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Essay

Der Kampf gegen den Mammon

July 7, 2026

[.article__paragraph--leading]Dieser gekürzte Auszug aus Salz und Licht basiert auf einer Vortragsreihe, die der Begründer und Herausgeber von Plough, Eberhard Arnold, von Oktober 1923 bis Januar 1924 in Deutschland unter dem Titel „Der Gott Mammon“ hielt. Sein Publikum war noch dabei, die deutsche Niederlage sowie den Schrecken und die Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs zu verarbeiten. Der darauf folgende wirtschaftliche Zusammenbruch hatte zu Hyperinflation, Arbeitslosigkeit und Unterernährung geführt, was einen Anstieg politischer Gewalt durch extremistische Gruppierungen sowohl faschistischer als auch sozialistischer Prägung zur Folge hatte, obwohl nur wenige die kommenden Gräueltaten des Nationalsozialismus und des Stalinismus hätten vorhersehen können. Viele waren bereit, ein Christentum zu verwerfen, das die imperialen Eroberungen gesegnet hatte und inmitten der durch den Industrialismus hervorgerufenen wachsenden Ungleichheit versuchte, die Armen mit dem Versprechen des Himmels zu beschwichtigen. In Kenntnis all dessen zeigte Arnold auf, wie die Lehren Jesu unmittelbar anwendbar und relevant waren – so wie sie es auch heute noch sind, trotz eines weiteren Jahrhunderts voller Krieg, kapitalistischer Auswüchse und christlicher Komplizenschaft. —Die Herausgeber[.article__paragraph--leading]

[.article__paragraph--cap][.small-caps]Wenn die menschen[.small-caps] danach trachten, für das Leben eine Weihe zu finden, wenn die Menschen sich danach sehnen, in diesem Leben eine Andacht zu finden, wenn sich die Menschen nach Religion sehnen, so steht dieses Entweder-Oder vor ihnen, die Frage Gott oder Mammon. Es ist nicht wahr, wenn man meint, alles Religiöse sei eine Einheit, die irreligiöse Haltung gehört auf die andere Seite. Es ist vielmehr in einem viel tieferen Sinne der Wahrheit entsprechend, wenn man mitten unter das Fromme und Unfromme einen ganz anderswertigen Trennungsstrich zieht. Alles, was sich Religion nennt, steht in Beziehung zu einer Kraft, die irgendwie, auch abgesehen von den Menschen, ihr Wesen treibt.[.article__paragraph--cap]

Es ist die Frage, ob alle Beziehungen sich wirklich auf dasselbe Weltzentrum, denselben Lebensinhalt beziehen. Es steht in Frage, ob alle, die sich Christen nennen, und den Namen Jesus Christus bezeugen, wirklich eine Religion haben, die zu dem Vater und Gott des Messias, des zukünftigen Reiches in Beziehung steht. Es ist die Frage, ob ihre Religion nicht die des Antigottes ist. Es ist die Frage, ob das Religiöse und auch christliche Leben durchwirkt ist von dämonischen Kräften des Abgrundes, die zur Verwesung des Menschheitszusammenhanges führen. Es ist die Frage, ob die großen Menschheitszusammenhänge, die sich als Kirche nach Christus nennt, nicht einem anderen Gott dienen, als dem Gott und Vater, zu dem Jesus sich als einem Gott der ganz anderen Ordnung bekennt. Es ist die Frage, ob die Großkirche, die sich zum Schutz des Reichtums praktisch bekannt hat, die den Mammon heiligt, die Kriegsschiffe getauft, Soldaten für den Krieg eingesegnet hat, in ihrem innersten Wesen nicht den verleugnet hat, zu dem sie sich mit Worten bekannt hat. Es ist die Frage, ob der christliche Staat, der die Verachtung der Hindu und Chinesen geworden ist, ob er nicht das antigöttlichste Gebilde ist und gewesen ist, was je existiert hat. Es ist die Frage, ob diese Zusammenhänge des Schutzes des Kirchentums und der Vorrechte der Reichen nicht gerade der entscheidende Gegensatz zu dem ist, was kommen muß, wenn Gott kommt und wenn Jesus die gerechte Ordnung aufrichten wird. …

Erin Hanson, Olympic Sunset, Öl auf Leinwand, 2025. [.smalltext]Abbildungen von Erin Hanson. Verwendet mit Genehmigung.[.smalltext]

