere oberflächliche Unterhaltung schnell zu einem tiefen Eintauchen in unbekannte Gewässer.
Wir waren beide 27 Jahre alt, auf unterschiedliche Weise verletzt, aber empfänglich für Schönheit, auf der Suche nach den Funken, denen wir in Musik, Büchern und flüchtigen Momenten der Transzendenz begegnet waren. Obwohl wir aus verschiedenen Teilen der Welt kamen, fühlte es sich an, als wären wir zwei Seiten derselben Medaille, die auf eine unsichtbare Weise fest verbunden waren. Ich war nicht auf der Suche nach Ehe oder Religion und interessierte mich sicherlich nicht für das „Christentum“, aber diese neue Verbindung erschütterte meine bisherigen Überzeugungen. Während Ben, der als Atheist aufgewachsen war, zum Glauben an Gott gefunden hatte und das Christentum intellektuell schätzte, hatte ich mein Herz vor Gott verschlossen. Aufgewachsen in einer marginal katholischen Familie mit geschiedenen Eltern und in einem liberalen, säkularen Umfeld, hielt ich Religion für trügerisch, oberflächlich und unkultiviert.
Wir waren beide empfänglich für Schönheit, auf der Suche nach den Funken, denen wir in Musik, Büchern und flüchtigen Momenten der Transzendenz begegnet waren.
Ich machte mir keine besonderen Gedanken über Gott, aber unbewusst sehnte ich mich nach „dem Duft einer Blume, die wir noch nicht gefunden haben, dem Echo einer Melodie, die wir noch nicht gehört haben, Nachrichten aus einem Land, das wir noch nie besucht haben“, wie C. S. Lewis die Sehnsucht des Menschen so schön beschreibt. Als Ben und ich uns trafen, war es, als wäre diese Sehnsucht in uns erfüllt worden und wir hätten beide das unverdiente Geschenk eines Partners erhalten. Die langsame Erkenntnis, dass diese Beziehung, in der mein wahres Ich gesehen, geliebt und hervorgebracht werden konnte, scheinbar aus heiterem Himmel gekommen war, überwältigte mich mit Ehrfurcht und Dankbarkeit. Ich brachte es mit meiner bestehenden Weltanschauung nicht in Einklang und doch häuften sich die Hinweise auf eine Art Absicht und Plan.
Zurück in unseren jeweiligen Heimatländern, getrennt durch einen Ozean, schickte mir Ben eine SMS mit einem Vers, der ihn bewegt hatte, nachdem ihm auf den Straßen Londons eine Bibel in die Hand gedrückt worden war. Es wurde der erste Vers, den ich mir bewusst einprägte: „Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!“ (Röm 12,2) Ohne dass ich es bemerkte, begann eine Verwandlung. Gottes Wille für uns war gut, wunderschön, aber ich hatte noch immer keinen theologischen Rahmen, um ihn zu verstehen.
Eine göttliche Einladung
Kurz danach, schickte mir ein Freund einen Link zu einer Podcast-Episode. „The Inner Landscape of Beauty“ enthielt ein Interview mit John O'Donohue, dem verstorbenen irischen Philosophen, Dichter und Priester. Seine warme, melodiöse Stimme sprach von Schönheit nicht als oberflächlicher Reiz, sondern als einer wesentlichen Kraft, die uns nach Hause ruft, uns hilft, alte Muster zu heilen und neuen Boden zu finden:
Bei Schönheit geht es nicht nur um nette Lieblichkeit. Bei Schönheit geht es um ein runderes, substanzielleres Werden.… Schönheit in diesem Sinne ist eine sich entfaltende Fülle, ein größeres Gefühl von Anmut und Eleganz, ein tieferes Gefühl von Tiefe und auch eine Art Heimkehr für die bereicherte Erinnerung an Ihr sich entfaltendes Leben.
Begeistert von Form und Inhalt seiner Worte las ich Anam Cara, sein Bestseller-Buch über die alte keltische Spiritualität. Satz für Satz gab es meinen Erfahrungen Ausdruck und Bestätigung und eröffnete mir einen Blick auf mein Leben in der Ewigkeit.
Charles Choi, Path, Öl auf Leinwand, 2014.
