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Pflug Magazin Nr. 2: Der gemeinsame Tisch

Frühling 2019

Essen – wie es angebaut wird und auch wie es verteilt wird – macht uns zu dem, was wir sind. Diese Ausgabe blickt auf die Zusammenhänge von Erzeuger und Essen, von Humus und Humanität. Dem ersten Buch der Bibel zufolge war die Kultivierung des Landes die erste Aufgabe der Menschheit: „Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.“ (1 Mose 2,8) Das Bedürfnis, sich die Hände schmutzig zu machen, um die eigene Nahrung anzubauen, kommt also nicht nur aus einer Romantik der Moderne, sondern ist Teil der menschlichen Natur.

Pflug Magazin Nr. 2: Der gemeinsame Tisch

Das Thema des gemeinsamen Tisches findet sich auch in einem bekannten Spiritual, wo es heißt: „I‘m gonna sit at the welcome table.“ Dieses Spiritual wurde ursprünglich von versklavten Afroamerikanern gesungen: „Ich werde am Willkommenstisch sitzen.“ Das Lied bezieht sich auf die letzte Szene der Bibel, auf die Hochzeit des Lammes, wie sie in der Offenbarung des Johannes beschrieben ist: Ein Fest, zu dem jede Ethnie, jeder Stamm und jede Kultur eingeladen ist. Denjenigen, die dieses Lied komponiert haben, muss dieser „Willkommenstisch“ wie ein ferner Traum vorgekommen sein. Aber es war auch eine Verheißung – ein göttliches Versprechen, dass es einen Tag der Freiheit und der freimütig miteinander geteilten Güter geben wird, eine neue Erde und eine wiederhergestellte Menschheit. Bei Lebensmitteln liegt das Symbol in der Substanz. Jede Mahlzeit, die freimütig und in radikaler Gastfreundschaft geteilt wird, ist schon jetzt ein Vorgeschmack auf das kommende Fest.