A production workshop for Community Playthings, a Bruderhof company

Ist ein christliches Unternehmen ein Widerspruch in sich?

Ein Interview

von John Rhodes

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„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

Als Unternehmensstrategie hört sich Marx‘ Slogan hoffnungslos utopisch an. Aber ist das wirklich so? Die Bruderhofgemeinschaften haben seit Jahrzehnten nach diesem Motto Unternehmen betrieben – und zwar erfolgreich. Pflug hat John Rhodes, der diese Unternehmen zwanzig Jahre lang geleitet hat, über die konkreten Details interviewt, wie ein Gemeinschaftsunternehmen funktioniert.

Pflug: Erzählen Sie uns ein wenig über die Unternehmen des Bruderhofs.

John Rhodes: Community Playthings produziert seit 1947 Holzspielzeug und Möbel für den Bildungsbereich. Vor vierzig Jahren brachten wir eine Produktlinie von therapeutischen Geräten für Kinder mit Behinderungen auf den Markt, die heute Rifton Equipment genannt wird. Diese beiden Unternehmen erwirtschaften den Lebensunterhalt für die meisten der dreitausend Erwachsenen und Kinder, die in den 25 Bruderhofgemeinden weltweit leben. Sie unterstützen Schulen, Öffentlichkeitsarbeit und Verlagstätigkeit des Bruderhofs, einschließlich Pflug. Und sie ermöglichen die humanitäre Arbeit des Bruderhofs: Hilfe vor Ort, Katastrophenhilfe und die Unterstützung von Organisationen wie Samaritan's Purse und Save the Children mit Geld oder ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Aber das wirklich Ungewöhnliche an diesen Unternehmen ist, dass sie zwar auf dem freien Markt agieren, intern aber gemeinschaftlich geführt werden. Es gibt keine Chefs und Angestellte, und jeder bekommt den gleichen Lohn: nichts. Wir sehen unsere Arbeit als unseren Beitrag zu einem Leben, in dem wir alles miteinander teilen, wie es die ersten Christen taten.

Ist das eine wirklich christliche Art, Geschäfte zu machen?

Nein, das ist es nicht. Zumindest ist das die Antwort, die mein Mentor und Vorgänger Tom Potts immer gab. Tom kam aus einer Quäker-Familie aus Philadelphia und hatte ein Stahlunternehmen geleitet, bevor er zum Bruderhof kam. Die Leute fragten ihn oft: „Wie betreibt ihr ein christliches Unternehmen?“ Tom antwortete immer: „Das tun wir nicht. Ein christliches Unternehmen ist ein Widerspruch in sich. Wenn das Himmelreich auf die Erde kommt, wird es kein Geldverdienen und keine Unternehmen geben.“

In gewisser Weise verhalten wir uns wie jedes andere Unternehmen. Wir wählen einen Markt aus und finden einen ungedeckten Bedarf. Wir entwerfen ein Produkt, um diesen Bedarf zu decken und vermarkten es so, dass es uns weniger kostet, als die Menschen bereit sind zu zahlen.

Der Unterschied ist der Kontext, der hinter dem Unternehmen steht: ein Leben in Brüderlichkeit. Hier sind Brüder und Schwestern, die aus einer gemeinsamen Überzeugung heraus zusammenarbeiten – und dabei viel Spaß haben!

Ist das Sozialismus?

Einige mögen es so nennen, aber ich glaube nicht daran, dass der Staat die Wirtschaft kontrollieren sollte. Die richtige Frage ist: „Wie würde eine Wirtschaft aussehen, deren Grundprinzip Liebe ist?“ Wir versuchen, so zu leben, dass unser Leben eine Antwort auf diese Frage ist.

Junge Männer entladen einen Wagen mit lackierten Holzteilen

Foto © Danny Burrows. Mit Genehmigung verwendet.

Sinnvolle Arbeit für alle

Also, wie ist es, ein Arbeiter in dieser Art von Unternehmen zu sein?

Die meisten Unternehmen versuchen, ihren Gewinn zu maximieren und die Anzahl der Angestellten zu minimieren. Unsere Aufgabe ist es, die richtige Mischung von Tätigkeiten zu finden, damit jeder einen sinnvollen Beitrag zum Unterhalt der Gemeinschaft leisten kann. In unseren Werkstätten gibt es für jeden etwas zu tun, ob alt oder jung, Mann oder Frau, Gast oder langjähriges Mitglied, qualifiziert oder unqualifiziert, behindert oder nicht, egal ob man immer kommt oder plötzlich unerwartet auftaucht. Man ist willkommen und findet immer einen Arbeitsplatz.

