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    painting of a country landscape

    Schichten der Schönheit

    Wie das Schöne das christliche Weltbild prägt.

    von Ben Quash

    Dienstag, 24. März 2026

    Verfügbare Sprachen: English

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    Plough: Was weiß die Bibel über das Thema Schönheit?

    Ben Quash: Im Griechischen des Neuen Testaments sind die Begriffe für Schönheit und Güte oft nahezu austauschbar. Die Gleichsetzung von moralischer oder spiritueller Güte mit Schönheit ist charakteristisch für die wenigen Verweise auf Schönheit im Neuen Testament. Diese Nähe zwischen Güte und Schönheit nimmt spätere mittelalterliche Diskussionen über Schönheit als transzendentale Eigenschaft des Seins vorweg, als etwas, das in der Existenz und letztlich in Gott verwurzelt ist.

    Im Gegensatz dazu gibt es im Alten Testament eine Fülle von Wörtern für Schönheit, und um mit ihnen umgehen zu können, muss man sich bewusst machen, dass einige in erster Linie auf Geschöpfe und andere nur auf Gott angewendet werden.

    painting of a country landscape

    David Jones, Montes et Omnes Colles, Aquarell und Graphit, 1928. Abbildung von The Whitworth, The University of Manchester, Whitworth Art Gallery /Bridgeman Images. Verwendet mit Genehmigung.

    Es gibt Figuren, die im Alten Testament für ihre körperliche Schönheit bekannt sind. Dazu gehören der junge David, Abigail und Absalom. Letzterem brachten seine „schönen“ langen Haare nichts Gutes, da sie sich in einem Baum verfingen und seinen Tod verursachten. Im Alten Testament gibt es also bereits ein Bewusstsein dafür, dass äußere Schönheit durchaus gefährlich sein könne.

    Außerdem wird Integrität als eine Form der Schönheit angesehen. Hiob schreibt man eine solche Integrität zu. Das gleiche Wort wird verwendet, um akzeptable Opfergaben im Tempel zu beschreiben. Sie müssen makellos sein. Schönheit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht etwas Idealisiertes und vom Normalen Abweichendes. Im Alten Testament entspricht diese Art von Schönheit genau dem, wie man sein soll. Ein Lamm ohne Makel ist also einfach ein ganz normales Lamm; kein außergewöhnliches Lamm, das sich von allen anderen Lämmern unterscheidet, sondern ein Lamm, bei dem alles an der richtigen Stelle ist. Und das ist eine wichtige Botschaft an unsere Kultur des 21. Jahrhunderts, die ihre Besessenheit, sich von anderen abzuheben, und ihre Suche nach einer Schönheit, die einen von anderen unterscheidet, hinterfragen sollte.

    Und dann gibt es noch die einzigartige Sprache der Herrlichkeit – kabod auf Hebräisch –, die nur für Gott verwendet wird.

    Wie versteht Platon Schönheit, und wie prägt dies die christliche Tradition in ihrer Darstellung von Schönheit?

    Dies ist eine sich entwickelnde Debatte – insbesondere, wenn es um die Künste geht. Im Allgemeinen sind für Platon jedoch die nicht-körperlichen idealen Formen die realsten Dinge; die materiellen Dinge, denen wir in dieser Welt begegnen, sind lediglich Schatten des Realen. Wenn er über Schönheit spricht, erkennt er sie als Teil der geschaffenen Welt an und betrachtet unsere Begegnungen mit ihr nicht als ideal. Sie vermitteln die ideale Schönheit des Einen. Durch die Schönheit können wir eine Reise zum Einen beginnen, aber nur wenn wir die materielle Welt hinter uns lassen, können wir aufsteigen.

    Vieles davon wird vom Christentum aufgegriffen und verwendet. Die platonische Idee fördert einen Aufstieg von der Aufmerksamkeit für die geschaffene Ordnung um uns herum hin zur Quelle dieser Schönheit. In christlicher Terminologie ist diese Quelle der Schöpfer, der Geber allen Lebens, derjenige, der alle Dinge mit ihrer Schönheit schmückt. Der entscheidende Unterschied zwischen Platon und dem Christentum besteht darin, dass bei Platon die radikale Transzendenz der idealen Form allzu leicht in einen Dualismus mündet: Die geschaffene Welt ist schlecht und muss verlassen werden, und die geistige Welt ist gut. 

    Das christliche Evangelium der Inkarnation hingegen bekräftigt nachdrücklich die materielle Ordnung als die von Gott gewählte Sprache, um seine Schönheit der Welt zu offenbaren. Die Verherrlichung und Begeisterung für diese geschaffene Welt und für die menschlichen Körper als Teil dieser geschaffenen Welt stehen absolut im Mittelpunkt des Evangeliums. Es gibt keinen Grund, sie zurückzulassen, wenn man die Leiter der Schönheit erklommen hat. Sie werden mitgenommen. Auch die Leiter wird mitgenommen. Und das ist ein sehr wichtiger Unterschied.

