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Fiction
Der Schachspieler
December 22, 2016

Es war Weihnachtsabend.  Schon den ganzen Tag lang hatte ein eisiger Wind über die Felder gefegt.  Nun begann es zu schneien. Die Schneeflocken kamen zu Tausenden, ja zu Millionen aus den Wolken, und bedeckten das kleine Dörfchen in dem Bauer Dyhema wohnte.  Sie bedeckten seine Felder, die bereits gepflügt waren für die nächste Saat; sie bedeckten seine riesigen Scheunen, gefüllt mit Heu und Getreide; sie bedeckten den Hof, den großen Stall, und das Haus.

Der alte Bauer hatte den Schnee kommen sehen. Er saß in seinem Sessel vor dem offenen Feuer am Kamin.  Er sah den Schnee auf seinen Feldern gern. "Der Schnee bedeute eine bessere Ernte im nächsten Jahr," dachte er. Seine Stube war gut geheizt. Auf dem Tisch stand das Schachbrett.  Jede Schachfigur stand auf ihrem richtigen Platz, vier Reihen auf den weißen und schwarzen Quadraten des Schachbrettes. Dyhema spielte gern Schach. Er wartete auf den Pfarrer.  Jeden Sonntagabend kam der Pfarrer um mit dem alten Bauern Schach zu spielen, auch zu Weihnachten kam er. Heute Abend würde er auch kommen. O, ja, Schach spielte Dyhema sehr gern. Er gewann jedes Mal.  Es gab niemand im ganzen Dorf der so  gut spielen konnte wie er.  Es gab niemand im ganzen Dorf der so reich war wie er.  Er war der beste Bauer, der reichste Bauer, der beste Schachspieler; und er war außerdem rechtschaffen und ehrlich. Er wohnte allein mit seinen Dienern.  Seine Frau war vor vielen Jahren gestorben. Heute aber, am Weihnachtsabend, dachte er nicht an seine Frau. Er war immer allein, er dachte an sich selber. Was für eine herrliche Ernte hatte er dies Jahr! Was für ein wichtiger Mann im Dorf er war! Wenn er durch die Straße ging, nahmen alle den Hut vor ihm ab! Wenn jemand Hilfe brauchte - er gab sie. Wenn jemand Arbeit brauchte - er gab sie. Wenn jemand Geld brauchte - er lieh es.

a man playing chess

Plötzlich ging die Tür auf.  Ein Diener kam 'rein.  "Es ist schon spät, Dyhema. Soll ich den Weihnachtsstollen warm halten?" Dyhema sah auf die Uhr. "Der Pfarrer ist spät," sagte er.  "Ja, halt den Stollen warm."

Der Diener zog sich zurück; bei der Tür sagte er, "Ich glaube der Pfarrer kommt heut nicht. Der Schnee ist zu tief." Dyhema sah ärgerlich aus, doch sagte er nur "Ich kann warten". Als der Diener gegangen war, stand er auf und sah aus dem Fenster. "Ach je! so viel Schnee!" sagte er, "Da wird der Pfarrer sicher nicht kommen, der Schnee ist zu tief." Dyhema sah mit sehnsüchtigem Blick auf das Schachbrett.

Aber denk, jemand kam! doch es war das Christkind! Den ganzen tag hatte das Christkind viel zu tun gehabt. Weihnachten ist die Zeit fürs Christkind, denn da öffnen sich die Herzen der Menschen. Das ist gerade, was das Christkind braucht: offene Herzen. Die Leute denken an ihre Jugend, und wie schön es zu Hause zu Weihnachten war.  Sie denken über ihr Leben nach, und wie viel falsch gegangen ist.  Siemöchten sich ändern, neu anfangen.  Dann kommt das Christkind. - Den ganzen Tag hatte das Christkindviel zu tun gehabt.  Jetzt blieb ihm noch Eines zu tun: zu dem alten Bauern Dyhema zu gehen.  Als Gott ihm das gesagt hatte, hatte es gesagt "Aber sein Herz ist überhaupt nicht offen." Aber Gott hatte nur geantwortet: "Geh, es war lange genug hart und verschlossen. Es ist jetzt Zeit."  Als das Christkind durch den Schnee stapfte, bedachte es jene Worte. Was kann ich tun? Aber wenn Gott sagt: Es ist jetzt Zeit, dann ist es Zeit.