Jeder bekommt den gleichen Lohn: nichts. 

Während es so etwas wie ein christliches Unternehmen nicht gibt, gibt es christliche Arbeit – oder besser gesagt, Arbeit ist ein wichtiger Teil der menschlichen Existenz. Es wäre vermessen, darüber zu spekulieren, wie das Reich Gottes aussehen wird, aber ich glaube, dass es auch dort noch Arbeit geben wird. Wir werden arbeiten, um anderen zu dienen. In diesem Sinne ist die Arbeit auf dem Bruderhof ein Hinweis auf die Arbeit im Reich Gottes. Unsere Arbeit ist Ausdruck der brüderlichen und schwesterlichen Gemeinschaft, zu der wir berufen sind. Zugegebenermaßen mag es nicht ausgesprochen sinnvoll erscheinen, eine Schraube festzuziehen. Aber wenn es im Geiste der Liebe geschieht, bekommt es einen Sinn.

In unseren Werkstätten sehen Sie ältere Menschen, die in einem ruhigeren Bereich körperlich leichtere Arbeit verrichten. Wir halten bewusst an einer Arbeit fest, die ausgelagert oder automatisiert werden könnte, denn wenn eine Achtzigjährige in die Werkstatt kommt, will sie auf eine sinnvolle Weise zur gemeinsamen Arbeit beitragen, die die Mission der Gemeinde tatsächlich unterstützt.

Der Ausdruck „die Tragödie der Allmende“, der sich auf den Missbrauch oder die Vernachlässigung gemeinsamer Ressourcen bezieht, wird verwendet, um gemeinschaftliche Lebens- und Arbeitsweisen abzulehnen. Ist das ein Problem?

Das ist wirklich ein Problem. Wenn etwas allen gehört, dann gehört es niemandem, und solche Sachen werden dann oft vernachlässigt. Aber Privateigentum hat auch schlechte Früchte getragen: Sobald man etwas besitzt, muss man es schützen, und dann hat man Ungleichheit, Neid, Diebstahl und Krieg.

Auch ältere Mitarbeiter leisten einen Beitrag

Foto von James Clarke. Mit Genehmigung verwendet.

Einer der legitimen Kritikpunkte am Sozialismus ist, dass die Leute nicht motiviert sind zu arbeiten, wenn man Privatbesitz abschafft. Warum sollte ich mein Bestes geben, wenn am Ende doch jeder das gleiche Gehalt bekommt? Aber in Wirklichkeit ist Geld ein überraschend schlechter Motivator. Es ist viel motivierender, wenn wir etwas als sinnvoll empfinden. In unserem Kontext kommt Motivation nicht durch staatliche Vorgaben oder finanzielles Eigeninteresse zustande, sondern durch unserer Berufung, in Gemeinschaft zu leben.

Ein weiterer Motivator für Leute ist Status, oder?

Das mag generell wahr sein, aber bei uns bestimmt die Art der Arbeit nicht, wer wir sind. Wenn Arbeit ungleich bezahlt wird, dann ist es einfacher, bestimmte Leute als „wertvoller“ zu betrachten. Aber für uns ist die Person, die einen Computer programmiert, nicht wertvoller als jemand, der einen Knopf annäht oder eine Schraube eindreht.

Dann gibt es natürlich die Frage, wer der Boss ist. Wer in einem Fast-Food-Restaurant eine Führungsposition hat, verdient vielleicht nicht viel mehr als die Leute, die die Buletten umdrehen, aber er kann sie zumindest herumkommandieren. Das ist etwas, was es bei uns nicht wirklich gibt.

Jesus sagt, dass die Menschen dieser Welt einander beherrschen, aber dass es unter uns nicht so sein sollte. Wer eine von unseren Werkstätten betritt, wird nicht so leicht erkennen können, wer die Leitung innehat. Ja, die Arbeit muss erledigt werden, aber wir machen das gemeinsam. Wenn die Person, die gebeten wurde, für die Werkstatt verantwortlich zu sein, autoritär oder gleichgültig wäre, würden wir ihr einen anderen Job suchen. Und so machen wir unsere Arbeit überall in der Gemeinschaft; in unseren Unternehmen läuft es nicht etwa anders, nur weil dies der Teil unserer Arbeit ist, der uns ein Einkommen verschafft.