Anam cara ist gälisch und bedeutet „Seelenfreund“. O’Donohue sagt, dass die Erfahrung einer solchen tiefen Seelenverbindung das Wesen Gottes selbst widerspiegelt – der uns durch Jesus begegnet und uns einlädt, durch den Strom der Beziehung voll und ganz lebendig zu werden. Er schreibt:Der Anam Cara ist ein Geschenk Gottes. Freundschaft ist das Wesen Gottes. Das christliche Konzept von Gott als Dreifaltigkeit ist die erhabenste Ausdrucksform von Andersartigkeit und Intimität, ein ewiger Strom der Freundschaft. Jesus ist der geheime Anam Cara jedes Einzelnen. In der Freundschaft mit ihm treten wir ein in die zarte Schönheit und Zuneigung der Dreifaltigkeit. In der Umarmung dieser ewigen Freundschaft wagen wir es, frei zu sein.
Mir wurde allmählich klar, dass die Liebe, die sich in meinem Leben entfaltete, nicht nur romantischer Natur war – sie war eine göttliche Einladung. Gott, die verborgene Schönheit hinter aller Schönheit, begann, sein Gesicht zu zeigen.
Ein verwandeltes Leben
Der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar beschreibt Schönheit als dynamisches Ereignis, das eine Antwort erfordert. Genau so erlebten Ben und ich sie, als unsere Ehe und unser neu gefundener Glaube uns auf einen neuen Weg brachten. Wenn wir von einem Gott geliebt wurden, der uns unsere tiefste Sehnsucht als völlig kostenloses Geschenk gab, als wir nichts als verlorene kleine Sünder waren, was bedeutete das für unser Leben?
Wir versuchten, genau das herauszufinden, indem wir jeden Aspekt unseres bisherigen Lebens prüften und auf der Grundlage der wunderschönen Offenbarung Jesu neu aufbauten. Wir kündigten unsere Jobs, zogen auf der Suche nach einer Gemeinschaft in eine andere Stadt und setzten uns mit unseren spirituellen und psychologischen Wunden auseinander. Niemand in unserem Umfeld schien zu verstehen, was wir durchmachten. Aber der Glaube daran, dass wir liebevoll geführt wurden, reichte aus, um uns Tag für Tag durch die Wildnis zu begleiten.
Als Covid ausbrach, erwarteten wir unser erstes Kind, lebten praktisch von der Hand in den Mund und waren spirituell immer noch heimatlos – trotz unserer Suche nach einer passenden Kirche, darunter katholische, orthodoxe und reformierte Konfessionen. Während dieser Zeit stieß ich auf einen Aufsatz mit dem Titel „The Abyss of Beauty“ von Ian Marcus Corbin im Plough Magazin.
Was für seltsame Wesen wir doch sein müssen, dass wir uns am Rande von etwas befinden und immer nur fast leben. Das, was vor uns liegt, gerade außerhalb unserer Reichweite, erscheint ideal, wenn wir es nur erreichen könnten. Aber können wir das? Existiert eine solche Nähe überhaupt? Ist es illusorisch, darauf zu hoffen?
Der Essay erkundet, wie die Wahrnehmung des Schönen ein Leben verändern kann. Ich blätterte durch die Website, gelangte zum „Über uns“ und begann, mich über den Bruderhof zu informieren. Zunächst erschien mir die Lebensweise des Bruderhofs fremd und eintönig. Aber als wir über das Äußere hinausblickten, waren wir bewegt von dem, was wir sahen: die Einbeziehung älterer alleinstehender Menschen in Familien, natürliche und schöne Pflege am Lebensende, eine gesunde und sichere Gemeinschaft für Kinder. Wir verfolgten gespannt, wie Laura from the Bruderhof auf YouTube Fragen beantwortete.
Dann stieß ich auf die Schriften von Eberhard Arnold, dem Gründer der Gemeinschaft. Arnold erklärt den radikalen Aufruf Jesu zu einer Lebensweise, die den Gepflogenheiten der Welt völlig entgegensteht. Es ist ein Leben, das nach einer aufopfernden Liebe gelebt wird, die keine Grenzen kennt. Nur so können die Mächte des Bösen und der Finsternis durch die sanfte Kraft des Geistes Gottes überwunden werden, die die Menschen dazu bringt, ihr Leben für ihre Brüder und Schwestern hinzugeben.
