Rober H. Meltzer, Taos Pueblo Scene, detail

Das ewige Volk

von Philip Britts

Freitag, 17. Juni 2022

Verfügbare Sprachen: English

15 Kommentare
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  • Imanuel B

    Das Gedicht beeindruckt und berührt - auch mich persönlich. Ich finde, es vermag auch heute noch zu inspirieren!

  • Jürgen Werth

    Das Gedicht ist sehr gut, sehr tief, sehr poetisch. Wer sich auf diesen Text einlässt, wird beschenkt. Wer nur mal schnell drüber liest, wird nicht viel verstehen. Er klingt dann wie eine Botschaft aus einer anderen Zeit und Welt. Ich will mir das Gedicht gern immer wieder mal vornehmen und seine Gedanken nachdenken. In diesen schweren Zeiten tut es gut.

  • Matthias E

    Das Gedicht habe ich mit bewegtem Herzen gelesen. Es spricht mir in vielem aus dem Herzen. Die Anklänge an einen Dualismus s. die Rede von "Finsternis", finde ich schwierig, auch wenn es später ins eigene Herz zurück genommen wird. Dennoch - es hat gewiss nicht nur für heute Bedeutung!

  • Peter Sch

    Ich habe mich auch sehr über Euren Hinweis auf Philip Britts , von dem ich noch nie gehört hatte, gefreut. Ich habe sein Gedicht im englischen Original und in der sehr guten deutschen Übersetzung gelesen. Seine Gedanken und Bilder haben mein Herz sofort angesprochen, denn ich hätte wohl damals so wie er gehandelt, obwohl es im Nachhinein immer einfacher ist solche Aussagen zu machen. Seine Gedicht hat auch für HEUTE volle Bedeutung. Schade, dass er nur 31 Jahre alt wurde.

  • Oswin H

    Vielen Dank für das rührende Gedicht. Als heutige Menschen leben wir in der Welt des Mammons. Es ist jene Welt, die sich GRUNDSÄTZLICH von der Welt Gottes unterscheidet. Es ist die Welt der Trennung, nicht die Welt der Liebe. Es ist die Welt der Konkurrenz, nicht die Welt des Zusammen-Gehörens. Es ist die Welt der süchtigen Gier, nicht die Welt der gemeinsamen Freude über das, was der liebe Gott uns allen schenkt. Es ist die Welt des Losgelöst-Sein von der Natur und von Gott, nicht die Welt, wo sich die Menschen mit der ganzen Schöpfung eins fühlen.

  • Dorothea und Johannes Golling

    Das Gedicht spricht uns aus dem Herzen. Die eigentliche Auseinandersetzung ist eine in der unsichtbaren Welt zwischen Licht und Finsternis. Deshalb ist entscheidend, wo die Menschen zu finden sind. Wir beten auch dafür, dass viele, die jetzt aus dem Leben gerufen werden, noch die Gelegenheit wahrnehmen können, sich Christus anzuvertrauen.

  • Horst D

    Das Gedicht ist sehr reichhaltig und sehr gut; ich kann es von der ersten bis zur letzten Zeile nachvollziehen- Es ist gerade in unserer Zeit aktueller denn je.- Auch erinnert es mich stark an die Psalmen (die ich gerne lese), in denen der Blödsinn und die Dummheit schon zu ihrer Zeit treffend beschrieben worden sind. Ebenso die Grausamkeit der Kriege und letztendlich deren Sinnlosigkeit (ich muss schon wieder deshalb weinen, unmännlich, nicht wahr?). Selbst die Bücher des Alten Testamentes erzählen davon (die Makkabäer kommen mir da in den Sinn). Es hat mich jedenfalls in meines Herzens Tiefe erfasst und erschüttert.

  • Thomas und Katy v T

    Das Gedicht finden wir sehr hilfreich! Man findet sich darin wieder- in aller Schwachheit - und es zeigt den Weg auf und das gibt Hoffnung. -vielen Dank

  • Christiane W

    Das Gedicht hat viele wunderbare Sätze und Bilder, aber es ist einfach sehr lang - und das Bild des Krieges als Erlösung zu missverständlich. Vielleicht habe ich es auch nur nicht verstanden... Erlösung ist für mich Kreuz und Auferstehung unseren Herrn Jesus. Alles was wir tun und leben kann nur ein Zeichen sein.

  • Irmgard L

    Beim ersten Lesen war es mir nur fremd. Dann habe ich es mir nochmal angeschaut und manches nachvollziehen können. Ja, Gott sucht sich das Unvollkommene, um sein Reich zu bauen. So staunen wir immer wieder darüber, wie Gott gerade auch uns immer wieder benutzt. Denn das, was wir tun ist so wenig und er segnet doch dadurch. Also Hütten und keine Paläste. Wie ich Jeus verstehe, bestand sein Kampf darin, seinem Vater gehorsam zu sein. Bis in den Tod hinein. Und er hat den Menschen gezeigt, wie Gott ist, was Gott will. Und oft erkenne wir den Feind wirklich nicht. Und immer wieder ringen wir miteinander um Liebe, um Einheit, um Wahrheit. Das ist unser Kampf! Der Inhalt des Gedichtes ist stimmig. Doch befremdet mich die Wortwahl sehr. Das sind nicht meine Vokabeln, die Philip da benutzt.