Auf einmal war das Christkind in der Stube des alten Bauern. Niemand hatte es kommen gehört, niemand hatte es gesehen, aber plötzlich war es da. "Guten Abend, Dyhema," sagte es mit seiner wohlklingenden Stimme. Dyhema blickte erstaunt auf.  Mit großen Augen schaute er das Christkind lange an:  "Wer bist du, kleiner Junge, wie bist du denn herein gekommen?" Das Christkind setzte sich nah am Feuer auf einen Stuhl gerade gegenüber von Dyhema.  "Ich bin das Christkind." "Das Christkind?  Ach so.  Na, was brauchst du denn?" "Ich möchte nur mit dir sprechen." "Da ist nichts zu besprechen. Ich habe alles, was ein Mann nur tun kann, getan. Ich habe fünfhundert Gulden für die Weihnachtsfeier in der Kirche  gegeben." "Ich weiß," sagte das Christkind, "und zweihundert-fünfzig Gulden für die Sonntagsschule um Weihnachten zu feiern." "Ja," sagte der Bauer wieder, "und fünfhundert Gulden für die Armen des Dorfes. Und meiner Diener bringen jedem der kranken Leute im Dorf ein Paket." "Ich weiß das alles" sagte das Christkind und seufzte tief.

a maid in front of stone fire place

"Du bist wie ein König auf einem Thron, der viele kleine Gaben an all seine Untertanen verteilt. Aber ach, wie klein sind diese Gaben, im Gegensatz zu den vielen tausend Gulden die du dies Jahr verdient hast. Und dazu kommt, daß alle diese Gaben nicht aus Liebe zu den Leuten gegeben wurden, sondern einzig aus Selbstliebe, so daß du nun hier bequem und selbstzufrieden sitzen kannst. Oh, wenn du doch die Weihnachtsgeschichte kennen würdest!" "Die kann ich auswendig: 'Es begab sich zu der Zeit, da Kaiser Augustus..'" "Siehst du, das ist ganz falsch!"  "Falsch?"  Der Bauer Dyhema nahm die Bibel, welche bei ihm lag. "Sieh, hier steht es. 'Es begab sich zu der Zeit, da Kaiser Augustus...'" "Falsch! Ich kenne die Gesichte, Ich bin das Christkind.  Es war nicht vor langer, langer Zeit, in den Tagen des Augustus. Es geschieht jedes Jahr von Neuem. Jedes Jahr wird ein Kind geboren, arm, ohne Kleidung, und es wartet daß du ihm hilfst. Manchmal ist es ein krankes Kind, ein armer Mann oder eine arme Frau die auf dich warten, daß du ihnen hilfst. Das ist die Weihnachtsgeschichte." "Ich weiß, daß ich in Gottes Augen ein Sünder bin," sagte Dyhema. "Jeder Mensch ist in Gottes Augen ein Sünder.  Aber ich habe alles getan, was ich konnte. Ich kann doch nicht all mein Geld so mir nichts dir nichts verschenken.  Das ist doch Unsinn."

"Ich begehre nicht nur Geld. Ich begehre viel mehr als Geld. Ich begehre Liebe.  Du hast gesagt, du hast alles getan was du konntest. Wie steht es aber mit deiner Tochter Bouke?" Der alte Bauer sprang ärgerlich auf von seinem Sessel: "Bouke ist tot.  Für mich ist sie tot. Wenn du wirklich das Christkind wärst, dann wüßtest du daß sie vor zehn Jahren gegen meinen Willen geheiratet hat. Sie heiratete einen Künstler, einen Musiker, gegen meinen Willen.  Kinder sollten ihrem Eltern gehorsam sein.  Nein, sprich nicht von Bouke zu mir." "Sie ist arm; sie hat einen Sohn."  "Ich weiß.  Das ist ihre eigne Schuld.  Nicht meine."