Es ist eine verhältnismäßig unbekannte Tatsache, dass das Urchristentum mit aller Schärfe die Religiosität dieser gegenwärtigen Weltzeit als das eigentlich gottfeindliche erkannt hat. Die Nachricht, die die ersten Zeugen des Christus in die Welt brachten, war die von dem ganz anderen Reich Gottes, dieser Umwertung aller Werte.[.footnote-link]1[.footnote-link] Diese Nachricht von dem ganz anderen, was kommen wird, bezeugten die Christen als die verschleierte Nachricht, verschleiert den Menschen, die verloren sind, denen der Gott dieser Weltzeit ihre Gedanken verblendet hat (2 Kor 4,4). Dem kommenden Gott, der das Reich Jesu Christi aufrichten wird und die Gerechtigkeit, Einheit und Liebe aufrichten wird, diesem Gott der Zukunft, diesem Gott des Anfangs und des Endes, steht der Zwischengott, der Gott dieser Weltzeit gegenüber. Das ist der Geist dieser Welt, der Erdgeist, der uns heute durch neueste Dichtung nahegebracht ist.[.footnote-link]2[.footnote-link] Dieser Gott der Gier, des mörderischen Besitzergreifens, des Raffens und Festhalten das ist der Geist dieser Welt.

Die ersten Zeugen bezeugen es, wir haben nicht diesen Geist der Welt, sondern einen Geist, der erforscht die Tiefe der Gottheit, den Geist, den niemand erkennen kann außer dem, der von ihm erkannt worden ist (1 Kor 2,10-12).

[.article__paragraph--cap][.small-caps]Niemand kann zwei[.small-caps] Herren dienen. „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“. (Mat 6,24) Jesus hat die Eigenart dieses Mammonsgeistes aufs klarste gekennzeichnet, er hat die Religiosität der Besitzenden enthüllt. Er hat gezeigt, wie die Menschen, die in dieser Sphäre leben, einen Geist anbeten, der ein Geist des Todes und des Mordens ist. Durch diesen Mammonsgeist sind Kriege ausgebrochen, durch diesen Geist wird die Unreinheit eine Sache des Geschäfts …[.article__paragraph--cap]

Wir sind an einem Augenblick der Geschichte angelangt, wo der Blinde es sehen kann, dass die Entwicklung des Mammonsgeistes eine ununterbrochene Mörderei von Hunderten und Tausenden ist. Dass dieser Mammonsgeist, der Großkapitalismus, regieren kann, liegt an der Macht der Lüge, die in diesem Geist wohnt. Ebenso wie wir es im Kriege erlebten, dass zum Morden das Lügen als Zwillingsschwester gehört, wie es unmöglich ist, Krieg zu führen, ohne innerste Verlogenheit von Grund aus, ebenso ist es nur möglich, eine kapitalistische Gesellschaft aufrecht zu erhalten durch die Lüge, durch die Irreführung der Öffentlichkeit. Es ist nicht möglich, diese Lüge zu schildern, es ist auch nicht die Aufgabe dieser Vorträge, hierauf näher einzugehen. Es ist Schuldigkeit des Einzelnen, dass er sich in sorgfältiger Arbeit hineinvertieft in diese Probleme der Wirtschaft, in diese mörderische Wirkung des Mammons und der Mammonsherrschaft. Wenn wir beginnen, dieser Frage unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, welche Ungerechtigkeit unter den Menschen gang und gebe ist, ohne dass das Weltgewissen der Menschen sich dagegen aufrafft und aufrichtet, würde die Erkenntnis der Lage in einem Augenblick klar werden. Würden denn in einem einzigen Augenblick die Menschen erkennen, welche Ungerechtigkeit in der Tatsache des Großkapitals besteht, dann wäre diese Tatsache gleichbedeutend mit dem innersten Aufstand aller gegen diesen grössten Betrug der Weltgeschichte und der Menschheit.

