Morning over the bay

Die Geschichte der Taufbewegung in der Reformationszeit

Teil 2

von Eberhard Arnold

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zum Teil 1: Die Geschichte der Taufbewegung in der Reformationszeit

Mit dieser Bewegung also stand die ursprüngliche Täuferbewegung in engster Beziehung. Das beweisen uns die Tatsachen, dass die Brüder, die später die Taufbewegung gegründet haben, in Basel und Zürich an solchen Versammlungen teilnahmen, wie es bezeugt wird. Dieser „Kreis der Spiritualen“ wurde von den Gegnern eine „Ketzerschule“ genannt.

In beiden Kreisen also, sowohl in Basel wie in Zürich, haben die Gründer des Täufertums verkehrt. Schon vom Jahre 1515 an werden in Basel und Zürich dieselben Grundsätze nachgewiesen, die später die Täufer vertreten haben. Ebenso hat im Jahre 1515 Staupitz bereits in Nürnberg dieselben Grundsätze vertreten. Basel war ein Zentrum des deutschen Buchhandels und Buchdruckes. Nürnberg war ein Zentrum aller brüderlichen Bewegungen und aller geistigen und künstlerischen Interessen der Zeit. – Luther ist durch Staupitz dem Evangelium zugeführt worden. Staupitz stand mit der altevangelischen Gemeinde durch die alten Patrizierfamilien Nürnbergs in Verbindung. Besonders an der Familie Tucher kann man das nachweisen, aber auch an Albrecht Dürer und an Hans Sachs tritt das hervor. – Die nächsten Freunde Zwinglis waren Grebel und Manz. Manz war in Basel und Zürich in den Kreisen der Alt-Brüder zuhause gewesen.

So ist es denn klar, dass wir es hier nicht mit einer Erfindung irgendwelcher Menschen oder mit einer Idee einzelner Führer zu tun haben.

So ist es denn klar, dass wir es hier in der Bewegung, die man die Täuferbewegung nennt, nicht mit einer Erfindung irgendwelcher Menschen oder mit einer Idee einzelner Führer zu tun haben. Die „Ketzerschule“ in Zürich und ebenso auch in St. Gallen wurde „Lesung der Spiritualen“ genannt, weil man alt-häretische Schriften, besonders aber die Bibel las.

Zwingli hat nachweisbar in der „Ketzerschule“ der „Spiritualen“ in Zürich verkehrt. Auch die erste Stellung Zwinglis gegen den Zins, den Kapitalismus, stammt aus dieser „Ketzerschule“. Grebel schrieb an seinen Schwager, der Mitglied des großen Rates in St. Gallen war, noch im Jahre 1523, dass die Zinsen und Zehnten mit Zwinglis Zustimmung in Zürich sehr bald abgeschafft werden würden. Leider musste er vier Wochen später schreiben, dass Zwingli von seiner Überzeugung abgefallen wäre und dem Beschluss des Rates zustimmte, der für Zinsen und Zehnten eingetreten war. Es kam daher, dass Zwingli der Überzeugung war, dass die reformierte Kirche nicht ohne die Hilfe des Staates sein könne. Ohne Übereinkommen mit dem Staat kann die Bewegung über den Katholizismus nicht Herr werden. Sie braucht die Gewalt des Staates.

Die Stellung zum Staat ist die entscheidende Unterscheidung zwischen Zwingli und seinen bisherigen Freunden. Aber wohl gemerkt: die Stellung zum Staat geboren aus der Stellung zur Gemeinde! Zwingli vertrat die Meinung: Die Kirche muss durch die Kulturaufgabe des Staates gestützt werden, und die Kulturaufgabe des Staates christianisiert werden.

Die Trennung zwischen Zwingli und Grebel, die besonders eng befreundet waren, geht am „Kirchenbegriff“ und am „Staatsbegriff“, am Problem der Kirche und des Staates vor sich. Beide gehörten zusammen, nicht das Kirchenproblem ohne des Staatsproblem, sondern Kirchenproblem und Staatsproblem als ein Problem gefasst. Das ist die Trennung zwischen Zwingli und Grebel.

„Aber wir mussten den Täufern widerstehen, denn wir merkten, dass sie mit der Taufe ein Symbol gefunden hatten, welches ihre andersartige Haltung zum Staat und zur Kirche vertreten sollte.“

Das ist Zwingli stets klar gewesen. Er hat es wiederholt ausgesprochen. Er hat z.B. gesagt: „Die Taufe würde uns gar nicht so wichtig sein, deshalb Menschen zu verhaften und zu töten“. Zwingli selbst hat wiederholt die Kindertaufe als unberechtigt erklärt. „Aber“, fährt Zwingli fort, „wir mussten den Täufern widerstehen, denn wir merkten, dass sie mit der Taufe ein Symbol gefunden hatten, welches ihre andersartige Haltung zum Staat und zur Kirche vertreten sollte.“ So beruft sich Zwingli fortwährend auf Aussprüche von Grebel und anderen: „Man kann dem Staat nicht besser beikommen und sich dem Staat nicht besser entziehen als durch die Taufe“. Gerade in der Kirchenfrage gegen den Katholizismus und in der Ungerechtigkeitsfrage gegen den Staat war den Täufern die Taufe das Symbol der Trennung von Kirche und Staat.

