Morning over the bay

Ein lebendiges Zeugnis für die Ehe

von Johann Christoph Arnold

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Johann Christoph Arnolds Beitrag zum Kolloquium im Vatikan, vorgetragen am 17. November 2014.

Was ist es für eine Freude, mit Ihnen allen hier sein zu dürfen und mit Ihnen gemeinsam die Gabe der von Gott eingerichteten Ehe zu feiern und zu verkünden – ein Plan, der heute noch genauso perfekt ist wie zu Anbeginn: Ein Mann, eine Frau, für das ganze Leben.

Mein besonderer Dank gehört Kardinal Gerhard Müller für die Einladung und die herzliche Begrüßung, Bruder Papst Franziskus für sein Zeugnis und seine Unterstützung des Kolloquiums, allen anwesenden Brüdern und Schwestern im Glauben, Dr. Wael Farouq für seine Präsentation und all denen, die Beiträge gebracht haben oder in den nächsten Tagen bringen werden. Alles Lob und alle Ehre mögen Gottes sein.

Diese Versammlung gibt mir viel Hoffnung und zeigt die Wichtigkeit, ein lebendige Zeugnis für Gottes Gestaltung der Ehe zu geben. Kinder und junge Erwachsene benötigen dringend Rollenvorbilder, die durch ihr Leben beweisen, dass eine in Treue gelebte Ehe eine der wunderbarsten Weisen ist, wie man der Menschheit dienen kann. Aber einzelne Ehepaare sind nicht genug. Wir brauchen starke Glaubensgemeinschaften, die sie fördern und unterstützen.

Meine Frau Verena und ich haben dies im Laufe von 48 Ehejahren immer wieder erfahren. Bei unserer Heirat haben wir Gelübde lebenslanger Treue abgelegt, mit Jesus Christus als Grundlage unserer Ehe. Die Worte dieser Gelübde werden von taufgesinnten Christen seit fast 500 Jahren gesprochen.

Über uns wurde eine Segnung des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs ausgesprochen, die über die Jahrtausende von Generation zu Generation weitergegeben worden ist. Und wie hat Gott uns gesegnet! Wir haben acht Kinder, 44 Enkel und zwei Urenkel!

Letztes Jahr wurde bei meiner Frau eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert und seitdem hatte sie noch einen Herzinfarkt. Es schien, als ob der Teufel alles versuchen würde, um uns daran zu hindern, nach Rom zu kommen, aber – Gott sei Dank – wir sind heute trotz alledem hier.

Ich spreche hier darüber, um zu sagen, dass wir so sind wie alle anderen Menschen, wir haben unsere Probleme und Herausforderungen, und wir haben gemerkt, wie wichtig es ist, zu einer Glaubensgemeinschaft zu gehören, die diejenigen Werte schützt, die eine Ehe stärken. Das trifft auf den Bruderhof zu, der Gemeinde, von der ich komme, und es trifft auf alle großen Glaubenstraditionen zu, die heute hier vertreten sind. Deshalb habe ich die Hoffnung, dass die Ehe, so wie sie von Gott gewollt ist, auch in diesen dunklen Zeiten hell leuchten wird.

Wir leben in turbulenten Zeiten. So war es auch im Jahr 1920, als meine Großeltern Eberhard und Emmy Arnold eine kleine, auf der Lehre Jesu fußende und vom Zeugnis der ersten Christen inspirierte Gemeinschaft in Deutschland gründeten. Sie schlossen sich als Alleinstehende und Ehepaare zusammen, um ein Leben zu führen, wo, wie in der Apostelgeschichte geschildert, die Gemeindeglieder alles miteinander teilen. Aus den bescheidenen Anfängen von damals ist eine Gemeinschaftsbewegung mit fünfundzwanzig Bruderhöfen auf vier Kontinenten entstanden.

Während ich in den letzten dreißig Jahren als Prior dieser Bewegung gedient habe, konnte ich den moralischen und spirituellen Niedergang der westlichen Zivilisation beobachten, der parallel zum tragischen Kollaps der Familie stattfand. Angesichts dessen sind wir entschlossen gewesen, die Heiligkeit des Lebens, der Sexualität und der Ehe zu bewahren.

Wir glauben, dass eine Ehe mehr ist als ein privater Vertrag zwischen zwei Menschen. Gott wollte nicht nur das private Glück zweier einzelner Individuen, sondern die Etablierung gottesfürchtiger Beziehungen in einer Gemeinschaft von Familien unter seiner Herrschaft. Die Ehe ist Teil von Gottes ursprünglicher Schöpfung und heiligt jede Generation als „in seinem Bilde geschaffen“. Gott schuf Mann und Frau, so dass sie durch ihre Vereinigung die Erde füllen und gedeihen sollten. Es ist Gottes Wille, dass jedes Kind einen Vater und eine Mutter hat.

Zusammen mit meiner Frau als seelsorgerisches Team haben wir gesehen, dass eine Ehe außerhalb einer Gemeinschaft von Glaubenden, die voneinander Kraft, Unterstützung und Rat suchen, sehr ungeschützt ist. Wenn wir starke Ehen wollen, müssen wir Glaubensgemeinschaften bilden, die Jesu Lehren bezüglich Keuschheit, Vergebung und Teilen folgen; also Ehepaare genauso wie alleinstehende Männer und Frauen, die zeigen, was es bedeutet, wirkliche Nachfolger Jesu zu sein.