Mammon ist Herrschaft des Geldes über die Menschen. Weil wir selbst unter der Herrschaft dieses Geldgeistes stehen, fehlt uns die Kraft, gegen die Herrschaft des Geistes zu revolutionieren. Abhängigkeit des Lebens von den äußeren Einkünften und den Geldverhältnissen ist das Wesen des Mammons. Weil wir selbst völlig abhängig sind von den Einkünften unserer äußeren Existenz, weil unser persönliches Leben gebrochen ist in unserem eigenen Mammonismus, deshalb haben wir keine Möglichkeit, den Hebel anzusetzen und die Sklavenherrschaft des Mammons aus den Angeln zu heben. Und doch können wir es erkennen, dass das Geld der eigentliche Feind Gottes ist. Gott oder Mammon. Geld oder Geist. Der Geist ist die innerste Beziehung der Seelengemeinschaft alles Lebendigen. Geld ist die Verdinglichung aller Verhältnisse der Menschen untereinander. Alle Menschen stehen ununterbrochen in Wechselbeziehung zueinander. Kein Mensch lebt einzeln. Nicht nur in Gruppen, in Familien, in Klassen, in Berufsgenossenschaften, in Völkern, in Verkehrsvereinigungen, in Staaten und Kirchen und Gemeinden, Vereinen aller Art, nein, viel tiefer, stehen alle Menschen in Beziehung zu einander - als eine werdende große Menschheitsgemeinschaft - durch die Tatsache des Menschseins. Zwischen diesen Menschen sind die reichsten Beziehungen solange von Gott gewirkt, solange Beziehungen von Person zu Person, von Geist zu Geist, von Herz zu Herz, Beziehungen der Liebe bleiben und so zum organischen Aufbau der Gemeinschaft führen.

Erin Hanson, Gnarled Storm, Öl auf Leinwand, 2011.

Aber es gibt ein teuflisches Mittel, alle Beziehungen zu entgeisten und zu entgotten, das Verhältnis von Herz zu Herz auszuschalten. Dieses Mittel ist das Geld. Geld ist die Verdinglichung aller Beziehungen der Menschen zueinander. Geld ist die Umleitung der Beziehungen, dass schließlich nur noch ein Wert übrigbleibt: das Geld. Der Besitz und das Geld sind die Mittel der satanischen Macht, den Menschen ihr höchstes Lebensziel zu zerstören. Diese Tatsache ist umso stärker wirksam, je mehr das Geld aus den Mitteln des Tauschverkehrs zu einem Besitzaustausch seiner selbst wird, wo es sich um nichts anderes handelt als um Geld und um Geld als Macht. Geld hat dadurch seine überragende Bedeutung, dass viele Menschen nur dadurch zueinander in Beziehung stehen, dass Menschen den Verkehr von Herz zu Herz aufgeben und an diese Stelle den Bankverkehr treten lassen. Das Geld schließt alle wahre Gemeinschaft von Grund aus aus.

Geld ist also ebenso das ausschließende Gegenteil der Liebe, wie die sexuelle Beschmutzung der Leiber das wirkliche Gegenteil der Liebe ist, wie die Tötung der Menschen im Kriege, die Ermordung der Menschen, das radikalste Gegenteil zum Leben und helfender Liebe ist, wie die Lüge das Gegenteil der Liebe und Wahrheit ist.

Die Herrschaft Mammons ist eine Herrschaft über Seele und Geist. Es wäre unmöglich, dass das Großkapital eine solche Macht der Sklavenhaltung und Ermordung hätte, wenn nicht der Geist des Mammons eine solche Herrschaft entfaltete. Der Besitzwille ist stärker als der Gemeinschaftswille, der Existenzkampf der gegenseitigen Tötung stärker als der Liebesdrang – der Geist der gegenseitigen Hilfe. Die Zerstörungskräfte sind stärker als die Aufbaukräfte, die Materie ist stärker als der Geist, die Dinge und Gegebenheiten stärker als Gott, die Selbstbehauptung stärker als der Geist der Liebe und der Solidarität zur Gemeinschaft.

Der Mammonsgeist hat eine Versklavung und Mißachtung der Seele erzeugt, die uns von den Gegebenheiten der Verhältnisse abhängiger gemacht hat als jemals der religiöse Mensch abhängig von Gott gewesen ist, anstatt die Menschen in Bewegung in schaffende Betätigung für das Leben der Gemeinschaft zu bringen. Diese Tatsache stellt diese ganze Frage nach dem Gott Mammon in die Tiefe der religiösen Fragestellung. Dieser Geist Mammon, der Geist der Lüge, der Unreinheit, der Mörderei, ist in Wahrheit der Geist des Todes und der Schwachheit.