Schon die Waldenser-Tradition hatte immer erklärt: Ein Apostel Jesu Christi können keine politischen Funktionen ausführen. Die Glaubensgemeinschaft Jesu Christi kann keine Staatsgesellschaft vertreten. Die Glaubensgemeinschaft Jesu Christi folgt den Geboten Jesu Christi und braucht deshalb keine Gesetze des Staates. Der Staat ist zur Unterdrückung des Bösen da in einer ungöttlichen, höllischen Welt. Die glaubenden Nachfolger Christi haben nicht das Böse in der äußeren Welt zu unterdrücken, sondern sie sind erlöst vom Bösen.

Der Kirchenbegriff Zwinglis ist eine staatsmäßige Rechtsgemeinschaft. Die Gemeinde der Brüder ist eine geistgemäße Herzensgemeinschaft und Lebensgemeinschaft. Sie kann nur freiwillige Gemeinde sein. Sie kann nur in der Inspiration des Geistes Gemeinde sein. Deshalb sagt Pfarrer Simon Stumpf schon im Oktober 1523 zu Zwingli, dass Zwingli keinesfalls die Abschaffung der Messe in die Gewalt des Züricher Rates, der Obrigkeit, legen dürfe. Dazu habe Zwingli als Christ keine Vollmacht, solche religiösen Fragen wie die Abschaffung der Messe in die Hand der Obrigkeit zu legen. Zwei Jahre vor der Abschaffung der Messe sagte Stumpf: „Meister Ulrich, du hast kein Recht, die Entscheidung in dieser Sache in die Hände der Ratsherren zu legen, denn die Entscheidung ist bereits getroffen, der Geist Gottes entscheidet.“

Die gläubigen Vertreter der späteren Täufer sagen zwei Jahre bevor sie 1525 die Taufe vertreten, dass die staatliche Behörde nichts mit der Gemeinde zu tun haben darf oder umgekehrt. Der Riesenerfolg , den Luther und Zwingli äußerlich erreicht haben, beruht darauf, dass sie mit der Gewalt des Staates gegangen sind; denn die reformatorischen Gedanken, die sie vertreten haben, waren längst durch die brüderische Bewegung, vielleicht Jahrhunderte vorher, besonders auch durch Staupitz und die anderen Brüder, auf das klarste vertreten worden. Aus diesem Grunde, dass Luther und Zwingli die Gewalt des Staates zur Hilfe nahmen, haben sie das Evangelium verraten, weil sie die große Masse haben wollten. Sie vertraten die Idee, das Evangelium sei zu hoch, als dass die Masse es erfüllen könnte.

So sind die unterschiedlichen Merkmale sehr deutlich zu erkennen. Z.B. konnte Zwingli keinesfalls das Verweigern des Schwures oder Eides annehmen. Es sagte selbst: „Dem Eidgenossen gehört von alters her der Eid als feierliche Erklärung der Zugehörigkeit zum Staatswesen. Er ist deshalb unumgänglich notwendig.“ Der Titel „Schweizerische Eidgenossen“ war den Brüdern unerträglich, weil damit das antichristliche Wesen des Schweizer Staates bewiesen wurde. Derselbe Gegensatz war bei der Wehrlosigkeit oder der Waffenfrage vorhanden. Für Zwingli war die Waffe die Zier seines republikanischen Bewusstseins, das Ehrenzeichen des Bürgers, ein Zeichen der Vaterlandsliebe. So ist er 1531 in der Schlacht bei Kappel gefallen.

Zwingli wollte, dass der Staat die Glaubenssachen regeln sollte. Die Apostolischen Brüder erklärten, dass der Staat nichts mit ihnen zu tun hätte. Der Staat könne ohne Gericht, Schwert und Kerker nicht sein. Jede Vermischung des staatlichen Wesens mit dem apostolischen Wesen wäre eine Beschimpfung der Apostel.

So wiesen die Brüder wiederholt nach, auch die späteren Täufer, dass der Staat nach römischen Recht lebte, dass auch die republikanisch-kaiserlichen Staaten nach dem kaiserlichen Recht der Römer lebten, dass der Staat also römisch-heidnisch sei, nicht einmal alttestamentlich-mosaisch. Nichts aber habe er zu tun mit dem Evangelium Jesu und seiner Bergpredigt. So musste denn die Entzweiung zwischen Zwingli und seinen Freunden bis zum äußersten gehen. Der Gegensatz musste sich bis zur letzten Zuspitzung steigern. Leider ging der Gegensatz so weit, dass Zwingli der Tötung seines früheren Freundes Manz zugestimmt hat.

