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Im Sog des Schönen
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Als ihr Strahlen durchbrach
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Vom Betrachten zum Beten
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Schichten der Schönheit
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Luna von Tasajera
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Wo Leben mit Tod beginnt
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Kinder von Terabithia
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Sechs Wege wider die Maschine
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Umarme einen Baum
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Schönheit verborgen in der Natur
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Schönheit in der Kunst
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Schönheit und ihr Paradox
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Berufen zum Schönen
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Ikone oder Idol?
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Hässliche Wächter der Schönheit
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Erschaffung der Schönheit
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Hundert Jahre Tratsch
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Des Künstlers Herzstück
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Das Evangelium als öffentliche Wahrheit
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Rezension: Katabasis
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Mit Feuereifer und Engelszungen | Sachbuch | Rainer Metzner | (C.H. Beck, 221 Seiten)
Mit Feuereifer und Engelszungen widmet sich einem oft übersehenen Bereich der deutschen Sprache: Wörtern und Redewendungen biblischer Herkunft. In Form eines kleinen Lexikons versammelt Metzner zahlreiche Begriffe, die im heutigen Sprachgebrauch selbstverständlich erscheinen, deren Wurzeln jedoch tief in den biblischen Texten liegen, insbesondere in der Lutherübersetzung. Neben offensichtlichen Beispielen wie „Hiobsbotschaft“ oder „Adamsapfel“ stehen Ausdrücke, deren religiöser Ursprung heute kaum noch bewusst ist, etwa „Nimmersatt“, „Herzenslust“, „Machtwort“ oder „Denkzettel“. Metzner macht dabei deutlich, dass manche Wendungen zunächst im Volksgebrauch verankert waren, durch die Bibelübersetzungen der Reformationszeit eine neue Prägung erfuhren und so ins vereinheitlichte Neuhochdeutsche eingingen. So erfährt man etwa, dass das Motto „Schwerter zu Pflugscharen“, das vor allem durch die DDR bekannt wurde, ursprünglich nicht aus einer weltlichen Arbeiter- oder Friedensbewegung stammt. Sein Ursprung liegt vielmehr in der Bibel, genauer im Buch Jesaja, wo es den Wandel von Gewalt zu Frieden und Wohlstand beschreibt. Das Beispiel zeigt, wie biblische Bilder und Prophezeiungen später auch von kommunistischen Bewegungen aufgegriffen und neu gedeutet wurden in ihrer eigentümlichen Heilslehre.
Das Buch vereint geläufige und weniger bekannte Wörter, die so fest in den deutschen Sprachgebrauch eingegangen sind, dass ihre biblische Herkunft meist nicht mehr wahrgenommen wird. Metzner erläutert die einzelnen Stichwörter kenntnisreich und gut verständlich, indem er ihre biblischen Belegstellen, Bedeutungsnuancen in den Ausgangssprachen sowie ihre sprachliche Entwicklung bis in die Gegenwart nachzeichnet. Auch Bedeutungsverschiebungen und unterschiedliche Verwendungskontexte werden berücksichtigt. Besonders überzeugend ist die Verbindung von sprachgeschichtlicher Genauigkeit und kulturhistorischer Einordnung. Weiterführende Literaturhinweise ermöglichen bei Bedarf eine vertiefende Beschäftigung. Außerdem gibt es zu jedem Begriff angefügte Beispiel-Zitate aus Literatur und Lyrik.
Als evangelischer Pfarrer und Privatdozent für Neues Testament an der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigt Metzner sich seit Jahren mit biblischer Sprache, Idiomatik und Sprichworttraditionen. Bereits in Der Mensch denkt, Gott lenkt. Die Sprichwörter der Bibel. hat er gezeigt, wie biblische Texte in den alltäglichen Sprachgebrauch hineinwirken.
Im Unterschied zu seinen stärker fachwissenschaftlichen Publikationen richtet sich Mit Feuereifer und Engelszungen bewusst an ein breiteres Publikum und beschränkt sich daher auf eine repräsentative Auswahl geläufiger Wörter und Redewendungen. Ohne schweres wissenschaftliches Beiwerk lässt sich das Buch leicht lesen und immer wieder zur Hand nehmen. Es macht anschaulich, dass die Bibel nicht nur ein religiöser Text, sondern auch ein zentrales Dokument deutscher Sprach- und Kulturgeschichte ist, und empfiehlt sich sowohl für sprachlich Interessierte als auch für Leser, die einen kulturgeschichtlichen Zugang zur Bibel suchen.