Das Christkind guckte auf die Uhr. Halbacht.  Und um acht Uhr - um acht Uhr würde Bouke mit ihrem Sohn hier her kommen. Das Christkind war da wo sie wohnte in ihrem Haus gewesen, und hatte ihr gesagt, daß alles bereit und in Ordnung sein würde, wenn sie kommt. Jetzt war nur noch eine halbe Stunde Zeit, und das Herz des Bauern war härter denn je.  Aber das Christkind war nicht verzagt. Gott hatte es gesandt.

Es lächelte sogar und sagte: "Laß uns Schach spielen." "Kannst du spielen?" "Ein bischen."  "Na dann los, das ist besser als all diese Rederei."

Sie begannen.  Es schien, als sei das Christkind kein guter Spieler.  Nach zehn Minuten hatte es bereits zwei Türme und einen Springer verloren. Dyhema rieb sich die Hände.  Er würde dies Spiel gewinnen. Das war sicher.  Als das Christkind schon fast die Hälfte seiner Figuren verloren hatte, begann es aufeinmal zu sprechen: "Nimm mal für einen Moment an, daß deine Tochter heute zum Heilig-Abend mit deinem Enkel hier zu dir käme. Würdest du sie aufnehmen?"  "Laß den Unsinn.  Sieh auf das Spiel.  Du hast beinahe verloren. Und warum sollten sie kommen?"  "Ich habe beinahe verloren.  Na, vielleicht.  Aber nimm mal an, ich würde das Spiel vor acht Uhr gewinnen, würdest du sie dann aufnehmen?" Der alte Bauer lachte hell auf.  "Ja, das würde ich schon, denn es ist unmöglich das du gewinnst."  Das Christkind lachelte auch.  Es war eine Minuten vor acht. Das Christkind hatte nur noch seinen König, die Königin und einen Läufer.  Dyhema hatte noch fast alle seine Figuren.

Dyhema sah auf die Uhr. "Acht Uhr,"  sagte er. "Acht Uhr, und ich denke es ist 'Schach-matt!'" sagte das Christkind. "Schach-matt?" Dyhema blickte aufs Schachbrett. Er machte große Augen. "Oh, was soll denn das?  Du hast alle meine Figuren verschoben. Nein, nein, was ist los?"  Das Christkind lachelte wieder. "Das ist genau so, wie es im Leben ist," sagte es. Aber dann schaute es sehr ernst drein. "Manchmal scheint es als ob alles verloren ist. Sie denken niemand in der ganzen Welt ihnen helfen kann.  Dann schaut Gott hinunter und sagt: 'Es ist Zeit.'  Und aufeinmal sieht alles ganz anders aus.  Man sieht alles in einem andern Licht, und da sieht man plötzlich daß doch nicht alles verloren ist, sondern gewonnen. Merk dir das, Dyhema!  Noch ist in Seinen Augen nicht alles verloren. Was niedrig ist, soll erhöhet werden.  Die Ersten werden die Letzten sein."  Und dann war es verschwunden.

Dyhema erhob sich.  Dann setzte er sich in seinen Sessel am Feuer und schloß die Augen.  Er wollte das alles bedenken.  Plötzlich wachte er auf.  Jemand hatte an die Tür geklopft.  Er rieb sich die Augen. "O, ich habe geschlafen," dachte er. Ich habe so schön vom Christkind geträumt." Er guckte hinüber zum Tisch.

Da war das Schachbrett.  Die weißen und schwarzen Schachfiguren standen sich in ordentlichen Reihen gegenüber. Ja, es war ein Traum.  "Herein," sagte er.  Ein Diener kam herein. "Dyhema, hier ist ein kleiner Bub," er sagt.  Dyhema stand rasch auf. "Ein kleiner Bub mit seiner Mutter?"  "Nein, er ist allein.  Aber er sagt daß seine Mutter einen Unfall hatte. Sie hat sich den Fuß verstaucht, und wartet im Schnee eine halbe Meile von hier.  Sie schickte den Bub her, um Hilfe zu holen." Dyhema lachte;  Er dachte, "Aber natürlich ist das nicht meine Tochter." Aber laut sagte er nur: "Schick die Diener hin, mit Pferd und Wagen. Mach eine Stube bereit, und bring sie her. Bestell den Arzt.  Bring den Buben her zu mir."  Der Dienerging. Gleich darauf kam ein Junge von ungefähr neun Jahren herein.