In Nürnberg und Basel waren zunächst die beiden Zentren zu sehen, welche das vorige Zentrum in Straßburg für die brüderische Bewegung abgelöst hatten. Von Nürnberg wollen wir heute weniger sprechen, weil die Linie, die von Nürnberg ausgeht, besonders zu Luther, Münzer, Staupitz und Hans Hut führt. Zwischen Nürnberg und Basel bestand eine sehr starke Verbindung, besonders zwischen den Nürnberger Buchdruckern und Künstlern mit denen in Basel. Die bedeutendsten Buchdruckerfirmen hießen Amerbach, Froben und Petri. In den Buchdruckereien waren bedeutende künstlerisch und wissenschaftliche gebildete, geschäftstüchtige Männer tätig, wie Pamphilus Gengenbach, Andreas Cratander, Valentin Curio. Diese Namen beweisen eine enge Verbindung mit Zwingli und den Brüdern in Zürich; denn Basel übte einen starken Einfluss auf Zürich aus, während andererseits Basel auch starke Beziehungen zu Lyon und anderen Zentren der Waldenser hatte, z.B. mit Franz Lambert von Avignon. Auch Hans Holbein hat in Basel den regsten Verkehr mit diesen Kreisen unterhalten und die Holzschnitte für verschiedene Buchdrucke geliefert.

In keinem anderen Jahrhundert haben Wissenschaft, Kunst und Technik so brüderlich zusammen gearbeitet wir hier in Basel. Hans Holbein und Hans Frank waren es besonders, die in der „Bruderschaft zum Himmel“ verkehrten. Die „Bruderschaft zum Himmel“ in Basel nahm besonders Liebhaber des Handwerks, Buchdrucker und Gelehrte auf. Auch Erasmus von Rotterdam lebte um die Zeit in Basel und hatte Verbindung mit diesem Kreis. Oekolampad, der Reformator von Basel, hatte mit Hans Denck schon 1515 Verbindung mit dem inneren Kreis des Erasmus. Jenem Kreise gehörte auch ein intimer Freund des jungen Patriziersohnes Konrad Grebel an. Dieser Freund hieß Heinrich Loriti aus Glarus, genannt Glarean, der ebenfalls in Basel verkehrte. Besonders zu erwähnen sind außerdem Michael Bentinus, welcher mit Hans Denck befreundet war, ebenso Richard Crocus, Wolf Capito und Johann Oekolampad.

Das Interesse dieses Kreises, der in Kapitel-Bruderschaften zusammenkam, konzentrierte sich auf das Neue Testament, die griechische Sprache und Grammatik, sowie Wissenschaften, die ihnen zum besseren Verständnis des Neuen Testamentes wichtig waren. Hans Denck hat 1523 bei Valentin Curio eine große Gesamtausgabe der Grammatik des Griechen Gaza in griechischer Sprache herausgegeben. Hans Denck schrieb auf den Titel ein Distichon in griechischer Sprache.

Besonders die Freundschaft, die Eintracht untereinander, beeindruckten ihn.

Erasmus schrieb 1516 aus Basel: „Ich befinde mich förmlich in einem Musensitz, in Basel hier ist keiner, der nicht griechisch und lateinisch könnte, die meisten auch hebräisch. Der eine ist mehr in der Geschichte, der andere mehr in der Mathematik, in den Altertümern oder der Jurisprudenz bewandert.“ Besonders war es die Freundschaft, die Eintracht des Verkehrs untereinander, die ihn beeindruckte.

Oekolampad schrieb an Pirkheimer in Nürnberg, dass in diesen Kreis im Jahre 1515 einer der wichtigsten Grundsätze der späteren Gemeinschaft bereits vorgetragen worden ist. Schon 1514 wurde von Basel aus das Altarsakrament der römischen Kirche bekämpft. Oekolampad beweist also, dass die Gedanken der sogenannten Täufer schon um 1515 in der Schweiz ausgesprochen sind. Der Archivar Keller fügt hinzu: „Nicht, als ob damit eine neue Entdeckung gemacht wäre, sondern weil das ja die alten Gedanken der Bruderschaft waren.“

Wir haben keine Zeit, auf die alten Bibelübersetzungen einzugehen, da bis zum Jahre 1500 schon viele Inkunabeln in deutscher Sprache nachweisbar sind und 98 vollständige lateinische Bibeldrucke im 15. Jahrhundert verbreitet waren. Zwischen 1466 und 1518 waren in Deutschland 18 vollständige Ausgaben und viele Teilausgaben in deutscher Sprache im Druck erschienen. Bereits 1494 sagt das „Narrenschiff“ mit Recht: „Alle Lande sein jetzt voll Heiliger Geschrift.“ Sehr bemerkenswert ist auf diesen alten Bibeln die Abbildung des Papstes, der unter den Höllenteufeln der Apokalypse gemalt wird. Darin ist der Beweis zu sehen, dass diese Bibeln nicht von katholischer Seite gedruckt sind, sondern aus den brüderischen Kreisen aufgelegt wurden, die später mit den täuferischen Kreisen zusammentrafen.

Das heißt, diese Kirche oder Gemeinde war vorher da, jetzt aber erhob sie ihr Haupt, wie sie es vorher nicht getan hatte.