Die Gemeinschaft steht an erster Stelle

Gibt es manchmal Konflikte zwischen den Erfordernissen des Unternehmens und den Bedürfnissen der Gemeinschaft?

Wir haben schon oft Entscheidungen getroffen, die aus der Perspektive des Unternehmens schlecht, aber aus der Perspektive der Gemeinschaft gut waren. In den Anfangsjahren von Community Playthings lief unser Vertrieb über hunderte von Kita-Ausstattern, denen wir Rabatte gewährten. Es war, als ob wir fünfhundert Vertriebsmitarbeiter in unser Team aufgenommen hätten.

Etwa zehn Jahre nach seiner Gründung, fing das Unternehmen an, heiß zu laufen. Die Produktion lag sechs Monate hinter den Aufträgen zurück. Das Unternehmen fing an, die Gemeinschaft zu dominieren. Dann gab es Gegenwehr: Nachdem die Gemeinschaft in einer Versammlung darüber diskutiert hatte, wurde Tom, mein Vorgänger, gebeten, das Geschäft etwas herunterzufahren. Das war schwierig; Wachstum ist die natürliche Entwicklung eines Unternehmens. Und zu dieser Zeit brauchten wir dringend das Geld, das diese Aufträge einbrachten.

Jedes normale Unternehmen würde mehr Leute einstellen, mehr Fabriken bauen und auf der Welle des Erfolgs reiten. Aber wir haben keine Angestellten. Aus Sicht des Unternehmens war das Schlimmste, was wir tun konnten, die Händlerrabatte zu streichen. Tom sagte mir, es sei die schwierigste Unternehmensentscheidung gewesen, die er je treffen musste. Aber er traf sie – auf Wunsch der Gemeinschaft. Es war ein schwerer Schlag für das Unternehmen, aber es erholte sich schließlich und wuchs in einer Weise, die den Bedürfnissen der Gemeinschaft diente, anstatt ihr das Blut aus den Adern zu saugen.

Eine Fertigungsstätte für Community Playthings, einem Unternehmen des Bruderhofs

Das ist eine Weise, wie wir gegen Mammon, die Macht des Geldes, ankämpfen. Wir streben nach Effizienz in unseren Betrieben, aber es gibt eine Grenze. Wenn wir an diese Grenze stoßen, senken wir die Auslastung derer, die arbeiten. Wir lassen ein Katalogmailing ausfallen, verkleinern unsere Produktpalette oder erhöhen die Preise.

Die Bruderhofgemeinschaft legt großen Wert auf Spontaneität und die Führung durch den Heiligen Geist. Steht das manchmal im Widerspruch zu einer guten Unternehmensplanung?

Wir sind immer wieder auf das Problem von zu viel Organisation gestoßen. Ein Unternehmen braucht Ordnung, aber wenn wir innerlich tot sind, dann wird diese Ordnung zu einer rein bürokratischen Organisation und nimmt ein Eigenleben an, das die Brüderlichkeit unserer Arbeit zerstört und unser Leben bestimmt.

Geld ist ein überraschend schlechter Motivator.

Die meisten Menschen, die für ein Unternehmen verantwortlich sind, haben die Kontrolle über zwei wichtige Dinge: Personal und finanzielle Ressourcen. Ich hatte über keines von beiden die Kontrolle. Wenn die Gemeinschaft entscheidet, dass mein Betriebsleiter für Missionsarbeit im Ausland benötigt wird, dann geht er und ich muss sehen, wie ich zurechtkomme. Und ich kann auch nicht hingehen und jemand anderen einstellen. Umgekehrt kann ich auch niemanden feuern. Wenn es ein Problem gibt, kann eine Änderung der Aufgabenzuteilung notwendig sein, aber wir sind immer noch an unser Versprechen gebunden, zusammen zu leben und zu arbeiten. Wenn es also Spannungen zwischen Leuten gibt, dann müssen wir das durcharbeiten.

Oder ich teile der Gemeinschaft mit, dass ich gerne eine neue Maschine kaufen möchte. Die Gemeinschaft sagt dann möglicherweise, okay, aber da war ein Wirbelsturm in Bangladesh und wir haben gerade eine Menge Geld gespendet, also nicht mehr in diesem Jahr. Und dann sagen wir: Okay.