    Wie steht es mit Aristoteles?

    Für Aristoteles, das andere große Schwergewicht der antiken griechischen Philosophie, besteht Schönheit vor allem darin, dass sich etwas verwirklicht oder dass das Potenzial ausgeschöpft wird. Das führt zu einer viel positiveren Einstellung gegenüber den Künsten. Platon wird, vielleicht zu Unrecht, oft als kompromissloser Gegner der Künste angesehen, weil er im letzten Buch der „Politeia“ sagt, dass es in der idealen Stadt keinen Platz für Künstler gibt, weil sie uns täuschen, und dass Nachahmungen immer Täuschungen sind, weil sie weniger wert sind als das echte Objekt, das sie imitieren.

    Aristoteles steht den Künsten viel positiver gegenüber. Das liegt zum Teil daran, dass er eine der Funktionen von Künstlern darin sieht, das Potenzial von Dingen zu verwirklichen – zum Beispiel das Potenzial eines Steinblocks, eine Skulptur zu werden. Er sieht auch einen moralischen Wert in der künstlerischen Darstellung. Wenn wir eine griechische Tragödie sehen, werden uns zwar Imitationen von Situationen präsentiert, die im menschlichen Leben real sein könnten, aber durch diese können wir über das richtige Handeln in der Welt nachdenken. Sie erfüllen somit eine erzieherische, pädagogische Funktion, die dem Guten dient. Und das ist Teil der Verwirklichung unseres eigenen Potenzials als menschliche Wesen zum Guten hin.

    Wer ist Ihr bevorzugter Theologe der Schönheit?

    Thomas Traherne. Er war ein Dichter des 17. Jahrhunderts und ein außergewöhnlicher Prosaautor. Eigentlich war er ein anglikanischer Mystiker, der abgeschieden im Westen Englands schrieb. Über ihn ist nicht viel bekannt. Viele seiner Werke sind verloren gegangen, einige wurden erst kürzlich wiederentdeckt. Er schreibt im Geiste der metaphysischen Dichter wie John Donne und George Herbert. Schönheit zieht sich wie ein roter Faden durch seine Schriften. Er ist davon berauscht! Sie prägt die Art und Weise, wie er alles um sich herum in der Welt sieht. Das ist in gewisser Weise platonisch, aber auch eine Bestätigung der materiellen Welt.

    painting of a walled garden

    David Jones, Walled Garden, Öl auf Holz, ca. 1930. Abbildung von Bridgeman Images. Verwendet mit Genehmigung.

    Er spricht von der Schöpfung als dem „Frontispiz der Ewigkeit“: Die Titelseite eines Buches, die mit dem Versprechen dessen gefüllt ist, was darin zu finden ist. Wenn wir also die Welt betrachten, sehen wir nur das Frontispiz, aber es verdeckt nichts, es ist vielversprechend. Es verspricht, was kommen wird. Und überall, wo er hinschaut, sieht er die Ewigkeit, die sich ankündigt. Er kann ekstatisch über die kleinste Sache meditieren, über eine bescheidene Fliege, und den Respekt und die Herrlichkeit ihres Schillerns als einen Vorgeschmack auf die Herrlichkeit sehen. Das ist erstaunlich.

    Trahernes Einfluss zieht sich bis durch die Romantik. Ich denke, dass Coleridge, den ich ebenfalls sehr schätze, und vermutlich auch Menschen wie Gerard Manley Hopkins von Trahernes Geist geprägt sind.

    Und das setzt sich bis ins 20. Jahrhundert fort. Es ist eine Tradition, die ich als mystischen Empirismus bezeichne. Der empirische Teil besteht darin, die Welt und ihre Objekte, ihre Geschöpfe, mit intensiver Aufmerksamkeit zu betrachten. Sie nicht zu idealisieren, sondern sie wirklich so zu sehen, wie sie sind. Es ist mystisch, weil man gerade in dieser genauen Betrachtung der Besonderheiten der Dinge plötzlich das Gefühl hat, mit dem Ultimativen, mit der Gnade, mit der göttlichen Selbstkommunikation in Berührung zu sein. Diese Lebewesen sind gerade in ihren einzigartigen Besonderheiten Kanäle für Gottes Gegenwart und Absicht. Sie zu beobachten wird zu einer Art mystischer Begegnung mit dem Göttlichen. 