So verstehen wir jetzt erst die Bedeutung des Satzes, wenn wir in den Hutterischen Geschichtsbüchen im Jahre 1525 lesen: „Um 1524 hat die lang unterdrückte Kirche oder Gemeinde angefangen, ihr Haupt wieder zu erheben.“ Das heißt, diese Kirche oder Gemeinde war vorher da, jetzt aber erhob sie ihr Haupt, wie sie es vorher nicht getan hatte.Sie erhob ihr Haupt in der Weise, dass sie nicht mehr in der Stille, sondern in der weitesten Öffentlichkeit wirkte. Die erste große Periode der täuferischen Bewegung hat so weite Volkskreise in ihren Bann gezogen und hatte einen solchen Schwung des Geistes und der Kraft, dass sie an Ausdehnung und Bedeutung durchaus gleichwertig mit der katholischen und protestantischen Kirche zur Auswirkung kam.

Der eigentliche Name der Träger dieser Bewegung war nicht der Name „Täufer“, viel weniger „Wiedertäufer“, sondern der Name war einfach „Christen“ und „Brüder“, der Name war einfach „Evangelische“, wie sie sich seit vielen hundert Jahren genannt hatten. Infolgedessen bezeichnen die Schriften der Brüder in Zürich seit 1525 die Zwinglianer und Lutheraner als „Neuevangelische“, sich selbst als „Evangelische“, also den vier Evangelien entsprechend. Später, als sie durch die Gewalt des Staates zurückgedrängt wurden, nannten sie sich „Altevangelische“ im Gegensatz zu den Lutheranern und „Neuevangelischen“, weil sie sich ganz nach dem Evangelium benannten. Aber auch das, was sie taten, war diesem Evangelium entsprechend.  Die Liebe ist das Kennzeichen ihres Glaubens. Sie ist die Hauptsumme ihres Wesens. Das erkennt man auch an all ihren Liedern, Bekenntnissen und Märtyrerakten.

Die Liebe ist das Kennzeichen ihres Glaubens. Sie ist die Hauptsumme ihres Wesens. Das erkennt man auch an all ihren Liedern, Bekenntnissen und Märtyrerakten.

Es handelt sich also bei dieser Bewegung um eine Erneuerung der alten brüderischen Bewegung, die sich in den Jahren 1515 bis 1523 in der Stille vollzog. In der Zeit von 1523 bis 1525 fand das öffentliche Hervortreten in der Stadt Zürich statt. Grebels religiöse Überzeugung, die er nachher durch die Taufe bestätigte, lässt sich bereits im Jahre 1523 nachweisen. Das war dieselbe Zeit, in welcher Konrad Grebel in Zürich war und mit Zwingli noch eng befreundet war. Es handelte sich also bei den Gemeinden der Brüder um eine innere Wiedergeburt und ein gewaltiges Hervortraten einer alten Bewegung.

Diese innere Wiedergeburt der Gemeinde und Bruderschaft und der apostolischen Wanderer ist zunächst in einer wissenschaftlichen Denkarbeit vorbereitet worden, und zwar von 1515 bis 1523 in Basel und Zürich. Basel war der vornehmste Sammelpunkt der Männer, die später die Bewegung leiten sollten. Hubmaier, Denck, Grebel sind die bekanntesten Namen derer, die damals in Basel waren. Sehr interessant schreibt 1524 Jean Canaye, der Franzose: „Basel ist uns damals zum Hafen und Zufluchtsort des Heils geworden. Basel ist die wahrhaft königliche Stadt, weil der König der Könige will, dass in ihr sein Evangelium und seine ewigen Gesetze blühen, gelesen und verkündet werden.“ Die Vertreter der evangelischen Bewegung haben in Basel bis 1525 in Bezug auf das Evangelium denselben Standpunkt vertreten, den später in Zürich Grebel, Hubmaier in Waldshut, Denck in Nürnberg und Oekolampad, der Reformator in Basel, verteidigten.

Der Kampf um die Taufe hat in Basel besonders seit dem Jahre 1523, teilweise aber auch schon vorher begonnen. Im Sommer das Jahres 1524 weiß Erasmus, dass in Basel viele Gegner der Kindertaufe sind. Aber schon 1522 machte Coccinius Doggius zu Basel gewisse Thesen Ulrich Hugwalds bekannt, die dieser bereits im Winter 1521/22 vertreten habe, darunter 6 Thesen für die Taufe auf den Glauben.

Dasselbe Jahr war es, in welchem die Statuten der sogenannten „Himmlischen Bruderschaft“ neu unterzeichnet worden sind. Dieses Statut enthält bereits die Grundlagen der Lehre und Verfassung der späteren Brüder, die man die Täufer nennt. 1524 noch fanden bedeutende Kapitels-Versammlungen in Basel statt, wie sie schon in früheren Zeiten von den Brüdern her bekannt sind. Es existiert noch eine Schrift, eine eigenhändige Einladung Hubmaiers vom 11. Juni 1524. Er fordert darin die Brüder auf, sich mit ihren Bibeln zum nächsten Kapitel in seinem Haus einzufinden, und er kündigt als Tagesordnung 18 Thesen über religiöse Fragen an. Es sagt, dass er sie erinnert an das Band der brüderlichen Liebe, an die Heiligkeit des christlichen Friedens und an den Namen des Herrn Jesu Christi für diese Zusammenkunft. Und er sagt weiter, dass diese Kapitel oder Bruderschaften ein alter Brauch seien, der von der Zeit der Apostel her bestünde, dass man aber vor Zeiten diese Kapitel oder Bruderschaften Synoden genannt habe.