[.article__paragraph--cap][.small-caps]Jesus hat den krieg[.small-caps] gegen diesen Geist eröffnet. Er hat diesen Geist der Schwachheit überwunden, indem er Menschen, die der Krankheit und Verwesung verfallen waren, mit seiner Kraft überwältigte und heilte. Jesus hat sich als der Lebensfürst zu dem Feind des Todes erklärt. Er hat unter uns Menschen gelebt, um dem Tode die Macht zu nehmen, um die Werke des Teufels zu zerstören, den Tod (1 Joh 3,8). Dieser Tod des innersten Lebens wird überwunden durch den Geist des Lebens, der von Christus ausgeht und zur Gemeinschaft alles Lebendigen leitet. Er war sich dessen so bewusst, dass er ausrufen konnte: Jetzt ist das Gericht dieser Welt da! Jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen (Joh 12,31). Der Geist wird die Menschen überzeugen, dass der Fürst überwunden ist (Joh 16,11).[.article__paragraph--cap]

Wir sind jetzt zur Frage genötigt, wie hat Jesus diesen Kampf geführt? Hat er nicht gesagt: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ (Lk 16,9). Hat er nicht gesagt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“(Mt 22,21). Wie kann man das zusammenreimen mit: „Sammelt euch kein Vermögen auf Erden! (Mt 16,9) Wehe euch Reichen! Wehe euch, die ihr voll seid!“ (Lk 6,24-25) „Wenn dir einer den Rock nehmen will, dem gib auch den Mantel“ (Mt 5,40).

Es würde zu weit führen, die einzelnen Aussprüche zu prüfen. Es muss genügen, ein Gesamtzeugnis der Haltung Jesu zu erkennen. Wir sind bereit, den Mammon aufzugeben und zu überwinden, ihm den Krieg zu erklären, sobald wir auf die Seite Jesu treten. Wenn unser innerstes Auge aufgegangen ist für das Schauen seines Lichtes, dann reagiert unser Auge nicht mehr auf das, was der Mammon will (Mt 6,22-23). Wir können kein Vermögen mehr sammeln, wenn wir unser Herz in der Zukunft der neuen Dinge haben, wenn wir die Hoffnung haben, dass Gott ein neues Reich aufrichten wird. Wir trachten nur noch nach dieser einen Tatsache, und sind allen anderen abgewandt. Wir leben für die Zukunft der Menschheitsfreiheit, der Menschheitseinheit und des Menschheitsfriedens. Dann kann das Wort: „Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ dadurch erfüllt werden, dass wir den Mammon weggeben und dadurch Liebe erwerben, Freunde haben, die mit uns für immer Freundschaft haben.

Als dieser reiche reine Junge, der sich keiner Verfehlung bewusst war, zu Jesus kam, hatte Jesus ihn auf den ersten Blick lieb und fragte ihn nach der Liebe zu Gott und den Nächsten. Der Junge glaubte, dass er allen nachkam. Gut, sagte Jesus, wenn das wirklich so ist, dann fehlt dir die Realität dieser Liebe. „Gehe hin und verkaufe alles und gib es den Armen und komm mit mir!“ (Mt 19,16-21)

Als Jesus in das Heiligtum der jüdischen Religion eintrat, traf er dort nicht seinen Gott, sondern den Gott Mammon, Vieh mit den Viehhändlern, Banken mit den Bankbeamten. Jesus machte sich eine Peitsche zurecht, er haute nicht den Menschen ins Gesicht, sondern er hat mit einem kräftigen Tritt die Tische umgeworfen, dem Geld seine Verachtung gezeigt, indem er es auf die Erde hingeworfen hat. Er bezeugte, dass dieses Haus nicht dem Mammon, sondern Gott gehören sollte (Mt 21,12-13). Als ein Spitzel kam und ihm die Münze des Kaisers zeigte, die Münze des staatlichen Machthabers, das Geld, da antwortete er: „Gib dem Satan, was dem Satan gehört, dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört.“

Als die gemeinsame Kasse verwaltet werden musste auf der grossen Fahrt, da musste diese Kasse Judas führen, von dem Jesus wusste, dass er der Verräter wurde (Joh 12,6); der Mörder von Anfang wurde offenbar auch mitten in der Jüngerschaft Jesu (Joh 8,44). Er endete dort, wo der Mord enden musste, er brachte das Geheimnis an den Tag, dass Jesus sich selbst als der Messiaskönig der ganz anderen Ordnung wusste. Das Messiasgeheimnis wurde verraten. Jesus hielt stand auf die Frage der politischen und religiösen Behörde: „Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?“ und erwiderte ihnen „Ich bin's; und ihr sollt den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen in des Himmels Wolken“ (Mk 14,61-62). So haben sie ihn zum Tode gebracht auf das revolutionäre Bekenntnis hin.