Wenn wir einen großen Auftrag zu erfüllen haben, kommen oft Mitglieder der Gemeinschaft, die normalerweise andere Arbeiten erledigen – auf der Farm, in der medizinischen Versorgung oder für Pflug – und helfen in der Fabrik. Manchmal, zum Beispiel wenn eine Ernte ansteht oder wir eine Veranstaltung in der Nachbarschaft unterstützen möchten, gehen die Leute aus der Werkstatt dorthin, um zu helfen. Und manchmal macht die ganze Gemeinschaft Feierabend, um Picknick zu machen oder Softball zu spielen. In solchen Momenten kann es so aussehen, als würden wir unsere Arbeit nie geschafft kriegen. Aber genau das verhindert, dass das Unternehmen zu einer Geldmaschine wird, die die gesamte Energie der Gemeinschaft verschlingt.

Wie ist das mit der Work-Life-Balance im Gemeinschaftsleben?

Es gibt in der Gemeinschaft klare Erwartungen, wann und wo Arbeit stattfindet. Wir gehen um fünf Uhr nach Hause. Wenn es in der Schule eine Veranstaltung gibt, hören die Eltern mit der Arbeit auf. Und während die Kinder zu Hause sind bringt niemand einen Laptop mit, um E-Mails zu erledigen.

Leute neigen dazu, ihr Leben in Bereiche zu unterteilen. Ihr Arbeitsleben ist hier und ihre Familie dort, ihr religiöses Leben so und ihr soziales Leben ist anders. Aber bei uns ist alles miteinander verwoben. Ich lebe ein Leben in Brüderlichkeit, egal ob ich in der Werkstatt, zu Hause oder in der Schule bin. Meine Arbeit für das Unternehmen ist nicht so wichtig, dass ich sie in alles andere hineinziehen muss.

Wir sagen, dass alles, was gut für die Gemeinschaft ist, auch gut für das Geschäft sein wird. Und das ist wichtig, denn Geld hat eine eigene Macht. Man kann nicht Gott und dem Geld dienen. Wir dienen also Gott und verwenden Geld; das Geld muss immer der Sache dienen, für die wir leben.

Begegnungen mit dem Kapitalismus

Besteht ein Konflikt zwischen dieser internen Kultur und der Notwendigkeit, auf dem freien Markt zu bestehen?

Natürlich, wir leben in einem kapitalistischen Umfeld. Dennoch versuchen wir, uns nicht davon prägen zu lassen, sondern stattdessen das Beste von unserer Lebenseinstellung in dieses Umfeld hineinzubringen. Zum Beispiel sind die Leute, die bei uns im Verkauf arbeiten, nicht sehr viel unterwegs. Wir wollen gemeinsam leben, und wir wollen nicht, dass Mütter und Väter durch ihre Arbeit regelmäßig von ihren Kindern getrennt sind. Also arbeiten wir grundsätzlich viel übers Telefon und mit dem Internet.

Alles, was gut für die Gemeinschaft ist, wird auch gut für das Geschäft sein.

Die meisten Bruderhofmitgliedern liegt es nicht besonders, Leute zu überzeugen, dass sie Geld ausgeben sollten. Aber sie fühlen sich wohl im Umgang mit Menschen. In den Märkten, in denen wir tätig sind, nämlich Bildung und Gesundheitsversorgung, geht es vor allem um Kinder. Wir lieben Kinder und es gibt viele Kinder in unseren Gemeinschaften. Unsere Spielgeräte werden von Müttern und Vätern entworfen, die Sachen für ihre eigenen Kinder anfertigen.

Wenn wir mit Leuten am Telefon sprechen, begegnen wir ihnen als Menschen, nicht als potenzielle Kunden. Manchmal begegnen wir einer Mutter, die ihr ganzes Leben lang für ihr behindertes Kind kämpfen musste, sodass sie gleich mit harten Bandagen loslegt. Wir hören ihr zu. Dann merken die Leute bald, dass wir eigentlich auf ihrer Seite sind. Das sind ganz allgemeine Prinzipien, wie Menschen miteinander umgehen sollten. Auch andere Menschen sind nicht immer durch Geld motiviert. Wir begegnen Leuten auf eine Weise, die ihre Würde und ihre Persönlichkeit respektiert, und der finanzielle Aspekt erledigt sich von alleine.

In unserer kapitalistischen Wirtschaft ermöglicht Technologie, dass weniger Arbeitnehmer produktiver sind. Wie gehen Sie mit dieser Dynamik um?