Die Mitglieder, welche an diesen Kapitels-Versammlungen teilnahmen, waren auch in den Buchdruckereien Basels wohl bekannt. In den Buchdruckereien in Basel erschienen die Bücher der alten „Gottesfreunde“. Ferner druckte man dort um 1523 die Schriften von John Wycliffe, Joh. Wessel von Groningen und vor allem Marsilius von Padua, alles Bücher von Männern, die von der katholischen Kirche als Ketzer in den Bann getan worden waren. So ist auch im Jahre 1522 das „Fridschirmbuch“ in Basel gedruckt worden von Valentin Curio, dessen Geschäftsteilnehmer und Korrektor damals Hans Denck war.

Conrad Grebel

Grebel tauchte 1521 in diesen Buchdruckereien auf. Er lebte in Basel und arbeitet dort auch in den Buchdruckereien. Er war im August 1521 dorthin gekommen und hatte seine nächsten Freunde in der Kapitelbruderschaft Dencks und Hubmaiers. Grebel studierte damals noch. Dr. Ursinus nennt ihn 1521 einen „ausgezeichneten jungen Mann“. Alle rühmten seine Begabung und seine hervorragende Gelehrsamkeit. Vadian, der Arzt, der ihn später verurteilt hat, hat auch von ihm gesagt, dass er ein Mann von großen Talenten gewesen sei. Grebel hat in dieser Zeit seine geistige Umkehrung vollzogen und ist damals auch in die Ehe getreten.

Zu dem Kreise, mit dem er verkehrte, gehörte auch Wilhelm Reublin, der später eine kurze Zeit Bruder der Hutterer war, und eine Menge bedeutender Theologen, von denen uns zunächst Simon Stumpf interessiert, der später nach Zürich kam.

Es ist sehr interessant, dass aus der Graubündener Gegend ebenfalls einer der späteren Täufer-Führer nach Basel kam und zwar schon 1520. Es war der berühmte Buchhändler und Drucker Andreas Castelberg, genannt „Andreas auf der Stülzen“. Dieser tritt nachher außer in Basel auch in Zürich, St. Gallen und Chur auf. Er war eine naher Freund Blaurocks. Später wurde er Diener am Wort, ein ausgesandter, apostolischer Bote und hieß „der hinkende Andreas“.

So war in den Häusern der Buchdrucker in Basel ein beständiges Kommen und Gehen der apostolischen Brüder. Jedoch sollte die Bewegung nicht in Basel zu einen gewaltigen öffentlichen Ausbruch kommen, sondern vielmehr in Zürich. Stark war die Verbindung Basels mit den altevangelischen, apostolischen Brüdern. Es herrschte die äußerste Verschwiegenheit über die als Apostel ausgesandten Brüder, damit sie nicht den Henkern und den staatlichen Gewalten überliefert würden. Immerhin haben wir vom 17. Dezember 1524 einen Brief aus Basel, in welchem steht: „Sie lassen sich Apostel, Evangelisten und Bischöfe nennen.“ Also dieselben Ausdrücke, die auch im Kreise Grebels, Dencks und Hubmaiers vorkommen. Der Schreiber dieser wichtigen Nachricht hieß Petrus Tossanus. Daraus schließt Keller, dass diese apostolischen Sendboten teil hatten, an den Zusammenkünften der „Himmlischen Bruderschaft.“

Aber die Taufe selbst ist erst im Januar 1525 in Zürich eingeführt worden. Grebel schien in den Augen Zwinglis der Führer der Bewegung zu sein. Er war der Sohn Jakob Grebels, eines vornehmen Patriziers und Ratsherren in Zürich. Er war um 1490 in Zürich geboren und brachte den größten Teil seiner Kindheit in Grüningen zu. Er war der älteste Sohn unter sieben Geschwistern. Sein Vater Jakob Grebel sorgte für die gründlichste wissenschaftliche Ausbildung aller sieben Kinder. Das war eine enorme Leistung für eine Familie mit sieben Kindern, selbst für Patrizier. Er sandte Konrad nach Wien, Basel, Paris und wohin er wollte. Er hat sich zuerst zum größten Teil den verschiedenen Sprachen und Wissenschaften gewidmet. 1515 war er nach Wien gegangen und ist dort bis 1518 geblieben. 1518 war er dann in Paris und studierte nicht Theologie, sondern lateinische und griechische Sprache und Hebräisch. 1520 kehrte er wieder nach Zürich zurück und lebte dort seinen wissenschaftlichen Neigungen. 1521/22 war er in Basel. Dort arbeitete er wissenschaftlich mit Erasmus zusammen und war als Buchdrucker mit Cratander tätig. Jetzt ging die große innere Wandlung in ihm vor, 1521 und 1522. Diese große Wandlung war durch den Einfluss des Baseler Kreises und durch Zwingli in ihm hervorgerufen worden.

