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Familie und Freunde
Friedensglocke
Ein Pferdetreck für den Frieden
December 16, 2025

Der Friedensglocken Pferdetreck startete offiziell am 8. Mai 2025 in Berlin – dem 80. Jahrestag des Kriegsendes in Europa und der Kapitulation des NS-Regimes. Er ist von seinem Fundament her ein Akt der Versöhnung und der Erinnerung. Die symbolische Tragweite dieses Datums ist immens: Acht Jahrzehnte nach den dunkelsten Kapiteln der europäischen Geschichte, zu denen die Schoah zählt, brechen wir auf, um ein physisches Zeichen der Umkehr und des Neubeginns zu setzen. Wir legen fast 5.000 Kilometer in den Nahen Osten zurück. Das wird unweigerlich zu einem Lackmustest dafür, ob die christliche Botschaft des Friedens nicht nur in der Theorie, sondern auch in der täglichen Praxis Bestand hat. Die Dringlichkeit dieser missionarischen Aufgabe zeigt sich gerade in den Momenten, in denen die innere Einheit des Trecks auf die Probe gestellt wird. Wir können nicht von Weltfrieden sprechen, wenn wir die Uneinigkeit in unseren eigenen Reihen verschweigen. Die Tatsache, dass der innere Streit öffentlich wird, ist kein Scheitern, sondern die notwendige Offenbarung, dass Friedensarbeit inkarnatorisch ist: Sie geschieht im Schmutz, in der Erschöpfung und in der menschlichen Unvollkommenheit.

Die Mission des Friedensglocken Pferdetreck ist untrennbar mit seiner physischen und symbolischen Fracht verbunden. Der Treck transportiert eine Friedensglocke, die nicht etwa neu gegossen, sondern aus Militärschrott hergestellt wurde. Dieses zu Material gewordene Zeugnis ist die Verkörperung des prophetischen Wortes aus Jesaja 2,4 – die Umwandlung von „Schwertern zu Pflugscharen“. Das Ziel der Reise, Jerusalem, ist bewusst gewählt. Es ist nicht nur ein geografischer Endpunkt, sondern ein Ort von immenser eschatologischer und interreligiöser Bedeutung. Die Glocke ist für die Hand in Hand School bestimmt, eine Bildungseinrichtung in Jerusalem, in der arabische, jüdische, muslimische und christliche Kinder gemeinsam unterrichtet werden und lernen. Die Glockenübergabe zielt darauf ab, das Friedenssymbol in der nächsten Generation zu verankern.

Der Treck sollte eine Distanz von insgesamt 4800 Kilometern zurücklegen, durch 11 Länder zurück, darunter Deutschland, Tschechien, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei, mit dem ursprünglichen Ziel, durch Syrien und Jordanien nach Israel zu gelangen. Das gewählte Reisemittel – Pferdegespanne mit insgesamt rund 18 Pferden und 30 Menschen zum Start in Berlin – ist hierbei programmatisch. Die symbolische Kraft des Trecks steht in direktem Kontrast zu der enormen physischen Belastung. Die tägliche Versorgung der Pferde erfordert bis zu 1000 Liter Wasser und 80 Kilogramm Futter pro Tag. Angesichts der komplexen und potenziell gefährlichen Strecken durch den Nahen Osten mussten wir die schmerzhafte Entscheidung treffen, die Pferde zurück nach Deutschland zu schicken. Die Strecke durch Israel legte der Glockenwagen ab dem 6. November mit einheimischen Pferden und Kutschern zurück.

Dieser Akt ist ein starkes Zeugnis der Demut. Der Treck beweist damit seine Flexibilität und seine Prioritätensetzung: Die Bewahrung der Tiere und die Erreichung des Versöhnungsziels sind wichtiger als die Verfolgung eines starren, idealisierten Konzepts. Die Akzeptanz der eigenen Grenzen und die Unterscheidung zwischen notwendigem Mut und verantwortungslosem Risiko gehören zur Reife der Friedensarbeit. Die Erfahrungen des Friedensglocken Pferdetreck werfen ein Schlaglicht auf die kritische Unterscheidung in der christlichen Friedensethik: die Spannung zwischen dem Mikro-Frieden (Mitmenschlichkeit, Versöhnung) in unserem eigenen Team und dem Makro-Frieden, der etwa strukturellen Wandel, Weltfrieden bedingt. Das physische und emotionale Leiden der Gruppe, das im Streit kulminiert, dient als Beweis der Authentizität der Botschaft. Die Gruppe ist nicht unverletzlich; sie ist durch die Pferde, die Logistik und die internen Spannungen verletzlich. Dieses Zeugnis der Verwundbarkeit ist in einer geopolitischen Landschaft, die Stärke und Unangreifbarkeit feiert, ein machtvollerer Akt als jede Rhetorik der Stärke. 

Der Treck beweist, dass die Struktur des Friedens nicht nur in internationalen Verträgen, sondern auch in der täglichen Praxis des Loslassens, der Vergebung und der Gastfreundschaft verankert sein muss. Der Treck ist ein Versuch, diese beiden Dimensionen in einer einzigen Bewegung zu vereinen. Er ist damit nicht nur eine Gedenkfahrt zum 80. Jahrestag des Kriegsendes, sondern ein fortdauerndes Gebet in Bewegung, das darauf abzielt, die Herzen der Menschen entlang des Weges zu berühren und die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden, fundiert in Gerechtigkeit und Vergebung, zu bezeugen.