Dyhema stand auf, er war eigenartig bewegt. Der Junge sah so aus wie - ja, er sah wirklich so aus, wie er vor langer, langer Zeit ausgesehen haben mußte. "Wie heißt du?"  "Sigurd," antwortete der Bub.  Dyhema sank zurück in seinen Sessel. Er schloß die Augen.  Sigurd, das war ja sein Name.  Seine Tochter hatte ihren Sohn nach ihm genannt!  Na, wie war es denn nun mit dem Christkind. Es war naturlich nur ein Traum.  Aber "Träume sind Schäume, Lügen, Unsinn.  Und doch, hier war der Junge, sein Enkel. Nein.  Er würde seine Tochter nicht aufnehmen. Er stand auf und ging in die Küche.  Nur eine alte Dienerin war da. "Wo sind die andern?" fragte Dyhema. "Die sind selbstverständlich bei ihren Familien, und zwei sind hinaus gegangen die arme Frau zu holen;" antwortete sie. "Ich will sie nicht hier haben.  Sie müssen sie woanders hin bringen!" "Dyhema!  Heute, am Heiligen Abend verweigerst du einer armen Frau dein Haus? Na ja, du trägst die Verantwortung. Aber ich kann nicht hinaus in den Schnee. Wer wird ihnen Bescheid sagen?" "Sobald sie hier sind, ruf mich.  Aber laß die Frau ja nicht in mein Haus."

Damit ging Dyhema zurück in die Wohnstube. Der Junge saß vor dem Kamin. Als Dyhema herein kam, stand er auf, ging ihm entgegen und fragte: "Bist du mein Großvater?" "Natürlich nicht," sagte Dyhema ärgerlich.  Das Gesicht des Jungen wurde traurig. "Dann bin ich zum verkehrten Hof gekommen. Weißt du, als meine Mutter hinfiel, sagte sie: 'Schau, das Licht dort ist der Hof, lauf schnell hin und bitte um Hilfe.'  Ach, es ist nicht zu schlimm. Wenn meine Mutter hier ankommt, kann sie ja sagen wo sie eigentlich hinwollte. Weißt du, sie ist in diesem Dorf geboren.  Mein Großvater ist der reichste Bauer im Dorf.  Meine Mutter meinte, er sei wie ein kleiner König. Alle Leute fragen ihn um Rat. Weißt du, er ist sehr klug."  Nach einem Moment schweigen entfuhr es Dyhema:  "Warum gehst du denn überhaupt zu deinem Großvater?" "Mutter sagte daß das Christkind ihr gesagt hätte sie solle gehen. Wir waren noch nie dort. Wir sind sehr arm, weißt du; mein Vater ist gestorben. Wir haben kein Geld mehr. Aber meine Mutter hat bis jetzt immer gesagt: 'Ich tue nicht den ersten Schritt.' Und dann auf einmal sagte sie, das Christkind hätte ihr gesagt sie solle gehen." "Hat sie das Christkind gesehen?" "Ich weiß nicht.  Nachher meinte sie, es sei nur ein Traum gewesen. Unterwegs war sie ganz unsicher, und sagte zu mir: 'Wundere dich nicht wenn wir nur kurz dableiben.'" Dyhema blickte ins Feuer und schweig.

a boy playing chess

 Plötzlich sah der Junge das Schachbrett. Er ging an den Tisch. "Mein Großvater kann Schach spielen. Mutter sagt er gewinnt immer. Kannst du spielen? Ich kann.  Mutter meint ich könnte so gut spielen, weil ich es vom Großvater geerbt habe. Wollen wir spielen?  Ach, weißt du ich habe Hunger. Wir hatten kein Abendessen."  Dyhema blickte auf: "Kannst du wirklich spielen, so ein kleiner Junge wie du?"  "Ich bin nicht klein, und ich gewinne oft." "Na, komm, wir können‘s ja mal versuchen" sagte Dyhema.