    Der Dichter und Maler David Jones ist für mich einer der großen Bewunderer der Schönheit in dieser Tradition des 20. Jahrhunderts. Viel davon hat mit der natürlichen Welt und der Aufmerksamkeit für sie zu tun. Es handelt sich nicht um eine dieser intellektuellen Vorstellungen von Schönheit, wie man sie in einer antimaterialistischen platonischen Tradition finden könnte, sondern um die Betrachtung bestimmter Dinge in der Welt, wie die Rosen vor Ihrem Fenster oder die sich verändernden Blätter vor meinem Fenster, die über sich selbst hinaus auf das Wirkliche verweisen.

    Traherne schreibt zur Zeit der Geburt der modernen Wissenschaft. Hier werden die ersten Schritte in Richtung einer organisierten Naturwissenschaft als eigenständige Disziplin mit eigenen Methoden unternommen. Aber er befindet sich in diesem kurzen Moment, an diesem Wendepunkt, an dem es noch keinen Unterschied zwischen naturwissenschaftlicher Methode und Lobpreis gibt. Es ist wie eine doxologische Wissenschaft. Es ist eine Wissenschaft, die Gott verherrlicht. Und in den 50 bis 100 Jahren nach Trahernes Schriften scheint dies nicht mehr möglich zu sein. Aber für Traherne kann eine Enzyklopädie an jeder Stelle mit Ausrufen des Lobes gespickt sein. Man kartografiert gewissermaßen die Welt, lernt etwas über die Welt und bezieht alles ständig auf Gott, und preist ihn dafür. Ich sehne mich nach einer doxologischen Wissenschaft. Eine Wissenschaft, die die Anerkennung der Schönheit sein kann.

    Stimmt es, dass Ihre Vorstellung von Schönheit stark von der englischen Landschaft geprägt ist?

    Ich schöpfe viel Inspiration aus der Vielschichtigkeit eines seit langem bewohnten Ortes. Dieses Gefühl einer Landschaft, die, wie Gerard Manley Hopkins es ausdrückt, „geplant und zusammengesetzt“, „gefaltet, brachliegend und gepflügt“ ist; die vielfältigen Ebenen langer und kollektiver Besiedlung und der Beziehungen, die sich dadurch zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen entwickeln. Der Boden, die Fauna und die Flora spielen eine große Rolle für mein eigenes Empfinden von Schönheit, aus dem ich theologische Schlussfolgerungen über die Güte Gottes und darüber ziehe, was ein weises Leben ausmacht.

    Traherne spricht von der Schöpfung als dem „Frontispiz der Ewigkeit“: Die Titelseite eines Buches, die mit dem Versprechen dessen gefüllt ist, was darin zu finden ist. 

    Die englische Landschaft wurde in den letzten Jahrzehnten sehr schlecht behandelt. Moderne Anbaumethoden schaden ihr sehr, und die Artenvielfalt in England ist weitaus geringer als vor einem Jahrhundert. Dennoch finde ich in den literarischen und theologischen Traditionen, die die englische Landschaft lieben, eine komplexe Wechselbeziehung zwischen Menschen und Nicht-Menschen, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat und in einer überzeugenden Darstellung dessen gipfelt, was Schönheit ist.

    Einer der Theologen, von denen ich viel lernte, war Dan Hardy, ursprünglich ein amerikanischer Theologe, der dann den größten Teil seiner akademischen Laufbahn im Vereinigten Königreich verbrachte. Er verglich den englischen Garten mit dem Campus der University of Virginia. Die ursprüngliche Architektur des Campus war sehr klassisch und ist es im Kern auch heute noch. Er sagte, dass diese Architektur von der Ausgrenzung der wilden Natur unter dem Eindruck der Vernunft zeuge. Die menschliche Vernunft schließe also die wilde Natur aus und halte sie auf sicherer Distanz. Ursprünglich habe man vom Rasen des Campus in die Ferne blicken können, wo sich die Natur befand, während innerhalb der Umzäunung alles unter der rationalen Kontrolle des Menschen stand. Schließlich sei sogar dieser Blick nach außen durch weitere Gebäude versperrt worden. Dies sei eine Art Metapher für ein Verhältnis zur Natur als etwas Wildem, Gefährlichem, Anderem, Irrationalem. Schönheit waren all diese schönen Giebel und Säulen mit ihren exakten Abständen.

    painting of English countryside

    David Jones, Landscape in Kent, Öl auf Leinwand, 1921. Abbildung copyright © trustees of the David Jones estate / Bridgeman Images. Mit Erlaubnis von Amgueddfa Cymru – Museum Wales.

