Von den Lebenden und den Toten
Der Glaube an die Auferstehung ist kontraintuitiv. Und trotzdem fesselnd.
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Der Glaube an die Auferstehung ist kontraintuitiv. Und trotzdem fesselnd.

Foto von iStock/Getty Images. Verwendet mit Genehmigung.
Autoradio. Wahlwerbung zur letzten Bundestagswahl 2025. Man hört ein schnelles Ticken und dann Text: Wie viel Lebenszeit bleibt dir noch? [...] Mit jedem Tag, der vergeht, kommen wir auch einen Tag näher an unseren eigenen Tod heran, aber es gibt Hoffnung. Die Partei für Verjüngungsforschung tritt bei der Bundestagswahl an, um die Entwicklung von Medizin zu beschleunigen, mit der Menschen Tausende Jahre leben können und zwar körperlich und geistig gesund. [...] Wir, die Partei für Verjüngungsforschung fordern wesentlich mehr Investitionen in diesen Bereich, damit solche Medizin noch zu unseren Lebzeiten entwickelt wird. Wähle uns bei der Bundestagswahl...
Zuerst dachte ich, dass es ein Scherz sei. Als ich verstanden habe, dass es sich wirklich um eine echte Wahlwerbung handelte, war ich begeistert.
Als ich 17 war, ist mein Vater gestorben, darüber habe ich den Rest meines Glaubens an Gott verloren. Ich wurde Atheist. Und das Erste, was mir auffiel, war, dass die Atheisten, die ich kannte, über den Tod nicht mehr sagten, als dass er einen irgendwie traurig macht. Keine Revolte, kein Aufbegehren dagegen.
Aber warum, fragte ich mich damals, gab es nicht Initiativen, von mir aus von reicheren Menschen, Tiefkühlfamiliengräber zu unterhalten oder Ähnliches, für den Fall, dass die Wissenschaft, an die doch alle glaubten, doch das Unmögliche plötzlich kann? Das klingt für unsere Ohren vielleicht skurril wie diese Wahlwerbung, aber warum eigentlich? Wenn man nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, warum tut man dann nicht alles dafür, seine Liebsten irgendwie wiederzusehen.
Ich wage das nicht zu beantworten, aber irgendwas darin kommt mir nicht erwachsen und reif im Umgang mit dem Tod vor, sondern eher stockholmsyndrommäßig – also ich kämpfe nicht gegen meinen Entführer, der mir die Pistole an den Kopf hält, ich bleibe in seinem Auto sitzen und fange an zu denken, dass er mir vielleicht doch etwas Interessantes zu sagen hat, und die Pistole ihm . . . auch . . . irgendwie steht. Ich nenne ihn nicht mehr Feind – er gehört halt zum Leben dazu, sagen manche dann, etwas grau und traurig.
Sowas hat mich wütend gemacht als Teenager, weil ich meinen Vater geliebt habe, weil ich ihn wiedersehen wollte und dachte, dass wir, nur weil wir in dieser bescheuerten postchristlichen Pseudokultur lebten, ihn im Erdreich verbuddelt haben, wo er jetzt schon so angewest war, dass man ihn auch nicht mehr hätte einfrieren können.
Die atheistischen Freunde meiner Eltern hätten solch leidenschaftlichen Gedanken kultiviert in der Runde als unvernünftig belächelt und dabei, ganz beiläufig, das dürre Knie vom Tod getätschelt, der seine Sense kurz an die Sofakante gelehnt hat, um, ganz gerührt von so viel Verständnis, auch eine Tasse Kaffee entgegenzunehmen.
„Habt ihr vielleicht Zucker?“, fragt er in die Runde. „Aber na klar.“
Wenn man einmal verstanden hat, mit wie viel Todesangst viele Menschen versuchen, sich mit ihm anzufreunden oder ihn ok zu finden, anstatt das zu tun, was ich damals angemessen fand: eine geistige Revolte beginnen, ihm jeden netten Blick versagen, ihm den hoffnungslosen Krieg erklären, ihm keinen Zentimeter Land zu gewähren und bis zum Schluss zu kämpfen mit all den verblassenden Bildnissen der Geliebten, die wir kiloweise in gravierten Medaillons um die Hälse tragen – wenn man das verstanden hat, dann freut einen diese Wahlwerbung. Weil man das Gefühl bekommt: Gott sei Dank gibt es Menschen, die noch Lebenswillen haben, die nicht bereit sind, sich pseudoerwachsen abzufinden mit der absoluten Zerstörung ihrer Existenz und der ihrer Kinder.