gar nicht lange, bis Dyhema merkte, der Junge kann wirklich spielen.  Fast ohne zu denken machte er die richtigen Züge. Nach einer halben Stunde wurde Dyhema unruhig. Der Junge schien zu gewinnen! Wirklich, der kleiner Junge schien ein besserer Spieler zu sein als er. Was ihn aber am meisten reizte, war, obwohl er sein äußerstes tat um zu gewinnen, daß der Junge einfach spielte ohne vienachzudenken. Wenn er, Dyhema, nach langem, gründlichen Überlegen endlich einen Zug machte, folgte der Zug des Jungen unverzüglich und er war stets der Richtige.

Dyhema war ärgerlich; und das war wahrscheinlich der Grund, daß er plötzlich einen falschen Zug machte. Der Bub lächelte. "Das war ein schlechter Zug. Es ist besser, du nimmst ihm zurück," sagte er.  "Nein, was ich gemacht habe, habe ich gemacht." Der Junge blickte ihn an: Warum war dieser alte Mann blos so ärgerlich. Kann ich da was dafür? War es vielleicht weil er dies Spiel nicht gewinnen konnte? Es gab viele Leute die ärgerlich wurden, wenn sie nicht gewinnen konnten. Es ist ganz interessant. Man lernte am meisten an einem Spiel daß man verlor. Aber dieser alte Mann?  Vielleicht...

Plötzlich kam die alte Dienerin herein. "Dyhema, wie ist es nun mit dem Weihnachtsstollen.  Soll ich ihn jetzt herein bringen?"  Dyhema sah zornig aus. "Geh weg mit deinem Stollen!" "Ach, wie schade," dachte der Junge. Er war so sehr hungrig. Wie zornig der alte Mann war. War das wirklich nur, weil er nicht gewinnen konnte? Und auf einmal sagte er: "Ich hätte so gern ein Stück Stollen, weißt du, ich hatte kein Abendessen." Dyhema erwiderte nur, "Du bist dran."  Sigurd seufzte.  Aber dann kam ihm ein Gedanke.  Er würde den alten Mann gewinnen lassen. Er würde einen schlechten Zug machen.  Aber es fiel ihm nicht leicht.  Er seufzte wieder.  Ach, es ist Heilig Abend, dachte er ich mach' es. Und er machte seinen schlechten Zug.  Dyhema lachte. "Ha, ein schlechter Zug, siehst du, ich kann deine Königin schlagen. Oh, ich wußte, ich kann gewinnen. Ich habe noch nie verloren." Sigurd errötete.  Das war ungerecht.  Ihm wurde stets gesagt, nicht traurig zu sein, wenn er verlor, aber auch nicht stolz, wenn er gewann.

Und dann... auf einmal lächelte er wieder. Wenn ich ihn nur wieder fröhlich machen kann, laß ich ihn halt gewinnen.  Er sagte: "Ja, man weiß nie wer gewinnt ehe es Schach-matt ist."

Während der ganzen Zeit hatte Dyhema den Jungen angeblickt.  Er hatte die Tränen in den Augen des Jungen aufsteigen sehen, nachdem er gesprochen hatte. Dann aber hatte er auch die Veränderung gesehen, das Lächeln. Dann kamen die Worte des Jungen. Es war ihm so, als sähe er das Christkind noch einmal. Er erinnerte sich an die Worte des Christkindes: "Manchmal scheint es als ob alles verloren ist." Er stand auf, und ging im Zimmer auf und ab.  Der Bub guckte ihn höchst erstaunt an.

Dyhema sah sein Leben, sein langes Leben, in einem neuen Licht. Er dachte: "Waren da gar keine Fehler? War alles offen und gerecht? Ja, da ist ein Mangel, ein Vergehen, ein sehr schweres Vergehen. Wie konnte ich bloß so stock blind sein!? Mein Herz war so eiskalt und hart.  Und dabei dachte ich immer, ich wäre so ein guter Mann mit all meinen guten Taten. Oh, oh, was ein elender, erbärmlicher, jämmerlicher alter Mann bin ich."

