Morning over the bay

Osterfreude

von Paul Winter – Ältester der Bruderhofbewegung

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Vor mehr als 1400 Jahren schrieb der Dichter Venantius Fortunatus ein Kirchenlied, das noch heute in aller Welt gesungen wird. Jubelnd vor Freude feiert dieses Lied den wiederkehrenden Frühling und verkündigt: Sei willkommen, Ostern!

Heutzutage ist es selbst unter Christen nicht mehr so offensichtlich, warum wir Ostern mit solcher Freude willkommen heißen sollten. Trotz Ostereiersuche und Frühlingsdekoration wird Ostern wie ein zweitrangiges Fest behandelt, dem die fröhlichen Traditionen fehlen, wie wir sie aus der Advents- und Weihnachtszeit kennen (und ebenso die kommerzielle Bedeutung). Das liegt aber nicht daran, dass die meisten etwa nicht mehr wüssten, was Ostern bedeutet. Es ist vielmehr so, dass dieses christliche Fest vielen Menschen etwas unangenehm ist.

Und es gibt gute Gründe für dieses Unbehagen.

Und es gibt gute Gründe für dieses Unbehagen. Ostern konfrontiert uns mit einer Geschichte, die nicht nach unserem Geschmack ist – sie will einfach nicht zum Menschenbild des 21. Jahrhunderts passen. Der Apostel Paulus bringt es auf den Punkt: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, so wie es die Schriften sagen“ (1. Korinther 15:3). Ostern bedeutet also, dass wir Sünder sind. Das verletzt unsere Selbstzufriedenheit und ruft uns auf, dem Beispiel Jesu zu folgen und unser eigenes Leben hinzugeben. Dietrich Bonhoeffer hat es mit den folgenden Worten ausgedrückt:

„Bin ich es, der sagt, wo Gott sein soll, so werde ich dort immer einen Gott finden, der mir irgendwie entspricht, gefällig ist, der meinem Wesen zugehörig ist. Ist es aber Gott, der sagt, wo er sein will, dann wird das wohl ein Ort sein, der meinem Wesen zunächst gar nicht entsprechend ist, der mir gar nicht gefällig ist. Dieser Ort aber ist das Kreuz Christi. Und wer ihn dort finden will, der muss mit unter dieses Kreuz, wie es die Bergpredigt fordert. Das entspricht unserer Natur gar nicht, sondern ist ihr völlig zuwider.“

Laßt uns einander um Vergebung bitten

Bonhoeffer zeigt auf, wo die wahre Osterfreude gefunden werden kann. Nur „am Fuß des Kreuzes“, an dem Ort tiefsten Leidens, können wir Vergebung für unsere Herzenskälte, Sünde und mangelnde Liebe finden. Hier gibt uns Christus die Kraft für ein Leben der Nachfolge und des Gehorsams ihm gegenüber. Nur hier finden wir die Osterfreude.

In der letzten Zeit ist die Aufmerksamkeit der Welt auf Rom gerichtet gewesen, wo die katholische Kirche ihren neuen Hirten, Papst Franziskus, einführt. Ich bete für ihn, auch wenn ich kein Katholik bin, und ich habe große Erwartungen daran, wie er die Gläubigen weltweit führen wird. Seine Betonung des demütigen Dienens erinnert mich an die Worte Jesu vor den Ereignissen des Palmsonntags:

„Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Markus 10:43-45).

Wenn Jesus kam, um der ganzen Menschheit zu dienen und den Tod zu überwinden, wie viel mehr sollten wir, die wir ihm nachfolgen, bereit sein, unser Leben im Dienst aneinander hinzugeben? Wenn wir jetzt auf die Woche vor Ostern zugehen, lasst uns Raum machen, damit es Ostern in unseren Herzen werden kann. Lasst uns unsere Ehepartner, Kinder, Mitarbeiter, Nachbarn, und Brüder und Schwestern in unseren Gemeinden um Vergebung bitten. Wenn Groll und Mauern uns entzweien, dann lasst uns das aus unseren Herzen ausräumen, so dass wir den Frieden und die wahre Freude von Ostern erleben können.

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