[.pull-quote]Welches ist der wahre Frühling da draußen? Der graue oder der leuchtend grüne, oder ein ganz anderer?[.pull-quote]
Ich weiß, das klingt alles beunruhigend pubertär – Revolte, sich wehren, kämpfen bis zum Schluss, Feind. Ich bin Mutter von vier Kindern, und es wäre besser, ich würde jetzt langsam mal so was Warmes und Gutes sagen wie „Annehmen“ oder „Integrieren“. Mach ich aber nicht.
Leider reicht ein aufrichtiger Hass auf den Tod noch nicht aus, um an die Auferstehung Jesu zu glauben.
Es reicht, laut dem Historiker Dale Allison von der theologischen Hochschule Princeton, auch nicht aus, die historischen Fakten zur Auferstehung zu kennen. In einem eindeutigen Zugang zur Wirklichkeit, der gewisse Dinge per se ausschließt, könne man noch so sehr historisch zeigen, dass die Jünger etwas gesehen oder erlebt haben müssen – man wird nicht an die Auferstehung glauben. Er sagt, es sei erst mal eine Frage des Weltbildes, das man hat, oder des Framings. Ich möchte ergänzen: Es ist eine Frage, welchen Zugängen zur Wirklichkeit wir trauen und welchen nicht.
Es gab Zeiten, in denen ich schwere Depressionen hatte. Besonders nach dem Tod meines Vaters. Irgendwann nach den Depressionen gab es auf einmal einen Morgen, an dem ich vor die Haustür getreten bin, sie hinter mir geschlossen habe und mich vor Schreck nach dem Boden unter mir tastend auf die roten Sandsteinstufen setzen musste. Der Grund: der Frühling.
Das mag jetzt poetisch, leicht übertrieben und gleichnishaft klingen. So ist es nicht gemeint. Ich habe ein Grün und Kontraste gesehen, die ich jahrelang nicht gesehen hatte, die mich erschreckt haben.
Ich habe mich damals mit dieser Erfahrung einem Erwachsenen anvertraut, weil ich so irritiert darüber war. Er ordnete es metaphorisch ein, und ich konnte auf die Wirklichkeit beharren, wie ich wollte – eins war klar, die Verrückte hier war ich. „Jaja, jetzt sieht die Welt für dich schon ganz anders aus, das freut mich“.
Es blieb reine Poesie.

2010 wurde in Freiburg mit einer elektrophysiologischen Methode gezeigt, dass die Netzhaut depressiver Menschen signifikant anders auf optische Reize reagiert, als sie es bei nicht Depressiven tut. 2012 fand man heraus, dass die beeinträchtigte Kontrastwahrnehmung der Netzhaut sich nach der Depression wieder normalisiert. Ich war also nicht verrückt. Was ich gesehen hatte, war einfach die andere Welt. Weniger Grün, weniger schön.
Manche Forscher nehmen an, dass es da draußen gar kein Grün gibt, sondern dass die Farbe allein in unserem Gehirn entsteht. Welches ist der wahre Frühling da draußen? Der graue oder der leuchtend grüne, oder ein ganz anderer? Welches ist die wahre Welt?
Diese Stelle im Lukasevangelium, in der man liest, dass die Augen der beiden Jünger gehalten waren, als der Auferstandene mit ihnen nach Emmaus ging und sie ihn lange nicht erkennen konnten, steht meiner Wahrnehmung von Wirklichkeit seit diesem Frühling jedenfalls nicht mehr radikal entgegen.
Als Kind habe ich versucht herauszufinden, wie das Meer für meinen kleinen Bruder aussieht. Ich hatte die Befürchtung, dass, wenn ich „blau“ sage, er zustimmt, aber eigentlich das sieht, was ich gelb nennen würde. Es war ein recht mühevolles, kompliziertes Gespräch, das wir damals als Acht- und Neunjährige am Strand führten. Ich weiß noch, dass die Sonne brannte, dass unsere Finger von den bunten Skittles-Kaubonbons mit Sand zusammenklebten. Als wir mit der Farbe des Meeres nicht weiterkamen, habe ich angefangen zu fragen, wie die lila Skittles für ihn denn schmeckten.
