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Die Hochzeit zu Kana

von Giovanni Papini

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Jesus hat Hochzeiten gern gehabt.

Für den kleinen Mann, der selten einmal losgeht und über die Schnur schlägt, der selten einmal nach Herzenslust isst und trinkt, für den ist der Tag seiner Trauung ein Tag, an den er sein Leben lang denken will; der soll einmal ein Stück Reichtum, Verschwendung, Jubel einschlafen in die lange, graugraue Gewöhnlichkeit seiner Tage.

Die großen Herren, die jeden Abend ihr Bankett haben; die Menschen unserer Zeit, die das, was bei jenem armen Mann im Altertum für eine ganze Woche reichen musste, auf einen Sitz hinunterschlingen: die verstehen die Festfreude eines solchen Ausnahmetages nicht mehr. Der Arme jener alten Zeit, … der alle möglichen Dinge, die er auch kannte, nur kannte, um sie zu entbehren; der immer mit dem Notwendigen zufrieden sein musste: für den war der Hochzeitstag das eigentlich große Fest seines Lebens. Die andern Feste, die weltlichen wie die religiösen, waren für alle und waren für alle gleich, sie kamen in jedem Jahr wieder. Aber die Hochzeit gehörte ihm und ihm allein; die gab es nur einmal im Kreislauf der Jahre.

Da wurde denn alle Freude und Herrlichkeit der Welt auf die Brautleute gehäuft, auf dass sie diesen Tag nie mehr vergäßen.…Licht, Musik, Wohlgerüche, Rausch, Tanz – nichts sollte fehlen, was die Sinne erfreut.…

Jesus hatte diese unschuldige Fröhlichkeit gern, - diesen Überschwang der einfachen Leute, die sich für kurze Zeit aus der eintönigen Magerkeit ihres gewöhnlichen Lebens herausrissen. Und er sah in der Hochzeit nicht nur ein Fest. Die Eheschließung ist die Offenbarung vereinten Glaubens ans Leben; an die Lebenswürdigkeit des Lebens; eine Einwilligung an die Fortdauer des Daseins. Der Mann, der eine Frau heiratet, ist eine Zusage an die Gemeinschaft. Er macht sich zum Haupt einer neuen Gemeinschaft und bekennt sich bereit zum Dienen.…

Einen noch tieferen Sinn hat die Eheschließung für Jesus: eine Ewigkeit beginnt hier. Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen. Wenn die Herzen zueinander ja gesagt, wenn Leib sich an Leib gelegt hat, gibt es kein Schwert und kein Gesetz mehr, das sie noch trennen könnte. In diesem menschlichen Leben, dem veränderlichen, auf den Tag gestellten, dem gleitenden, fließenden, fallenden: in diesem Menschenleben gibt’s etwas, das dauern soll, bis zum Tod und darüber hinaus: die Ehe. Der einzige ewige Ring in einer Kette von Vergänglichkeiten.

Oft begegnet uns in den Reden Jesu der Gedanke an Hochzeit und Festessen. Unter seinen schönsten Gleichnissen ist das vom König, der Gäste lädt zur Hochzeit seines Sohnes; und die von den Jungfrauen, die in der Nacht auf den Freund des Bräutigams warten; und die von dem reichen Mann, der seinen Nachbarn ein Freundschaftsmahl richtet. Dort, wo ihm kein Vorwurf daraus gemacht wird, dass seine Jünger nicht fasten, vergleicht er sich selbst mit dem Bräutigam in der Schar der feiernden Freunde. Jesus verachtet den Wein nicht; er trinkt mit seinen Zwölfen den Wein, der sein Blut ist, und denkt dabei an den noch keinem gereichten Wein des ewigen Lebens.

So ist’s nicht zu verwundern, dass er die Einladung zur Hochzeit nach Kana annimmt. Das Wunder, das er dabei wirkte, ist allen bekannt. Sechs Krüge Wassers wurden von Jesus in Wein verwandelt, in Wein, der besser war als der, der vor der Zeit ausgegangen war.… Nein, es handelt sich nicht um einen Scherz zur Verblüffung, sondern um eine tatsächliche Verwandlung durch Macht des Geistes über den Staub; es handelt sich um eine der nicht bloß erzählten, sondern gelebten Gleichnisgeschichten, die ins Leben Jesu gehören; um einen Sinn, der dargestellt wird in einem wirklichen Geschehnis.

Wenn man nicht beim Buchstaben stehenbleibt, wird einem das in Wein verwandelte Wasser zum Bild der neuen Weltzeit, die mit dem Evangelium anfängt. … Die Hochzeit zu Kana, bei Johannes das erste Wunder, ist die Parabel von der Verwandlung der Welt durch das Evangelium.

Wedding at Cana listing image Die Hochzeit zu Kana (Paolo Veronese)
Von Giovanni Papini

Giovanni Papini (9. Januar 1881- 8. Juli 1956) war ein italienischer Schriftsteller. In „Das Leben des Herrn“ (Storia di Cristo - 1921) erzählt er das Leben Jesu, nach dem Vorbild der Evangelien.

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