Wir betrachten die Wirkung auf die Seele des Menschen. Wir müssen Effizienz und die Anforderungen, die die Gemeinschaft an Arbeit stellt, gegeneinander abwägen. Ein Gast kann in unsere Werkstatt kommen und nach einer kurzen Einführung anfangen zu arbeiten, ohne sich mit einer komplizierten Maschine auseinandersetzen zu müssen. Wir warten gerne ab, bevor wir Prozesse automatisieren.

Eine lächelnde Kundendienstmitarbeiterin von Community Playthings

Foto © Danny Burrows. Mit Genehmigung verwendet.

Technologie neigt oft dazu, der Gemeinschaft abträglich zu sein. Zum Beispiel mussten wir einmal einen etwa dreißig Meter langen Graben zwischen zwei Gebäuden ausheben. Eine Person hätte diesen Graben mit einem Bagger locker in einer Stunde ausheben können. Stattdessen sind fünfundzwanzig Brüder mit Schaufeln und Spitzhacken angerückt. Es hat wahrscheinlich doppelt so lange gedauert, aber es war ein tolles Erlebnis, das gemeinsam zu machen, und wir hatten viel Spaß dabei. Wendell Berry spricht von fordernden Umständen, und wie Technologie oft diese Forderungen eliminiert und unser Leben angenehmer macht, was unserem Charakter schadet und uns schlaff macht. Natürlich müssen wir das richtige Gleichgewicht finden; es ist nicht so, dass wir keine Technologie einsetzen, aber wir versuchen, sie überlegt einzusetzen.

In den letzten Jahren haben auch die weltweit größten Unternehmen den Geschäftswert von „Gemeinschaft“ und „Teamwork“ entdeckt, um das Beste aus ihren Mitarbeitern herauszuholen. Gibt es einen Unterschied zwischen dem, was Sie beschreiben, und den Managementpraktiken einer Firma im Silicon Valley?

Teamarbeit, die als Geschäftsprinzip verwendet wird, ist eine künstliche Sache. Wir arbeiten zusammen, weil wir Liebe füreinander haben und gerne zusammen sind. Es ist mehr als Teamarbeit: Es ist eine Beziehung zu Brüdern und Schwestern. Deshalb ist es so wichtig, Konflikte durchzuarbeiten. Wenn es Reibereien gibt, hören die Betroffenen mit der Arbeit auf, bis sie wieder im Frieden miteinander sind, weil die Beziehung wichtiger ist.

Wir lehnen die Idee der geplanten Obsoleszenz ab.

Was Beziehungen wirklich schadet, ist Lästern. Geradeheraus zu sein ist der beste Weg, um Freundschaften zu vertiefen. Und bei all diesen Dingen lohnt es sich auch für das Unternehmen, wenn wir gut miteinander umgehen: Spannungen reduzieren die Produktivität; es entstehen Ressentiments und Revierkämpfe und alles geht den Bach runter.

Ein Freund von mir, der selbst Unternehmer ist, hat mir einmal erzählt, dass der Bruderhof die besten Aspekte des Sozialismus – Gleichheit, Brüderlichkeit, sinnvolle Arbeit für alle – mit den besten Aspekten des Kapitalismus verbindet, besonders Unternehmergeist, Kreativität und eine gute Arbeitsmoral.

Menschen sind von Natur aus kreativ. Wenn sie frei von Geldsorgen und Spannungen am Arbeitsplatz sind, haben sie die Freiheit, sie selbst zu sein. Man kann auch in einer Produktionsstätte kreativ sein, zum Beispiel indem man Verbesserungen oder Änderungen einbringt.

Wenn jede Arbeit sinnvoll ist, dann muss man nicht die Karriereleiter erklimmen, um aufzublühen. Wir streben lieber danach, anderen zu dienen. Wie kann ich noch mehr beitragen? Es gibt noch hunderte von anderen Aufgaben, und außerdem Arbeitsbereiche und Hobbys außerhalb des Unternehmens. Es gibt immer die Gelegenheit, mehr zu lernen, aber nicht egoistisch, sondern so, dass wir mehr beitragen und anderen besser dienen können. Das fördert Kreativität und Unternehmergeist.

Wofür ist Geld gut?

Die Unternehmen des Bruderhofs sind erfolgreich. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus?