All dies fühlte er tief im innersten Herzen; und dann sah er auf einmal seinen Traum wieder vor sich, und die Worte des Christkindes klangen in seinem Sinn: Gott kommt.  Er bringt etwas ganz Neues in das Leben: Liebe! Ja, das war es: Liebe!

Dyhema ging hin zu dem Jungen und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Du hast gewonnen," sagte er, "Du und das Christkind."  Der kleine schaute ihm ganz überrascht an.  "Ich weiß gar nicht was du meinst." Der alte Bauer Dyhema lächelte ihn an. "Es ist nicht so wichtig - nein, es macht gar nichts aus; aber dies mußt du dir merken:  Das Christkind bringt neues Leben, obwohl es den Menschen schien als sei alles verloren als Jesus geboren wurde; geboren in einem Stall, arm und kalt.  - Auch am Ende schien alles hoffnungslos verloren, mein Sohn. Am Ende war das Kreuz."

man and boy watching out window

"Wir dürfen es nie vergessen, Sigurd, den Zeitpunkt nie vergessen, als Gott herab blickte und sagte: 'Es ist Zeit.' -Und es war Zeit. Das Kreuz war nicht das Ende. Und sogar auch heute noch kommt das Christkind um die Herzen der Menschen zu erwärmen."

Jemand klopfte laut an die Tür, dann ging die Tür auf und die alte Dienerin fragte: "Dyhema, sag mir wo ich die Frau hinschicken soll, sie ist jetzt hier."

"Bring sie schnell hier zu mir, was sonst?" "Aber du hast gesagt ..." "Sie ist doch meine Tochter! Weißt du das denn nicht? Bring sie sofort hier herein.  Es ist Bouke!  Beeil dich, und bring den Weihnachtsstollen.

Mach schnell, es ist Weihnachten!"


Diese Geschichte ist ein Auszug aus dem Buch Home for Christmas

Mit Bildern von Christina Maendel

“I know it all,” said the Christ Child, and he sighed. “You are like a king on a throne who gives little presents to all his people. Yet how small these gifts are if you think of the thousands of guilders which you earned this year. And all these gifts were given, not out of love for others, but only out of love to yourself, so that you can sit here, content and satisfied with yourself. Oh, if you only knew the Christmas story!”

“I know it. By heart. ‘In the days of the Emperor Augus­tus… ’”

“See, you are quite wrong!”

“Wrong?” Farmer Dyhema took the Bible which was lying near him. “See, here it is. ‘In the days of the Emperor Augustus… ’”

“Wrong! I know the story. I am the Christ Child! It was not long, long ago, in the days of Augustus. It happens ­every year anew. Somewhere every year a child is born, poor and without clothes, waiting to be helped, by you. Sometimes it is a sick child, or a poor man, or a poor woman, waiting to be helped, by you. That is the Christmas story.”

“I know that I am a sinner before God,” said Dyhema. “Everyone is a sinner before God. But as far as I was able I did what I could. I cannot give all my money away, or anything like that. That is just nonsense.”

“I do not ask only for money. I ask for much more than money. I ask for love! You said that you did everything you could? What about your daughter?”

The old farmer stood up angrily. “My daughter is dead. She is dead for me! If you were really the Christ Child you would know that ten years ago she married against my will. She married an artist, a musician, against my will. Children should obey their parents. No, do not speak about her.”

“She is poor. She has a son.”

“I know. It is her own fault. Not mine!”

The Christ Child looked at the clock. Half past seven. And at eight o’clock – at eight o’clock Dyhema’s daughter was to come here with her son. He had been to the place where she lived, and he had told her to go back to her father. He had said that everything would be all right when she came. And now there was only half an hour left, and the heart of the old farmer was harder than ever before. But he was not dismayed. God had sent him. He even smiled and said, “Let us play chess!”

“Can you play?”

“A little bit.”

“Come on. That is better than all this talking.”