[.article__paragraph--cap][.small-caps]Die gemeinschaft vom geist[.small-caps] aus schien nach diesem Sturm auf die Mammonsordnung zerstört durch Tötung und Entfernung des Führers, die Vergeltlichung der Religiösen und Unreligiösen schien zu triumphieren, der Mammonswille als Todeswille schien endgültig zu herrschen, aber doch drang durch den Tod des hingerichteten Führers der neuen Ordnung, durch das Grab hindurch, das Leben. Wir sehen mit Staunen, wie aus diesem niedergetretenen Volk der Juden Jungen mit wenigen Mädchen sich vereinen, um auf das ganz andere zu warten, sie warten auf den Geist; sie wissen, dass dieser Liebesgeist, dieser Ordnungsgeist Freiheitsgeist, Reichgottesgeist ist. Der Geist kommt über sie. Wieder entsteht ein Beispiel, eine Gemeinde der Arbeitsgemeinschaft und Gütergemeinschaft, in der alles allen gehört, die in der Fülle verschiedener Kräfte und Gaben sich betätigen (Apg 2, 43-47). Auch diese Gemeinde erlag dem Todesprozess seines Lebens. Wie Einzelne, so ist auch diese Gemeinde gestorben. Aber im Laufe der Jahrhunderte ist eine neue auferstanden. Wieder und wieder bildeten sich kleine Gemeinschaften, die miteinander dem Mammon den Krieg erklärten, die miteinander die schenkende Armut auf sich nahmen. Sie gingen in Wahrheit den reichsten Weg, indem sie den Weg der schenkenden Armut erwählten. Diese Menschen, erfüllt durch den Drang der Liebe, sind durch die Jahrhunderte gegangen. Wir hören ihre Stimmen, wir reichen uns die Hände über die Jahrhunderte hinweg. Wir fühlen eine Glaubensgemeinde der Zukunft.[.article__paragraph--cap]

[.article__paragraph--cap][.small-caps]Wir gehören nicht[.small-caps] zur blutigen Revolution. Die Tatsache des Blutvergießens stellt sie auf die Seite des Vaters der Lüge. Das ist die Selbstlüge, in der sich unsere Brüder befinden, dass sie meinen, sie könnten durch denselben Geist des Abgrundes den Mammon mit Waffen überwinden.[.article__paragraph--cap]

Das Neue kann nur aus Neuem geboren werden. Mit Gift können wir nicht entgiften. Nur aus dem Leben kommt das Leben. Nur aus der Liebe kann Liebe geboren werden. Nur aus dem Gemeinschaftswillen kann Gemeinschaft erstehen.

Wir schreiten auf dem gemeinsamen Wege der Brüderlichkeit . . .

Darum können wir schon jetzt in der Kraft dieser Zukunft leben. Wir können schon jetzt in der Gegenwart des kommenden Gottes im Sinne des zukünftigen Reiches unser Leben gestalten. Der Sieg des Geistes beweist sich durch die Gemeinde. Es naht das mammonslose Reich der Liebe auf der Erde. Das Reich Gottes ist ganz nahe gekommen. Denkt von Grund aus um. Ändert euch von Grund aus, damit ihr bereit seid für die kommende Ordnung der Dinge.

Wohlan ihr Reichen, weinet und heulet! Weinet und wehklaget über die Leiden, die über euch kommen sollen. Euer Reichtum ist vermodert und eure Kleider sind von Motten zernagt. Euer Silber und Euer Geld ist von Rost überzogen, und ihr Rost wird euch ein Zeugnis sein. Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen. Aber der Lohn, um den ihr die Arbeiter, die eure Felder gemäht, betrogen habt, der schreit zum Himmel. Und die Klagerufe der Schnitter sind zu den Ohren des Herrn der Heerscharen gedrungen. Ihr habt auf Erden geschwelgt und gepraßt. Noch am Schlachttage habt ihr eure Herzen geweidet. Den Gerechten habt ihr verurteilt, dahingemordet, nicht setzt er sich gegen euch zur Wehr.

Haltet aus, Brüder, Gott kommt! (Jak 5,1-7)

  1. Der Ausdruck „Umwertung aller Werte“ stammt von Friedrich Nietzsche, aus dem Werk Der Antichrist.
  2. Der Stummfilm Erdgeist, der auf Frank Wedekinds gleichnamigen Theaterstück basiert, wurde in dem Jahr veröffentlicht, in dem Arnold diesen Text verfasste.