Nun warf er sich mit ganzem Eifer und mit aller Kraft seines geistigen Interesses auf das Studium des Neuen Testamentes und der ganzen Bibel. August 1520 noch nennt ihn Zwingli einen besonders edlen und gelehrten Jüngling. Grebel aber suchte sich die Forderungen Jesu und das Leben Jesu und die Nachfolge Jesu mit völliger Konsequenz zum Lebensinhalt zu machen. So kam es schon 1522 zu einer starken Spannung zwischen Zwingli und Grebel.

Grebel hatte sich in Zürich mit Claus Hottinger und Heini Aberli befreundet. Schon am 7. Juli 1522 erhielten diese drei Männer das strenge Verbot, nicht mehr gegen die Mönche zu reden und überhaupt über diese kirchlichen Dinge nicht mehr zu sprechen.

1523 unternahmen Grebel und seine Freunde einen schärfsten Angriff auf das Kapital, Zinsen und Kirchensteuer und verlangten dann unbedingte Abschaffung. Noch im Juni 1523 schreibt Grebel, dass er überzeugt wäre, dass Zwingli mit ihm gehe und dieselbe Überzeugung habe, und dass die Zinsen abgeschafft würden. Vier Wochen später muss er schreiben: „In der Frage des Zehnten handeln die Leute in der Züricher Welt tyrannisch und tückisch.“ Alle Freunde Zwinglis machen ihm (Zwingli) zum Vorwurf: vorher har er gepredigt, man solle den Zehnten nicht geben, jetzt aber, seit er mit dem Rat befreundet ist, widerruft er alles, was er gegen den Zehnten gesagt hatte.-

Ein christliches Volk, das dem Evangelium anhing und weder mit den Zinsen noch mit anderem Wucher etwas zu tun hatte, sollte die Gemeinde bilden.

Gleichzeitig aber gingen Grebel und seine Freunde in der Gemeindefrage energisch vor. Ein christliches Volk, das aufs allerunschuldigste lebte, dem Evangelium anhing und weder mit den Zinsen noch mit anderem Wucher etwas zu tun hatte, sollte die Gemeinde bilden. So war es im Sommer 1523 schon zum schroffsten Bruch mit Zwingli gekommen. Stumpf und Grebel gingen im Sommer 1523 zu Zwingli und sagten ihm: „Du bist zu langsam, du bist zu lau in allen Dingen, die die Gemeinde und das Reich Gottes betreffen. Siehst du denn nicht, worauf die Zeit drängt? Siehst du denn nicht, worauf der Geist Gottes drängt? Jetzt gilt es, mit heiligstem, größtem Ernst zu handeln!“ Sie baten Zwingli zu bedenken, dass es unmöglich sei, eine ganze große Stadt zu einer Vereinigung allgemeiner Christen zu führen. Er solle auf die apostolische Gemeinde in Jerusalem sehen, wie sie gegründet worden sei. So müsste jetzt auch Gemeinde in Zürich entstehen. Gemeinde könnten nur die bilden, die vom Geist ergriffen wären, nur die, die vom Geist Gottes geführt und regiert würden. Wer Christus folgt, wird bereit sein zu einem solchen Leben der Gemeinde.

Vor allem warfen diese beiden Männer Zwingli vor, dass er die Entscheidung über Fragen des Glaubens und der Gemeinde der Obrigkeit in die Hände gab. Das Wort Gottes aber sei frei! Es steht der Obrigkeit nicht zu, über das Wort Gottes mit Gewalt zu herrschen oder gar die Predigt des Wortes Gottes mit Gewalt zu handhaben. Zwingli aber lehnte diese Gedanken ab. Er erklärte, eine vom Staat unabhängige Gemeinde zu gründen, sei ihm unmöglich. So gingen die Brüder von Zwingli weg und gründeten im biblischen Kreise Kapitel-Bruderschaften.

Und hiermit taucht der Name Manz wieder auf, denn diese Versammlungen fanden im Hause der Mutter von Manz statt. Felix Manz übersetzte aus dem hebräischen Urtext das Alte Testament, Grebel aus dem Griechischen das Neue Testament. Sie beteten zu Christus, dass sie einen stärkeren Glauben beweisen möchten. Bald unternahmen sie einen neuen Angriff gegen Zwingli, diesmal besonders gegen die Messgewänder und Messgebräuche.

Auf dem Religionsgespräch über diese Dinge kam es im Oktober 1523 zum endgültigen Bruch zwischen Zwingli und Grebel. Wieder ging es um die Frage Staat und Obrigkeit. Grebel verlangte, man sollte einen Beschluss fassen, dass die Messe abgeschafft würde. Zwingli erklärte, das könne nur durch die Macht des Staates geschehen. Stumpf erklärte: „Zwingli, du hast kein Recht, diese Fragen dem Rat zu übergeben, nachdem der Geist Gottes bereits darüber entschieden hat.“ Grebel bestritt Zwinglis Meinung ebenso energisch und geriet in heftigen Meinungsaustausch mit Zwingli. Der Rat fühlte sich durch Zwingli sehr ermutigt und erließ sofort einen Erlass, dass nur noch das Wort Gottes gepredigt würde und über die Fragen wie Messe, Zinsen und Ähnliches dürfte nicht gehandelt werden. So musste alles so bleiben wie es war. Im November 1523 griff Zwingli in seiner „Kurzen Christlichen Einleitung“ die Brüder, die eben noch seine Freunde gewesen waren, in schärfster Weise an. Am 4. November 1523 wurde ein Freund Grebels verbannt, weil er ein Kruzifix zerstört hatte. Er hieß Hochruetiner. Er kehrte nach St. Gallen zurück.