Ich kann mich bis heute eigentlich nicht darüber beruhigen, dass alle Menschen, hinter, oder um ihre Stirnen, oder in den Füßen, ihr eigenes Bewusstsein haben, von dem ich nichts weiß. Ich habe keine Ahnung von ihrem Grün und ihrem Lila und wie sich die Wogen vom Meer bei ihnen abbilden. Wie sich für sie Schwimmen anfühlt, ob der ein oder andere hier diese ganzen Wasserteilchen vielleicht doch differenzierter wahrnimmt als ich, und was sich an ihrem inneren Horizont in der Weite ihres inneren Himmels eigentlich alles zusammenbraut, wenn ich jetzt Brahms anmache. Was hören Sie da? Oder sehen Sie es? Welche Infos bekommen Sie durch Musik? Und wo ereignet sie sich bei Ihnen?
Die Wirklichkeit ist ein so skurriler Ort, ich habe mich eigentlich bis heute noch nicht richtig hier eingefunden. Mein streng abgeschlossenes naturalistisches Weltbild, das ich als Atheist versucht habe zu leben, ist an ihr irgendwie gescheitert. Ein paar Jahre nach meinem Bruch mit Gott, wandte ich mich ihm wieder zu, übergab irgendwann mein Leben Jesus und kurz danach starb mein Bruder. Er war 23.
Ich weiß noch, dass der Bestatter gewartet hat damals, damit ich ihn ins Haus bitte – so wie man das auch bei Vampiren tun muss, da sie sonst nicht über die Schwelle kommen. Er stand da, Füße zusammen, in einer Körperhaltung, die zum Namen seines Institutes passte: Pietät. Als wäre es eine Ballettanweisung: Plié, Relevé, Pietät.
Ich glaube, dass er gewartet hat, weil er klug war und wusste, dass sein Job so was wie lebensgefährlich sein könnte, und er unsere Zustimmung dafür brauchte, denn er war gekommen, um den Sarg mit meinem kleinen Bruder drin zu schließen, und dafür musste er erst mal an mir vorbei. Wenn ich damals nicht schon an die Auferstehung der Toten geglaubt hätte, hätte er gleich wieder umdrehen können. Ich ließ ihn rein.
Atheisten sagen, dass mein Bruder zerstört, weg ist. Wenn das wahr ist, dann ist das wahr, und das entscheidet sich nicht nach meiner Befindlichkeit. Es entscheidet sich aber auch nicht nach deren Befindlichkeit.
Ich habe keinen Beweis für ihn mitgebracht. Kein Abi-Zeugnis, keins von den verblassenden Fotos, und ich kann ihn nicht vermitteln. Es wäre in etwa so, als müsste ein Vogel erklären, wie es sich anfühlt, das Magnetfeld zu kennen. Wie sich die Richtung Norden anfühlt. Es geht nicht.
Ich kann sagen, wie lila Skittles schmecken, aber ich kann meinen Bruder nicht vermitteln.
Wenn jemand stirbt, den man liebt, dann ist die Liebe noch da in einem. Sie wird die Knute, die einen leiden lässt, obwohl das Objekt der Liebe weg ist und die Liebe eigentlich überflüssig wird.
Manche Neurowissenschaftler beschreiben das, was im Gehirn bei der Trauer vorgeht, mit den gleichen neuronalen Abläufen, als würde einem Hund die ganze Zeit eine Wurst vor die Nase gehalten, die er nie erreicht, oder einem Verdurstenden das Wasser, das er nicht bekommt. Trauer entspricht also einem der anstrengendsten, absurdesten Zustände. Wie kann man sich daraus befreien? Wann endet das? Indem man sich abwendet von der Wurst? Indem ich mich abwende von meinem Bruder? Oder indem ich seufzend erlahme, wenn meine Liebe sich endlich totgelaufen hat?