    Im Gegensatz dazu ist der englische Garten viel wechselseitiger und unordentlicher. Seine Schönheit liegt in der Tatsache, dass es endlose Verhandlungen zwischen den Pflanzen gibt, die den richtigen Platz suchen, um Licht und Wasser zu bekommen – aber auch zwischen den Menschen, die mit den Pflanzen arbeiten, um sie zu ihrer besten Form zu bringen. Diese Überschneidungen und Verflechtungen deuten auf eine ganz andere Beziehung zur Natur hin. Und in solchen Beziehungen liegt die Schönheit. Es ist nicht nur etwas Messbares, das man betrachtet und sagt: Das ist ein Verhältnis von drei zu fünf, das ist ein schönes Verhältnis. Es ist vielmehr ein intuitives, instinktives Gefühl dafür, wie gut oder schlecht die Dinge zusammenpassen. Diese Art von Bewertung spricht mich mehr an. Sie ist organischer und drückt die Liebe zur Welt, wie sie ist, besser aus, anstatt sie zu etwas zu machen, was sie nicht ist. Ja, ich mag diese Art von organischer, chaotischer, interaktiver, wechselseitiger Schönheit. Ich betrachte das als englische Schönheit. David Jones hat in seinem zweiten Band (The Dying Gaul, der nach seinem Tod veröffentlicht wurde) einen reizenden kleinen Essay über den englischen Garten geschrieben. Er ist der Meinung, dass diese Art von Garten etwas typisch Englisches hat, und er sieht Vorläufer davon auch in bestimmten Arten englischer Malerei und Wandteppichen aus dem Mittelalter. Er meint, dass die Tradition noch immer lebendig ist.

    Wie beeinflusst unsere Vorstellung von Schönheit unser tägliches Leben?

    Dies führt uns zurück zur Sprache der Beziehungen. Der Glaube an Schönheit kann in uns durch unsere Erfahrungen mit unserer Umgebung geweckt und durch unsere fortwährende Beziehung zu unserer Umgebung aufrechterhalten werden. Ebenso kann der Glaube etwas sein, das sich oft gegenüber Beweisen sehr verletzlich anfühlt. Hopkins spricht über das Vordringen bestimmter giftiger, zerstörerischer Kräfte, die die Wildnis zerstören. Und Jones beklagt in ähnlicher Weise die einheitlichen Sprühköpfe von industriell hergestellten Flaschen. Er sucht den Logos in diesen Dingen – und in den Masten, die sich durch die Landschaft ziehen – und kann ihn nicht finden.

    Hopkins und Jones sind sich dieser Verletzlichkeit bewusst. Sie sind sich bewusst, dass man sagen könnte, es sei nur Wunschdenken zu glauben, dass Schönheit etwas Ultimatives ist, von dem uns die Welt erzählt. Aber ich denke, wenn man darin lebt und danach lebt, findet man Bestätigungen dafür, wie beim Glauben. Und das verändert die Art und Weise, wie man lebt. Der Glaube, dass Schönheit zu uns sprechen will, sollte uns sanfter, geduldiger und optimistischer machen – eigentlich hoffnungsvoller. Denn Hoffnung ist mehr als Optimismus. Sie ist eine Einstellung, kein Gefühl; eine Einstellung, zu der wir uns manchmal zwingen müssen. Etwas, das wir aktiv verfolgen müssen. Diese Art von Entschlossenheit wird sich in besseren Beziehungen niederschlagen, nicht nur zu den Dingen, die wir betrachten (ob Kunstwerke oder Naturgegenstände, Dinge, die wir als ästhetische Objekte kategorisieren würden), sondern sie wird auch die Art und Weise beeinflussen, wie wir miteinander umgehen und welche Gemeinschaften wir bilden. Denn in allen Beziehungen liegt Schönheit. Beziehungen sind in gewisser Weise Schönheit. Gute Beziehungen sind Schönheit. Dazu gehört auch die Beziehung zwischen zwei oder drei Noten in einer Komposition. Die Beziehung zwischen zwei Farben in einem Gemälde, die Proportionen eines architektonischen Raums. Aber es erstreckt sich auch auf andere Formen von Beziehungen, andere Arten guter Proportionen. In den Hierarchien unserer sozialen Organisationen, in den Formen der gegenseitigen Fürsorge und der Verteilung von Verantwortlichkeiten, die jede menschliche Familie oder Gesellschaft benötigt, in denen wir versuchen, unsere Rolle im Verhältnis zu anderen zu erfüllen. Wenn diese Aspekte funktionieren, sind sie schön.


    Das Interview wurde von Joy Marie Clarkson am 2. Oktober 2025 geführt und aus Gründen der Länge und Verständlichkeit redaktionell bearbeitet.

    Von BenQuash3 Ben Quash

    Professor Ben Quash hält den Lehrstuhl für Christentum und Kunst am King’s College London.

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