Zwingli hatte eine Zeit lang auch in der Tauffrage zu den Brüdern geneigt, wie in der Zinsfrage. Seit 1524 begann der Kampf um die Kindertaufe in Zürich von neuem. Grebel und seine Freunde erklärten die Kindertaufe für ein Gräuel und ein Teufelswerk. Am 3. September 1524 schreibt Grebel, dass er mit Carlstadt und Münzer in Verbindung getreten sei. Vielleicht werde er auch Martin Luther scharf anfahren, angetrieben durch das Vertrauen auf das Wort Gottes.

Er liest jetzt das Matthäus-Evangelium mir 15 Zuhörern. Am 5. September 1524 schrieben die Brüder einen wichtigen Brief an Münzer, in dem sie ihn ermahnen und bitten, alles aufzugeben, was an bewaffneten Aufruhr und bewaffnete Empörung grenzt. Darauf brach die Verbindung mit Münzer ab. Dagegen war die Verbindung mit dem Mystiker Carlstadt eine längere, tiefere. Seit Juli 1524 standen sie mit ihm in Korrespondenz. Seine Schrift „Ob man langsam verfahren soll in Sachen, die Gottes Willen sind“ begrüßen Grebel und seine Freunde mit großer Freude. Oktober 1524 verbreiten Grebel und seine Freunde Büchlein und Schriften von Carlstadt. Später hat auch diese Verbindung aufgehört.

„Ich glaube, dass Verfolgung nicht ausbleiben wird. Gott gebe uns Gnade!“

Indessen griff die Bewegung in Zürich um sich. Immer mehr Eltern kamen, die sich weigerten, ihre Kinder taufen zu lassen. Der Rat bedrohte die widerstrebenden Eltern mit strenger Strafe. Die Eltern beriefen sich auf die Heilige Schrift. Grebel berichtet darüber am 12. Dezember 1524 an seinen Schwager Vadian in St. Gallen. Schon damals schreibt er: „Ich glaube, dass Verfolgung nicht ausbleiben wird. Gott gebe uns Gnade!“ Ende 1524 hat Zwingli seine Schrift geschrieben: „Gegen die, welche Ursache geben zu Aufruhr und wer die wahren Aufrührer sind.“ Natürlich seine alten Freunde Grebel, Manz und die anderen. Darauf wandte sich Grebel im Januar 1525 an den Rat und erklärte, dass er niemals Aufruhr verübt oder aufgebracht habe. Das würden die bezeugen, die ihn jemals gehört hätten, und er bitte den Rat, seine Hand nicht mit unschuldigem Blut zu beflecken. Der setzte darauf auf den 17. Januar 1525 das öffentliche Gespräch über die Kindertaufe fest. Das Resultat war: Zwingli blieb bei seiner Meinung, ebenso Grebel und seine Freunde. Der Rat stellte sich auf die Seite Zwinglis, wie Zwingli sich auf die Seite des Rates gestellt hatte. So erließ der Rat am 18. Januar 1525 in Bezug auf die Kindertaufe ein Staatsgesetz. Alle Zuwiderhandlung wird mit sofortiger Vertreibung aus dem Staat bedroht.

Jörg Blaurock

Indessen war Blaurock zum Kreis um Grebel und Manz hinzugetreten. Blaurock war ein Mönch in dem Kloster St. Lucius bei Chur. Er war in Bonaduz am Hinterrhein geboren. Seinen Schulunterricht hatte er in Chur erhalten. 1525 ist er in Zürich festgestellt. Scheinbar hat er für die brüderischen Grundsätze schon vorher gekämpft. Das ist aus der ungeheuren Energie zu erkennen, mit der er die Glaubenstaufe in Zürich durchsetzt. Es ist ferner bemerkenswert, dass der Buchhändler Andreas auf der Stülzen, ebenso wie Johannes Brötli und Wolfgang Schorant, der nachher die Täuferbewegung in St. Gallen führte, auch aus Chur kamen. Letzterer war ein Klosterbruder von Blaurock.