Die Auferstehungskraft des durch den Geist lebendig Gewordenen wirkt sich in einer unerhört neuen Lebenshaltung der Bruderliebe und Feindesliebe aus, in einer Gottesgerechtigkeit, die seinen Charakter des kommenden Reiches trägt. Durch diesen neuen Geist ist in der Urgemeinde der Besitz überwunden. Die wirtschaftlichen Güter werden der Gemeinde in die Hände ihrer Gesandten und ihrer Armen dargebracht. Die Schülerschar ist als messiasgläubige Gemeinde zur Bruderschaft gegenwärtigen Kraftgeistes geworden. (Eberhard Arnold, „Einführung und Überblick“, Die ersten Christen nach dem Tode der Apostel, 1926)
Eines Nachmittags, nachdem ich Arnold gelesen hatte, weckte ich meinen Mann aus seinem Mittagsschlaf und sagte unter Tränen: „Ich glaube, das ist es.“
Schönheit als Ausdruck der Liebe
Im Herbst 2021 verkauften wir das Auto, das wir gerade erworben hatten, um einen Besuch in der Bruderhof-Gemeinschaft Maple Ridge in New York zu finanzieren. Wir trafen auf herzliche und freundliche Menschen. Wir wurden von einer Familie mit drei Kindern beherbergt, mit denen wir früh morgens frühstückten, begleitet von Gesang und Gebet. Abends erzählten wir ihnen von unserer Reise. Die Menschen waren aufrichtig, friedlich und mit sich selbst im Reinen. Auch ich fühlte mich mit mir selbst im Reinen. Und das, obwohl ich erschöpft war, nachdem ich mich das ganze letzte Jahr abgemüht hatte, irgendwie über die Runden zu kommen und Mutter eines an Koliken leidenden Mädchens geworden war.
Während dieses ersten Besuchs wirkte Gott in unseren Herzen. Wir wurden auf überraschende Weise dazu geführt, lange vergrabene Sünden aufzudecken und uns schließlich vertrauensvoll anderen zuzuwenden, die ihr Leben bereits Jesus übergeben hatten. War diese Erfahrung und Lebensweise schön? Zweifellos ja, aber nicht auf glanzvolle, schillernde Art. Es war eine Schönheit, die in der Hingabe des Selbst verborgen war – eine Form, die von Liebe geprägt war.
Teilhabe am Kreuz
Hätte man meinem jüngeren Ich ein Bild von mir gezeigt, wie ich jetzt bin – in schlichter Kleidung, ohne Make-up, mit strahlenden Augen – hätte ich nicht gewusst, was ich davon halten sollte. Wurde ich durch die Begegnung mit meinem konservativen Ehemann radikalisiert? Habe ich mich für diesen Lebensstil entschieden, um der Welt zu entfliehen? Glaubte ich an eine Fantasie, die mir half, nachts besser zu schlafen? Die wahre Geschichte ist schwieriger zu skizzieren. Sie ist innerlich. Sie dauert an.
Charles Choi, Small Village, Öl auf Leinwand, 2016.
Es ist wahr, in diese Gemeinschaft einzutreten, war der Eintritt in eine andere Welt – nicht, um der alten zu entfliehen, sondern um in ihr zu entdecken, dass das Reich Gottes wirklich nahe ist. Wie die Geschichten, die ich als Kind liebte, besteht diese Welt darauf, dass Hoffnung stärker ist als Verzweiflung und dass wahre Schönheit eine innere Einheit widerspiegelt. Diese Lebensweise ist nicht perfekt – aber durch gemeinsame Mahlzeiten und gemeinsame Arbeit, Leiden, Feiern und stille Taten der Liebe höre ich täglich das Echo der Ewigkeit.
Diese Schönheit basiert auf selbstloser Liebe. Ich verlor und fand mich in einer Geschichte, die viel größer und besser ist als die eigene Erzählung. Indem Gott mir die Freundschaft mit Jesus anbot, erfüllte er nicht nur meine Sehnsucht nach Schönheit, sondern offenbarte mir auch den Einen, der schön ist. Das Evangelium ist kein Märchen. Es ist die wahrhaftigste Geschichte, und ihre Schönheit wird Fleisch, wenn wir es wagen, sie zu leben – unvollkommen, gemeinsam.