Hand Woven Fabric from Bolivia

Jesus der Arbeiter in „Misa Campesina“

In Erinnerung an Erzbischof Óscar Romero

von Colin Fields

Verfügbare Sprachen: English

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Bei Anbeginn der Zeit richtete Gott es so ein, dass der Mensch arbeiten muss (Genesis 3,19). Jeder der sich schon einmal mit voller Energie an einer schwierigen Aufgabe gearbeitet hat, weiß: Das, was als Strafe für Sünde eingerichtet wurde, kann durch Gnade zu einem Mittel der Erlösung werden – und zu einer Gelegenheit, der Liebe Ausdruck zu verleihen.

Gerard Manley Hopkins beschreibt das sehr passend in seinen Reflexionen zu den geistlichen Übungen des Ignatius von Loyola:

Kehrt nun also um, Brüder, und preist Gott.

Ihr dankt Gott zu Mahlzeiten und dankt und preist ihn für euer täglich Brot, so weit so gut, aber nun dankt und preist ihn für alles. Wenn ein Mensch in Gottes Gnaden ist und frei von jeglicher Todsünde, dann ist alles, was er macht, solange darin keine Sünde ist, zu Gottes Ehre. Und was Gott keine Ehre macht, das hat etwas Sündhaftes, so gering das auch sein mag.

Nicht nur das Gebet ist zu Ehren Gottes, sondern auch die Arbeit. Das Schmieden auf dem Amboss, das Sägen eines Balkens, das Anstreichen einer Wand gereichen Gott zur Ehre, ebenso das Fahren eines Fuhrwerks, das Fegen, Scheuern und alles andere, wenn ihr in seiner Gnade seid und es als eure Pflicht tut. Ohne Gewissenslast zur Kommunion zu gehen gibt Gott große Ehre, aber euer Essen dankbar und in Maßen zu essen gibt ihm auch Ehre. Es gibt Gott Ehre, wenn ihr eure Hände im Gebet erhebt, aber ein Mann mit einer Mistgabel in den Händen oder eine Frau, die einen Nachttopf ausleert, auch die geben ihm Ehre.

Er ist so groß, dass alle Dinge ihm die Ehre geben, wenn ihr meint, es soll so sein. So also lebt, meine Brüder.

Die Würde von ehrlicher Arbeit ist ein Thema des Internationalen Tags der Arbeit, der seit über 100 Jahren am 1. Mai gefeiert wird. Es ist auch das Thema von Carlos Mejía Godoys Misa Campesina Nicaragüense (Nicaraguanische Volksmesse), Diese Messe in spanischer Sprache, die zuerst 1975 aufgeführt wurde, folgt im Großen und Ganzen der traditionellen Messe, verwendet aber nicaraguanische Volksmusik und Bilder aus dem Alltag als Erinnerung daran, dass die Botschaft des Evangeliums für die Armen und die Arbeiter Wirklichkeit ist.

Die einfache Qualität dieser anonymen nicaraguanischen Aufnahme wird aufgewogen durch die enthusiastische Aufführung.


Vos sos el Dios de los pobres,
el Dios humano y sencillo,
el Dios que suda en la calle,
el Dios de rostro curtido,
por eso es que te hablo yo así como habla mi pueblo,
porque sos el Dios obrero, el Cristo trabajador.

Vos vas de la mano con mi gente,
luchas en el campo y la ciudad
haces fila allá en el campamento para que te paguen tu jornal.

Vos comés raspado allá en el parque
con Eusebio, Pancho y Juan José,
y hasta protestás por el sirope
cuando no te le echan mucha miel.

Vos sos el Dios de los pobres...

Yo te he visto en una pulpería
instalado en un caramanchel,
te he visto vendiendo lotería sin que te avergüence ese papel.

Yo te he visto en las gasolineras chequeando
las llantas de un camión,
y hasta petroleando carreteras con guantes de cuero y overol

Vos sos el Dios de los pobres...

Du bist der Gott der Armen,
der Gott, der menschlich und demütig ist,
der Gott, der auf der Straße schwitzt,
der Gott mit dem zerschundenen Gesicht.
Darum spreche ich zu dir, und auch mein Volk –
Du bist der Gott, der arbeitet, Christus der Arbeiter.

Du gehst Hand in Hand mit meinem Volk,
du kämpfst auf den Feldern und in der Stadt,
du stehst in den Lagern der Arbeiter in der Schlange,
um deinen Lohn zu bekommen.

Du isst Eiscreme im Park
mit Eusebio, Pancho und Juan José,
und du fragst sogar nach mehr Sirup,
wenn sie dir beim ersten Mal nicht genug draufgetan haben.

Du bist der Gott der Armen …

Ich hab dich in einem Eckladen gesehen,
beim Verkaufen an einem Straßenstand,
und ich habe dich beim Verkaufen von Lotterie-Losen gesehen,
und du hast dich nicht dafür geschämt.

Ich habe dich an der Tankstelle gesehen,
wie du die Reifen eines Lastwagens geprüft hast.
Und ich habe dich sogar beim Asphaltieren von Autobahnen gesehen,
mit Lederhandschuhen und Overalls.

Du bist der Gott der Armen …

fernandez_vidacampesina Detail from “Vida Campesina” by Fernando Fernandez Bolanos.
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