Als Blaurock 1525 nach Zürich kam, war er bereits verheiratet, was er unmöglich als Mönch sein konnte. Er scheint ungefähr 30 Jahre alt gewesen zu sein. Er wird als eine hohe, kraftvolle Gestalt geschildert, sodass das Volk rief: „Jetzt kommt der starke Jörg!“ Er war feurigen Auges mit schwarzem Haar, hatte aber eine kleine Glatze. Es selbst nannte sich nach seiner Familie „Jörg vom Hause Jakob“. Weiter erzählen die Hutterischen Geschichtsbücher:

„… er ist zu ihnen kommen, nämlich zum Konrad Grebel und Felix Mantzen, und hat mit ihnen geredt und sich erspracht Glaubenssachen halb. Seind auch der Sachen eins wurden mit einander und haben in reiner Forcht Gottes erkennt und befunden, dass man aus göttlichem Wort und Predig ein rechten, in der Lieb tätigen Glauben müsst erlernen und auf dem erkannten und bekannten Glauben den recht christlichen Tauf, in Verbindung mit Gott, eines guten Gewissens empfahen, in aller Gottseligkeit eines heiligen, christlichen Lebens hinfüran Gott zu dienen, auch in Trübsal beständig zu bleiben bis ans Ende.“

Blaurock, der frühere Mönch, war der eigentliche Volksmann unter den ersten Wortführern. Nichts von der hohen Gelehrsamkeit eines Grebel, Manz oder Hubmaier. Sondern er war der Mann des Volkes, der die Bewegung unter die vielen, vielen Menschen gebracht hat. Immer wieder heißt es in den Beschreibungen seines Lebens: „ Plötzlich sah man eine Menge Leute, auf Märkten und Plätzen blieben sie stehen und hörten Blaurock von einem besseren Leben, von der Bekehrung, von der brüderlichen Gerechtigkeit und vom Reich Gottes reden“. Blaurock war mit hinreißender, volkstümlicher Beredsamkeit ein Mann unerschrockenen Mutes. Als ein rechter Apostel Christi zog er von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf, um überall die Gemeinschaft der Liebe aufzurichten. Von ihm müssen wir noch mehr erzählen.

Zunächst ist zu beachten, dass er die Taufe unter den Brüdern aufgerichtet hat, kurz nach der Disputation vom 17. Januar 1525 und dem Erlass vom 18. Januar, wo die Kindertaufe festgesetzt worden war mit Androhung der Vertreibung bei Zuwiderhandlung. Blaurock bat Grebel, er möchte ihn auf seinen Glauben taufen. Dieses fand statt. Georg Blaurock taufte die anderen 15 Brüder, und das Abendmahl wurde sofort gehalten. 14 Brüder wurden verhaftet, und die meisten sofort aus der Stadt hinausgewiesen. Diese erste Versammlung der neu anhebenden Bewegung war in einer tiefen religiösen Ergriffenheit zusammengekommen. Die Hutterischen Geschichtsbücher berichten darüber:

„Und es hat sich begeben, dass sie sein bei einander gewesen, bis die Angst anging und auf sie kam, ja in ihren Herzen gedrungen wurden; da haben sie angefangen ihre Knie zu biegen vor dem höchsten Gott im Himmel und ihn angerüft als ein Herzenskundigen und gebeten, dass er ihnen wollt geben, zu tun seinen göttlichen Willen und dass er ihnen Barmherzigkeit wollt beweisen. Denn Fleisch und Blut oder menschlicher Fürwitz hat sie gar nicht getrieben, weil sie wohl gewisst, was sie darüber werden dulden und leiden müssen.

Nach dem Gebet ist der Geörg vom Haus Jakob aufgestanden und hat um Gottes willen gebeten den Konrad Grebel, dass er ihn wöll taufen mit dem rechten christlichen Tauf auf seinen Glauben und Erkenntnis. Und da er niedergekniet mit solchem Bitt und Begehren, hat der Konrad ihn getauft, weil dazumal sonst kein verordneter Diener, solches Werk zu handlen, war. Wie nun das geschehen, haben die anderen gleicherweis an den Geörgen begehrt, dass er sie taufen soll. Welches er auf ihr Begehren auch also tät; und haben sich also in hoher Furcht Gottes mit einander an den Namen des Herrn ergeben, einer den andern zum Dienst des Envangelii bestätet und angefangen, den Glauben zu lehren und zu halten. Damit ist die Absünderung von der Welt und von ihren bösen Werken anbrochen …“

Zwingli sagt einmal von Grebel: „Er spricht so, als wenn der Messias jetzt da wäre.“ In diesem Satz ist zweierlei gesagt, einmal, dass Jesus der Messias ist, dass er ein irdisches Reich Gottes beginnt in Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit, und zweitens, dass dieser Messias-König jetzt da ist in der Gemeinde. Und das konnte Zwingli nicht ertragen. Daraus ergibt sich, dass die Gemeinde messianisch lebt, und Zwingli fügt hinzu: „Ich habe nicht verstanden, in welcher Weise er das gemeint hat.“

Und das möchte ich uns wünschen, dass wir so leben, dass Christus der Messias-König ist, dass Christus da ist, dass wir in einer messianischen Zeit leben, weil der Messias Christus da ist! Wir haben nichts Neues zu machen, sondern das, was da ist aufzunehmen und neu zu beginnen.

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Von Eberhard Arnold Eberhard Arnold

Eberhard Arnold war ein Theologe, Erzieher, Verleger und Leiter der Bruderhofgemeinschaft.

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