Aber so ist Liebe nicht. Es wäre so, als würde ich dem Vogel sagen: „Du musst jetzt das Gefühl von Norden loslassen – Norden ist nicht mehr.“
Und der Vogel würde sagen: „Was für ein Quatsch, du kennst Norden nicht. Du weißt nicht, wie es ist, die Richtung zu kennen, zu spüren und dorthin gezogen zu werden. Norden kann nicht weg sein, seine Richtung ist immer noch in mir. Ich weiß genau, wo es langgeht, lass mich fliegen.“ Und er fliegt. Und fliegt, und fliegt, und kann nicht landen. Er fliegt immer weiter, ins helle Blau, in den weißen Wolkenstreifen, und nirgends kann er sich niederlassen, denn er hat Norden in sich, und er umkreist die Welt jetzt schon seit Jahren. Weiter und noch weiter. Norden ist verschwunden, und Süden und Westen und den Osten gibt es nicht mehr. Er sieht die Sonne nicht mehr aufgehen, und auch die Baumwipfel unter ihm sind längst verschwunden. Er fliegt und fliegt und versteht dieses Leid nicht, dass er fliegen muss, dass in ihm Norden so deutlich ist.
Er wird nicht fragen können, wie Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, aber die suchenden Bewegungen seiner kleinen, hektisch flatternden Gestalt am Himmel zeichnen vielleicht das gleiche Muster ins Blau wie der verzweifelte Blick des Gekreuzigten, kurz vor seinem Tod.
Ich habe den Herrn nicht gesehen damals. Weder tot noch auferstanden. Aber ich habe gehört, dass die, die behaupten, sie hätten ihn gesehen, sagen, man habe ihn nicht gleich erkannt. Dass er, wie ein Kippbild, erst aussah wie der Gärtner oder sonst ein fremder Mann, und auf einmal ist sein Antlitz gekippt in was Erkennbares – etwas zutiefst, unmöglich Erkennbares, in so was wie Norden für einen Vogel oder Liebe für einen Menschen, in den Frühling, in die echte Farbe da draußen, nein, noch tiefer und fundamentaler als das, in das Gesicht des Einen – in das eine, eine, eine Gesicht.
[.pull-quote]Der Vogel würde sagen: „Was für ein Quatsch, du kennst Norden nicht. Norden kann nicht weg sein, seine Richtung ist immer noch in mir.“[.pull-quote]
Das Gesicht, in das wir gerne schauen würden. Um uns zu vergewissern, Klarheit zu haben, uns zu beruhigen und endlich nicht mehr von Glauben sprechen zu müssen, sondern von Sehen.
Dann könnte man getrost die Augen schließen, und in einem würde sich all das einfach zeigen. Wie auf einem inneren Feld, auf dem Informationen kommuniziert werden in Form von Licht oder einer Sprache, die nicht die eigene ist, als würden sich die Eltern auf Englisch unterhalten, während man im Arm des Vaters einschläft. Fremde Worte, die man nicht entschlüsseln kann, in vertrauter Stimme gesprochen. So ist das manchmal. Es reicht nicht zum Verstehen, aber es genügt, um tief zu vertrauen, fast könnte man von Wissen sprechen.
Das Schlimme an der Auferstehung ist, dass sie viel zu schön ist, um wahr zu sein, und dass sich das Leid der Welt mit weit aufgerissenen Augen kreischend an sie dranhängen will, weil sie das Einzige ist, weit und breit, das sich wirklich aus dem Dreck und Blut der Gräber erhebt.
Das macht das alles so unglaubwürdig: unsere eigene Not, die hochgezogenen, dürren Lippen, die die Zähne freigeben, und die verdrehten, schielenden Augen der Toten und die bebenden Ängste der Lebenden um den Rest ihrer Kinder, all das macht es so unglaubwürdig, weil die Not so groß ist, dass sie sich als riesige Traube festkrallt, ohne hinzusehen, einfach, weil sich da was aus dem Abgrund endlich erhebt.

Das macht es fast unmöglich, über die Auferstehung zu sprechen, weil sie zu schön scheint, um wahr zu sein.
Und dann gibt es aber jene, die das tun. Die davon erzählen:
„Rühr mich nicht an“, soll die Ewigkeit gesagt haben, und „brannte nicht unser Herz“, sollen sie sich gefragt haben. Und das alles kommt einem irgendwie bekannt vor.