They started. It seemed that the Christ Child was not a very good player. After ten minutes he had already lost two castles and a knight. Dyhema rubbed his hands. He would win the game. That was certain. When the Christ Child had lost nearly half his pieces, he suddenly spoke. “Imagine for a minute that your daughter came to you this Christmas Eve with your grandson. Would you receive them?”

“Stop that nonsense. Look at your game. You have nearly lost. And why should they come?”

“I have almost lost. Well, perhaps. But suppose I should win the game before eight o’clock, would you receive them?”

The old farmer laughed. “I would, because it is impossible.”


The Christ Child smiled, too. It was one minute to eight. The Christ Child had only his king, queen, and one bishop. Dyhema had almost all his men. Dyhema looked at the clock. “Eight o’clock,” he said.

“Eight o’clock. And I think it’s checkmate,” said the Christ Child.

“Checkmate?” Dyhema looked at the board. His eyes widened. “Oh? Wait a minute. You have changed the positions of all my men. No, no! But what has happened?”

The Christ Child smiled again. “That is what happens in life,” he said. Then he looked very earnest. “Often people think they are lost. They think that nothing in the world can help them. And then God looks and says, ‘It is time.’ And all at once everything looks different. Everything comes into a different light, and all at once you see that all is not lost, but won. Remember this, Dyhema! All is not lost in his eyes. The lowly shall be lifted up – the first shall be last.” And then he was gone.

Dyhema stood up. He sat down in his chair near the fire. He closed his eyes. He would think this over.

Suddenly he awoke. Somebody had knocked at the door. He rubbed his eyes. I have been sleeping, he thought. I had a wonderful dream about the Christ Child. He looked at the table. There was the chessboard. The two rows of white men and the two rows of black men stood neatly on opposite sides of the board. Yes, it had been a dream. “Come in,” he said. A servant came in.

“Dyhema, here is a little boy. He says… ”

Dyhema stood up in astonishment. “A little boy with his mother?”

“No, he is alone. But he says his mother had an accident. She has sprained her ankle. She is waiting in the snow about half a mile away. She sent the boy for help.”

Dyhema laughed. He thought, of course it is not my daughter. And then he said, “Send the servants out with the horse and cart. Make a room ready and bring her here. Send for the doctor. Bring the boy here.”

The servant went out. A moment later a boy of about nine came in. Dyhema stood up. He was strangely moved. The boy looked – yes, he looked just as he himself must have looked long, long ago. “What is your name?”

“Sigurd,” said the boy.


Dyhema sank back into his chair. He closed his eyes. Sigurd, that was his name. His daughter had called her son after him. But what about the Christ Child? It was a dream, of course. But dreams are lies, nonsense. But still, there was the boy. His grandson. No. He would not receive his daughter. He stood up and went to the kitchen. Only one old servant was there. “Where are the others?” he asked.

“They are all with their families, of course, and two have gone out to fetch the poor woman,” she said.

“I do not want her here! They must take her somewhere else!”

“Dyhema! On Christmas Eve you are going to refuse a poor woman your house! Very well. You are responsible. But I cannot go out and through the snow. Who will tell them?”

“As soon as they are here, call me. But don’t let the woman come into the house.”

Dyhema went back to the living room. The boy sat near the fireplace. When Dyhema came in he stood up and, going to him, the boy said, “Are you my grandfather?”

“Of course not,” Dyhema said angrily.

The boy looked sad. “Then I have come to the wrong farm. You know, Mummy said, when she fell down, ‘That light over there is the farm. Run over there and ask for help.’ But it does not matter. When Mummy comes here she can tell you where she wanted to go. She was born in this village, you know. My granddad is the richest farmer in the village. My mummy said, ‘He is like a little king. Everyone asks for his advice. He is very clever, you know.’”

Dyhema suddenly said, “Why are you going to your grandfather?”

“Mummy said that the Christ Child had told her to go. We have never been there. We are very poor, you know. My daddy is dead. We had no money, but Mummy always said, ‘I will not take the first step.’ And then all at once she told me that the Christ Child had told her to go.”