  • Beat R

    Ich habe dieses Gedicht aufmerksam gelesen. Es spricht mich nicht in einer wirklichen Tiefe an, auch sprachlich-formal nicht. Die etwas kriegerische, kämpferische Sprache hat mich befremdet, obwohl mir bewusst ist, dass es um einen echten Kampf geht. Eigentlich beschreibt das Gedicht den Gegenentwurf der "Stadt auf dem Berg" im Kontrast zu den Werten der "normalen" Welt, wie sie eben ist und wie sie sich im Moment in ihren übelsten Darstellungen zeigt.

  • William & Gisela F

    Das Gedicht ist eine Ermutigung, und interessant zu lesen.

  • Andreas Knapp

    Danke für das Gedicht - ein starker Text, der uns den Weg zeigt, wie wir Gesandte des ewigen Friedens sein können, als Jesu Gesandte.

  • Christa S.

    Das Gedicht ist außergewöhnlich, wahr und tröstlich

  • Veronika E.

    Ich habe das Gedicht gelesen und finde es großartig, obwohl ich kein Freund von Gedichten bin und sie nur schwer verstehe. Ich gehöre zu einer Täufergemeinde, wo mir diese Gedanken vertraut sind.

Vierzig Jahre nach dem Tod von Philip Britts (1917-1949) wurde dieses Gedicht in den Unterlagen eines Freundes entdeckt. Britts war Landwirt, Dichter, Aktivist und Pastor, der sich in den ersten Tagen des Zweiten Weltkriegs einer internationalen pazifistischen Gemeinschaft, dem Bruderhof, anschloss. Bald war er gezwungen, zusammen mit der Gemeinschaft Europa zu verlassen und nach Südamerika zu gehen, wo er sich eine seltene Pilzkrankheit zuzog, an der er im Alter von 31 Jahren starb.

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Ich singe vom ewigen Volk
Und der ewigen Stadt,
Der Stadt des ewigen Krieges,
Sie ist die Gesandtschaft des absoluten Friedens.

Wenn ein Volk gegen ein anderes Volk antritt,
Mit Speeren oder Musketen, Kanonen oder Panzern,
Für ein Jahr oder für eine Generation,
Das ist nicht die wahre Kriegsführung,
Noch ist das die ewige Stadt.

Und wenn einer sich als der Stärkere erwiesen hat,
Und Politiker über Friedensbedingungen nachdenken,
Und die Armeen zurückgerufen werden, und die Strafen bezahlt werden,
Und das normale nationale Leben wieder beginnt
In Stolz oder in Demütigung,
Das ist nicht der wahre Friede, der absolute Friede.

Der Kampf endet und gerät langsam in Vergessenheit,
Der politische Frieden wird früher oder später gebrochen,
Und früher oder später werden die Stadt und die Menschen
nur noch zu einer Erinnerung.

Aber die Menschen der Ewigkeit,
In der ewigen Stadt,
Sie führen den ewigen Kampf,
weil sie die Gesandtschaft des absoluten Friedens sind.

Rober H. Meltzer, Taos Pueblo Scene

Rober H. Meltzer, Taos Pueblo Szene
Image from Wikimedia Commons (public domain)

Ist die ewige Stadt voll von vergoldeten Türmen?
Sind die Straßen breit und mit Marmor gepflastert?
Wird sie von Toren aus Stahl verteidigt, die Stand halten?
Und sind ihre Paläste aus poliertem Gold?

Und das ewige Volk, ist es stark?
Sind sie anmutig, sind sie stattlich in ihrem Gang?
Sind sie schärfer im Verstand als andere Menschen?
Und haben sie größeren Mut?

Nein, denn die ewige Stadt ist anders,
Und das ewige Volk ist etwas anderes.

Manchmal ist die Stadt eine Ansammlung von kleinen verputzten Hütten,
Manchmal ist die Stadt aus Holz gebaut mit Grasdächern,
Manchmal ist die Stadt ein Kreis von Zelten, die an einem Fluss aufgestellt sind.
Manchmal ist die Stadt eine Lichtung in einem Wald, mit Wachfeuern, aber ohne Häuser.

Und die ewigen Menschen sind wie andere Menschen,
Nicht größer, nicht mutiger, nicht stärker, nicht klüger.
Im ewigen Volk sind viele schwach,
Viele sind langsam im Denken, viele sind ängstlich.
Die ewigen Menschen sind wie andere Menschen,
Nur ihre Augen sind mehr wie die Augen von Kindern,
Aus ihnen leuchtet die Freiheit der ewigen Stadt.

Bijay Biswaal, Wet Platform IV

Bijay Biswaal, Nasser Bahnsteig IV
Image reproduced by permission from Bijay Biswaal

Wie kann es dann sein, dass dieses Volk ewig ist?
Und wie kommt es, dass diese Stadt ewig ist?
Warum geraten sie nicht in Vergessenheit?
So wie alle Städte und alle Menschen letztlich in Vergessenheit geraten?

