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Im Sog des Schönen
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Als ihr Strahlen durchbrach
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Vom Betrachten zum Beten
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Schichten der Schönheit
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Luna von Tasajera
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Wo Leben mit Tod beginnt
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Kinder von Terabithia
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Sechs Wege wider die Maschine
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Umarme einen Baum
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Schönheit verborgen in der Natur
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Schönheit in der Kunst
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Schönheit und ihr Paradox
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Berufen zum Schönen
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Ikone oder Idol?
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Hässliche Wächter der Schönheit
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Erschaffung der Schönheit
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Hundert Jahre Tratsch
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Des Künstlers Herzstück
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Das Evangelium als öffentliche Wahrheit
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Katabasis | Roman | R. F. Kuang | (Eichborn, 656 Seiten)
Die akademische Welt ist buchstäblich die Hölle. In R. F. Kuangs Roman Katabasis begeben sich zwei rivalisierende Doktoranden aus Cambridge auf eine Reise durch die acht Höllenkreise. Sie wollen die Seele ihres Doktorvaters zurückzuholen, da sie beide davon überzeugt sind, für dessen vorzeitigen Tod verantwortlich zu sein. Alice Law und Peter Murdoch sind Doktoranden auf dem Gebiet der „Magie“, einer Disziplin, die eher der Philosophie als den Zaubersprüchen à la Rowling ähnelt. Als Musterschüler von Professor Grimes, einer der größten Magier der Welt und ein grausamer, anspruchsvoller und missbräuchlicher Mentor, nutzen Alice und Peter all ihr Wissen und ihren Verstand (sowie überraschend viel Mathematik), um sich durch die Tiefen der Hölle zu navigieren, die sich als Innenhof ihres vertrauten Cambridge College präsentiert.
Wäre die Welt besser dran, wenn Grimes in der Hölle bliebe? Wahrscheinlich. Aber wer sonst würde Alice helfen, einen der begehrten und raren Jobs in ihrem Fachgebiet zu bekommen? „Sie wollte ein glänzendes Empfehlungsschreiben, das ihr alle Türen öffnen würde.… Das bedeutete, dass Alice in die Hölle gehen musste, und zwar noch heute“, erklärt Kuang sachlich. Obwohl Alice eigentlich vorhat, ihre Reise in die Hölle allein anzutreten, wird sie von Peter begleitet, aus Gründen, die zunehmend verdächtig erscheinen. Eine der großen Freuden von Katabasis ist die Art und Weise, wie Kuangs Struktur zwischen Vergangenheit und Gegenwart schwebt und die Beziehungen von Alice und Peter – zu Grimes, zueinander und letztlich zu sich selbst – Schicht für Schicht freilegt.
Kuang fängt auf einfühlsame Weise die physischen, mentalen und spirituellen Belastungen ein, die jedes anspruchsvolle Unterfangen mit sich bringen kann. Alice und Peter müssen nicht in die Hölle hinabsteigen, um zu wissen, wie es dort ist; sie sind bereits dort – als Untergebene von Grimes. In Rückblenden, die sich durch Katabasis ziehen, sehen wir, dass Alice nie wirklich den Wunsch hatte, sich das Leben zu nehmen, aber auch nicht wirklich leben wollte. Ihre akademischen Träume bleiben in greifbarer Nähe (solange Grimes aus der Hölle gerettet werden kann), aber sie hat noch keine Freude an den Dingen gefunden, die sie immer zu wollen glaubte. Der Fluss Lethe lockt sie, während sie sich in der Unterwelt aufhält, und verspricht ihr, alle schmerzhaften Erinnerungen auszulöschen. Aber auch Peter lockt sie; die Enthüllungen über seinen Charakter während ihrer Reise sind besonders lohnenswert.
In Katabasis verwebt Kuang jahrhundertelange Vorstellungen vom Leben nach dem Tod zu einem bunten Teppich, der von Dante bis T. S. Eliot, von Orpheus bis zum Apostel Paulus reicht.
Während sie den Leser immer tiefer in die spiralförmigen Kreise der Hölle zieht, ist ihre Prosa mit scharfem Humor gespickt; in einem der ersten Kreise schreiben die Bewohner Arbeiten, die immer nur knapp unter der Mindestpunktzahl für ein „Genügend“ liegen. Und wenn Kuangs Ende auch ein wenig in Wunschdenken abgleitet, das nicht ganz mit der Logik ihrer Hölle übereinstimmt – nun, ist es nicht genau das, was wir uns letztendlich vom Jenseits wünschen? Katabasis bietet seinen Protagonisten und Lesern einen plötzlichen Moment scharfer Anmut, der, wenn wir es zulassen, unsere zynischen Annahmen durchbricht und uns die Chance gibt, neu anzufangen.