Das ist nicht leicht. Unsere menschliche Natur gibt nur allzu schnell sündigen Begierden nach. Aber der Egoismus, der zu Untreue und Scheidung führt, kann durch Jesus und seinen Geist überwunden werden. Was Gott zusammengefügt hat, kann zusammenbleiben. Durch Jesus können Verbitterung, Beschuldigungen und egoistischer Ehrgeiz, die wie trennende Wände zwischen uns stehen, niedergerissen werden.

In meiner eigenen Gemeinde gibt es Leute aus allen möglichen Herkunftsmilieus. Viele von ihnen sind aus sehr kaputten Familienverhältnissen zu uns gekommen. Genau wie überall müssen bei uns Ehepaare hart daran arbeiten, um eine Liebe zu hegen und zu pflegen, die wirklich Bestand hat. Manchmal geraten sie in Krisen wegen Misstrauen, Unversöhnlichkeit oder sexueller Sünde. Aber mit Gottes Hilfe und der Hilfe anderer Gemeindemitglieder können Wunder der Versöhnung und der Heilung passieren – und sie passieren wirklich. Gebet ist ein zentraler Teil dieses Prozesses, so wie das alte Sprichwort sagt: „Zusammen betende Ehepaare sind zusammen bleibende Ehepaare.“

Um Ehen zu schützen, müssen wir als Individuen, Familien und Gemeinden einander rechenschaftspflichtig sein und uns gegenseitig ermutigen. Wir müssen unseren Kindern ein Vorbild an Anstand, Einfachheit, Fleiß und vor allem Liebe zu Gott und unserem Nächsten sein.

Natürlich stößt Gottes Wille auch auf Ablehnung. 1995 überreichte ich mein erstes Buch Sex, Gott und Ehe meinem lieben Freund Kardinal Joseph Ratzinger, der jetzt emeritierter Papst ist. Er präsentierte es Papst Johannes Paul II. und schrieb in seiner Antwort:

Es war mir eine Freude, dem Heiligen Vater Sex, Gott und Ehe zu überreichen. Er war sehr glücklich über diese ökumenische Geste und mehr noch über den Inhalt und die Harmonie der sittlichen Überzeugung, die aus unserem gemeinsamen Glauben an Christus entspringt. Solch eine Überzeugung wird unweigerlich Hass und sogar Verfolgung hervorrufen. Der Herr hat es so vorausgesagt. Aber mit ihm müssen wir weiterhin versuchen, das Böse durch das Gute zu überwinden.

Diese Worte haben sich als prophetisch erwiesen, denn Hass und Verfolgung haben inzwischen begonnen. Heute wird die lebenslange Ehe zwischen einem Mann und einer Frau abgelehnt, diejenigen, die weiterhin an ihr festhalten, werden verachtet und verhöhnt. Trotzdem müssen wir um unserer Kinder willen weiterhin für die Ehe eintreten.

Die Familie ist die Grundlage für das Überleben der Menschheit. Wir müssen treu bleiben und einander ermutigen, so wie wir es heute tun. Ich danke Gott, dass unser Bruder Papst Franziskus dies weiterführt in der „Harmonie der sittlichen Überzeugung, die aus unserem gemeinsamen Glauben an Christus entspringt“. Lasst uns an die Worte Jesu erinnern: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“

Aber die falschen Lehren über die Ehe können nicht nur mit Worten widerlegt werden. Kinder und junge Erwachsene müssen Gottes Liebe und Wahrheit vorgelebt bekommen. Ich habe dies durch das Vorbild meiner Eltern erlebt, die im Laufe ihrer 46 Ehejahre riesige Herausforderungen zu bewältigen hatten, darunter der Tod von zwei Babys. Aber sie haben nie geschwankt. Durch ihre Liebe zu Jesus hatten sie bis zum Ende ihres Lebens das Reich Gottes fest im Blick.

Solche Vorbilder sind es, was wir heute brauchen. Wir müssen mutiger werden, so wie es die Christen der ersten Jahrhunderte waren: Eine Gegenkultur der Einfachheit und praktischen Hilfe, wo wir unsere gesamte Energie darauf verwenden, Gottes Reich zu verwirklichen und nicht den Dingen dieser Welt hinterherjagen. Die ersten Christen stellten die römische Welt auf den Kopf, teilweise weil Ehemänner und Ehefrauen einander und ihren Kindern treu blieben – während die Heiden glaubten, das sei unmöglich. Mit Gottes Hilfe können wir heute dasselbe tun.

Wir dürfen niemals Angst haben vor dem Spott und der Verleumdung, die unser Zeugnis hervorrufen werden. Wie der Apostel Paulus schrieb:

Täuscht euch nicht: Gott lässt keinen Spott mit sich treiben; was der Mensch sät, wird er ernten. Wer im Vertrauen auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber im Vertrauen auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist. (Galater 6, 7-9)

Also lasst uns den Kopf hoch halten in dem Wissen, dass Gott für uns ist – wer kann wider uns sein? Lasst uns gemeinsam ein Zeugnis davon geben, dass Gottes Willen für Ehen und Kinder freudvoll, wahr und ewig ist. Nichts wird uns hindern können, diese kindliche und einfache Botschaft zu verkünden. Es ist Gott, der die letzte Stunde der Weltgeschichte in den Händen hält, und er wird siegreich sein.

http://youtu.be/o8SZJ-WNWAw

Pope Francis recieves Johann Christoph Arnold
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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