Obwohl man nicht dabei war. Weil uns allen wahrscheinlich das Herz brennt und weil keiner von uns an die Ewigkeit rühren darf, wie wir es gerne würden, um uns endlich zu beruhigen. Der Griff nach den Knöcheln vom auferstandenen Jesus bedeutet die Zustimmung, vom Licht geduzt zu werden, und die kann keiner ernsthaft geben. Aber trotzdem wollen wir uns alle an diese Auferstehung irgendwie dranhängen.
Man stürzt sich ernsthaft hinunter aus abstrakt gelehrten und philosophischen Höhen, in denen man sich spirituell wunderbar selbst verwirklichen könnte, um sich an den haarigen Knöcheln eines Mannes festzuhalten, der tot war und jetzt wieder leben soll.
Bei allen Zweifeln, die ich habe, nehme
ich diesen festen, gierigen Griff und diese Knöchel des Auferstandenen als etwas so seltsam Überraschendes und sich selbst Übersteigendes wahr, wie, ja – wie eben die Wirklichkeit selbst: komisch, intuitiv und total kontraintuitiv.
Der gierige Griff nach diesen Knöcheln des Auferstandenen ist für mich der Griff nach der Wirklichkeit an sich, die sich nicht packen lässt.
Es ist der Griff an dieses Fremde, seltsam Gute, an das der ein oder andere extrem verunsichernde Traum von mir schon mal gerührt hat, oder wo auch immer uns die Öffnung der Realität, wie wir sie kennen, verstörend begegnet ist: in einer Stimme kurz vorm Aufwachen, im Sternenhimmel über dem Meer, in Ereignissen, die wir beschämt und etwas ungläubig als Wunder bezeichnen, oder in unglaublich großer Freude.
Der Griff nach diesen Knöcheln des Auferstandenen ist der Griff nach der Liebe, die den ein oder anderen von uns schon mitgenommen hat in eben diesen offenen Türbogen der Wirklichkeit, hinter dem nichts ist, was ich beschreiben könnte, außer, dass es da wahrscheinlich lang geht.
[.pull-quote]Der gierige Griff nach diesen Knöcheln des Auferstandenen ist für mich der Griff nach der Wirklichkeit an sich, die sich nicht packen lässt.[.pull-quote]
Das Erschreckende an der Auferstehung ist, dass sie ernst gemeint ist. Und zwar ganz. Wir können im Alltagsgebet zu Jesus sagen, dass wir etwas „vor sein Kreuz“ legen, aber wehe, wir werden wirklich mitgenommen, hinein in diese riesige, sprengende Bewegung. Der Weg von einem dichten, harten, winzigen Senfkorn, das wir jetzt sind, zu einem riesigen Baum mit sich entfaltenden, grünen Blättern und tausendmal so viel Fläche, ist eine so radikale Veränderung – Sterben ist der kleinere Teil davon.
Ich sehe den Frühling jetzt leuchtend grün. Und das ist, wie gesagt, nicht poetisch gemeint, sondern das ist ganz real.
Ich glaube, dass es noch einen wahreren, deutlicheren Frühling gibt, über dessen Farben wir eines Tages dümmlich staunen werden.
Ich kann über die Auferstehung Jesu nicht viel sagen. Ich schaue auf diese Texte nicht souverän. Mein Framing hat die Form einer Wunde. Aber wenn das doch alles irgendwie wahr ist, was da steht, dann wäre ich auch nicht der erste Mensch, der wegen seines lauten, blinden Geplärres geheilt wird. Dann wäre die Freundlichkeit, von der ich gelesen habe, die man manchmal so ahnt, wirklich groß. Das wäre wirklich barmherzig. Das hieße, ich müsste mich nicht mal festkrallen an der Auferstehung. Es genügte zu hoffen.
[.smalltext]Dieser Beitrag war ursprünglich ein Vortrag, den Esther Maria Magnis bei der Tagung „Forum Glaube & Gesellschaft 2025“ in Fribourg gehalten hat. Zusammen mit Texten interessanter Autoren, wie N.T. Wright und Alister McGrath wird dieser Beitrag im Juni im Tagungsband unter dem Titel Resurrecting the Resurrection im Aschendorff Verlag erscheinen.[.smalltext]