Sie sind das ewige Volk
Und es ist die ewige Stadt
Weil sie den ewigen Krieg führen,
Weil sie die Gesandtschaft des endgültigen Friedens sind.
Sie sind nicht stark in sich selbst, die ewigen Menschen,
Wenn sie stark wären, wären sie stolz
Und alles, was stolz ist, wird vergehen.
Doch durch sie werden mächtige Dinge getan,

Die Herzen stolzer Regierungen werden bewegt,
Ozeane werden in Todesgefahr sicher überquert,
Und was noch mächtiger ist als all das -
Inmitten eines ruinösen Krieges herrscht Frieden zwischen ihnen.

Das Leben des ewigen Volkes
Liegt in der Hand des verborgenen Königs,
Der König, der weder Schloss noch Hof hat,
Der niemanden zwingt, sein Untertan zu sein,
Der niemanden zwingt, seinem Wort zu gehorchen.
Dieser König, der verborgene König,
Er ist der König des ewigen Volkes.

Der wahre Krieg, der ewige Kampf,
Ist nicht das Gegeneinander der Menschen,
Es ist der Krieg des Schöpfers gegen den Zerstörer,
Es ist der Krieg des Willens zum Leben gegen den Willen zum Tod,
Der Kampf der Liebe gegen den Hass,
Der Kampf der Einheit gegen die Trennung.
Es ist der Krieg des verborgenen Königs gegen die Finsternis.

Diejenigen, die diesen Krieg führen, das sind die ewigen Menschen
Und ihre Stadt ist die ewige Stadt.

Und der endgültige Frieden ist der Umsturz aller zerstörerischen Kräfte,
Er ist die Errichtung einer neuen Ordnung auf der Erde,
Eine Ordnung, in der die Liebe über jeden Aspekt des Lebens regiert,
Über die Beziehungen aller Menschen zueinander,
Über die Handlungen aller Menschen gegenüber sich selbst und gegenüber allen Dingen außerhalb ihrer selbst.
Und dieser Friede ist in den Herzen der ewigen Menschen verankert,
Denn sie sind die Gesandtschaft des letzten Friedens,
Für den sie den ewigen Krieg führen.

Der Krieg den die ewigen Menschen führen ist ein harter Kampf,
Und einer von ihnen zu sein ist ein riskantes Unternehmen,
Denn der Feind greift jeden in seinem eigenen Herzen an,
Und jeder muss ihn ständig in seinem eigenen Leben bekämpfen.
Der Kampf ist schwer, weil sich der Feind tarnt,
Er kommt als Freund oder als Kämpfer,
und ist schön oder begehrenswert,
Aber immer ist er ein Verräter, und seine Schönheit verwandelt sich in Abscheulichkeit.
Und den Feind zu erkennen, ist das Problem des ewigen Volkes,
Denn nur wenn er offenbart wird, ist seine Macht gebrochen.
Das ist der Sieg des verborgenen Königs,
Dass er den Feind entlarvt und besiegt.
Wenn der Feind versucht, sie zu entzweien,
Wenn der Feind versucht, sie zu täuschen,
Ist er stärker als der Feind,
Und mit seiner brennenden Liebe treibt er ihn aus.

Die Waffen des ewigen Volkes sind keine leiblichen Waffen,
Die Waffen des ewigen Volkes sind der Wille zur Wahrheit,
der Wille zur Einheit und das Mittel zur Einheit, welches die Liebe ist
Und vor allem die Treue zum nicht sichtbaren König.
Die Stärke der ewigen Menschen ist, dass sie nicht gespalten sind.
Nur das, was ungeteilt ist, ist ewig.

Ein Teil der ewigen Stadt mag in dem einem Land liegen,
und ein anderer Teil mag tausend Meilen davon entfernt sein.
Es ist keine Frage des Raumes,
es geht um die Einheit von Herz und Verstand
gegen den gemeinsamen Feind.
Und der Feind des ewigen Volkes ist der Fürst des Todes.

Dies sind die Befehle des verborgenen Königs:
Dass sie nicht gegeneinander gespalten sind,
Weder in geistigem Stolz noch in materiellem Wettbewerb,
sondern dass jeder in dem anderen seinen Kampfgefährten sieht,
und ihm gegenüber vollkommene Liebe empfindet und ihm im Kampf unterstützt,
Und dass sie alle Geschwister sind, die Seite an Seite den ewigen Kampf kämpfen.
Und das Maß der Stärke des ewigen Volkes
ist das Maß ihres Gehorsams gegenüber dem verborgenen König.

Diejenigen, die unter dem Banner des verborgenen Königs stehen,
Sie sind das ewige Volk.
Sie sind das Volk des ewigen Krieges,
und sie sind die Gesandtschaft des endgültigen Friedens.

 

Übersetzung aus dem Buch Water at the Roots: Poems and Insights of a Visionary Farmer  (Plough, 2018).

Von PhilipBritts Philip Britts

Der Landwirt und Dichter Philip Britts wurde 1917 in Devon, England, geboren. Britts wurde Pazifist, trat dem Bruderhof bei und zog während des Zweiten Weltkriegs nach Südamerika.

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