Eine der Herausforderungen bei der Leitung eines gemeinschaftlichen Unternehmens ist, dass es zu erfolgreich sein kann. Viele Ordensgemeinschaften hatten dieses Problem. Erfolg kann eine Herausforderung für unser inneres, geistliches Leben darstellen. Wir können verschwenderisch oder egoistisch werden und anfangen, Besitz anzusammeln. Wir können stolz werden, weil wir denken, dass dies alles unser eigener Verdienst ist. Wir können anfangen, uns weniger auf Gott zu verlassen. Es ist sehr wichtig, dass wir Gott jeden Tag dafür danken, dass er uns unser täglich Brot gibt. Dankbarkeit hilft uns, einige der inneren Gefahren zu vermeiden, die mit zu viel Einkommen verbunden sind.

Einer der Arbeiter in der Community-Playthings-Fabrik

Eine wichtige Frage ist, was mit dem Einkommen geschehen soll. Das Geld gehört nicht uns, es gehört Gott und wir müssen es für seine Zwecke verwenden. Wenn wir es benutzen, um uns selbst weich zu betten, dann versündigen wir uns. Wir haben uns für freiwillige Armut entschieden und wollen keinen eigenen Besitz anhäufen. Deshalb haben wir auch nicht viele liquide Mittel, es sei denn, wir bauen gerade eine Reserve für ein Großprojekt auf, wie etwa den Kauf eines Grundstücks für eine neue Gemeinschaft. Im Allgemeinen ist es so, dass wir Geld weggeben, das wir nicht brauchen.

Ja, es ist in gewisser Weise ein Kompromiss, unser Einkommen zu verdienen. Wenn es anfängt, sich auf das Leben unserer Gemeinschaft auszuwirken, müssen wir das früh genug erkennen und gegensteuern. Wegen unserer gefallenen Natur wird es immer eine gewisse Tendenz zum Egoismus geben. Aber wir erkennen darin den Feind und sind deshalb ständig auf der Hut, uns gegenseitig zu helfen, um unserer Vision treu zu bleiben.

Vor einigen Jahren kam ein älterer Bruder namens Josef Stängl in der Werkstatt mit einem Stück Holz zu mir, das er aus dem Abfall gefischt hatte. Er drückte es mir in die Hand und meinte: „Eberhard [Arnold, der Mitbegründer des Bruderhofs] hätte es nie zugelassen, dass dies hier weggeworfen wird.“ Das Holz hatte einen Defekt, und jemand hatte entschieden, dass es zu viel Arbeit kosten würde, es zu reparieren. Aus wirtschaftlicher Sicht gehörte das Holz in den Abfall. Die Zeit, die benötigt werden würde, um das Holz nutzbar zu machen, hätte mehr gekostet, als es durch ein besseres Stück Holz zu ersetzen. Aber Josef hatte auch Recht. Seine Einstellung war, sich für die Dinge auf der Erde verantwortlich zu fühlen. Welche Einstellung würden wir der nächsten Generation vermitteln, wenn wir dieses Holz wegwerfen würden? Nicht jedes Stück Holz kann gerettet werden, aber so viel von dem, was heutzutage produziert wird, ist zum Wegwerfen, oft sogar mit Absicht. Wir lehnen diese Idee der geplanten Obsoleszenz ab. Unsere Produkte halten in der Regel jahrzehntelang, auch bei starker Nutzung im Kitabereich.

Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrer Unternehmensplanung?

Es ist bemerkenswert, dass diese Unternehmen seit fast siebzig Jahren bestehen. Wir sehen das als ein Geschenk Gottes, nicht als das Ergebnis unserer eigenen Planung und Leistung. Es schien oft so, als hätten wir uns einfach nur durchgewurschtelt und Entscheidungen getroffen, die gut ausgegangen sind, obwohl wir wirklich nicht wussten, ob es klappen würde. Aber wenn wir immer die Haltung einnehmen, dass das, was für die Gemeinschaft am besten ist, auch für das Unternehmen das Beste ist, wird Gott sich um uns kümmern. Darauf vertrauen wir, und beten jeden Tag für unser täglich Brot. Wir empfinden, dass die Lebensweise, die uns gegeben ist, direkt aus dem Neuen Testament kommt, aus den Worten und dem Leben Jesu. Wir vertrauen darauf, dass wir uns, wenn wir an diesem Kurs festhalten und uns gegenseitig helfen, keine Sorgen um die Zukunft machen müssen.


Interview mit Peter Mommsen am 1. Mai 2019.

a girl in a pink dress with a bamboo fishing pole by a pond

Plough ist der Verlag des Bruderhofs, einer Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsam Jesus nachfolgen wollen.

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John Rhodes ist Entwicklungsleiter für Community Playthings und Rifton Equipment.

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