“Did she see the Christ Child?”

“I don’t know. Afterwards she said it was a dream. And on the journey she was very uncertain. She said to me, once, ‘Do not be surprised if we only stay for a short time.’”

Dyhema said nothing. He looked into the fire. Suddenly the boy saw the chessboard. He went to the table. “My granddad can play chess! He always wins, my mummy says! Can you play? I can. Mummy says that I play so well because I got it from my granddad. Shall we play? Do you know, I am hungry. We had no supper.”

Dyhema looked up. “Can you really play? Such a small child?”

“I am not small. And I often win.”

“Come on, let us try,” Dyhema said.

After a short time Dyhema understood that the boy really could play. Almost without thinking he made the right moves. After half an hour Dyhema became restless. The boy was winning! Really, the small boy seemed to be a better player than he was. And what annoyed him most was that while he did his utmost to win, the boy just played, without thinking it over. If Dyhema made a move, after a long time of consideration, the boy followed immediately, and it was always the right move. Perhaps it was because Dyhema was so annoyed that he suddenly made a wrong move. The boy smiled. “That is a bad move,” he said. “You had better take it back.”

“No, what I have done, I have done!”

The boy looked at him. Why was this old man so angry? He could not help it, could he? Was it because he could not win the game? A lot of people grew angry if they could not win. It was interesting. You learned most in a game that you lost. But this was an old man. Perhaps…

a boy playing chess

Suddenly the old servant came in. “Dyhema, what about the Christmas tart? Can I bring it in now?”

Dyhema looked very angry. “Go away with your tart!”

What a pity, the boy thought. He was so hungry. How angry the old man was. Was that only because he was not winning? Suddenly he said, “I should like to have some tart. I had no supper, you know.”

Dyhema only said, “Your turn to play.”

Sigurd sighed. Then he had an idea. He would let the old man win. He would make a bad move. It was not easy to do that. He sighed. It is Christmas Eve, he thought, I will do it. And he made his move.

Dyhema laughed. “A bad move. See, I can take your queen. Oh, I knew I could win. I have never yet lost a game!”

Sigurd blushed. This was not fair. He had always been told not to be sad if he lost, and not to be proud if he won. Suddenly he smiled. If I can cheer him up, let him win, he thought, and he said, “You can never be sure who wins before it is checkmate.”

All the time Dyhema had looked at the boy. He had seen the tears come into his eyes after he had spoken. And he had seen the change, the smile. And then the words of the boy. It was as if he saw the Christ Child again. He remembered the words of the Christ Child, “Sometimes you think all is lost.” He stood up. He walked up and down the room. The boy looked at him in surprise. Dyhema saw his life – his long life – in a new light. No mistakes? Open and right? There was a fault, a great fault. How could he have been so blind? My heart has been cold and unmoved, yet I’ve always thought I was such a good man, with all my good deeds. What a wretched old man I am. All this he felt deep in his heart and he saw his dream again, heard the words of the Christ Child, “God comes. He brings something new into life. Love!” That was it. Love!

Dyhema went to the boy. He put his hand on his shoulder. “You have won,” he said, “you and the Christ Child.”

The boy looked up at him in astonishment. “What do you mean?”

Old Farmer Dyhema smiled. “It does not matter, my son,” he said. “It does not matter. But remember this: the Christ Child brings new life, yet all seemed so lost to man when Jesus was born. Born in a stable, poor and cold. All seemed to have been utterly lost in the end, my son. A cross was the end. We must remember, Sigurd, remember the moment when God looked and said, ‘It is the time.’ And it was! The cross was not the end. And even today the Christ Child still comes to warm the hearts of men.”

man and boy watching out window

There was a hard knocking, and the door opened. The old servant said, “Tell me, Dyhema, where must I send this woman? She is here now.”

“Bring her in here, of course.”

“But you said… ”

“It is my daughter! Didn’t you know that? Bring her in here at once! Quick! And bring the Christmas tart. Quick, it is Christmas!”


This story is an excerpt from Home for Christmas

Download the PDF of The Chess Player.

Illustrated by Christina Maendel.