Child running toward her mother

Kinder und Sünde

von Johann Christoph Arnold

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Wenn wir behaupten, ohne Schuld zu sein, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit lebt nicht in uns. Wenn wir aber unsere Schuld eingestehen, dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott Wort hält: Er wird uns dann unsere Verfehlungen vergeben und alle Schuld von uns nehmen, die wir auf uns geladen haben. – 1. Johannes 1,8-9

Obwohl jeder Mensch einen Hang zum Bösen hat, sind Kinder Gott näher als wir Erwachsenen und wenn irgendjemand zum Reich Gottes Zugang hat, dann sind es die Kinder. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie von Natur aus gut sind und dass wir sie durch eine rosa-rote Brille betrachten dürfen und alles was sie tun und lassen einfach mit ihrem Kindsein rechtfertigen können.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Kinder es nicht so meinen wie Erwachsene, wenn sie etwas Verkehrtes tun. Dennoch ist es falsch zu denken, Kinder seien für Sünde nicht anfällig. Man muss ihnen wieder und wieder helfen, die richtige Entscheidung für das Gute zu treffen. Gerade weil ihr Wille noch unbelastet und frei ist, dürfen wir es nicht erlauben, dass sie der Sünde zum Opfer fallen; wir müssen sie für das Gute gewinnen.

Gefühlskälte und jegliche Art von Härte sind immer genauso falsch wie eine Freizügigkeit in der alles erlaubt ist. Deswegen braucht es in der Erziehung immer noch Disziplin und sogar Strafe, allerdings ausschließlich auf der Grundlage einer Beziehung, die auf Liebe und Vertrauen aufgebaut ist. Wenn wir Gott lieben und unsere Kinder zu ihm führen wollen, werden wir auch das biblische "Salz" in unserer Erziehung finden, welches zu einer echten Liebe gehört.

Egal wie alt ein Kind ist, es kann schon bei Zeiten lernen, sich zu entschuldigen, wenn etwas schief gegangen ist – und es auch von Herzen meinen. Es braucht ein ganzes Leben Demut zu lernen und Eltern, die dies nicht bei Zeiten ihren Kindern nahe bringen, werden merken wie es von Jahr zu Jahr schwieriger wird. Deswegen sollten wir ruhig das alte Sprichwort ernst nehmen: "Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen!" und Eltern ermutigen Dickköpfigkeit schon in einem Dreijährigen zu überwinden und nicht zu warten bis die gleichen Probleme wieder in der Pubertät auftauchen.

Manchmal ist schlechtes Benehmen auch ganz einfach ein Schrei nach Aufmerksamkeit und Liebe. In solchen Fällen sollten wir vorsichtig sein mit unseren Beurteilungen und dem Kind nicht unterstellen, absichtlich gehandelt zu haben. Kinder sind der Mittelpunkt ihrer eigenen kleinen Welt; sie sehen die ganze Welt um sich herum aus ihrer eigenen kleinen Perspektive. Wenn sie sich etwas mit Begeisterung nehmen, heißt das noch lange nicht, dass sie selbstsüchtig sind, sondern sie sind ganz einfach völlig in etwas vertieft und davon ganz in Anspruch genommen. Diese kreatürliche Ichbezogenheit ist an sich nicht verkehrt. Trotzdem müssen wir Kindern helfen, je älter sie werden auch zunehmend von sich selbst wegzuschauen.

Wenn Kinder angeben, andere verletzen oder lügen und stehlen ist es einfach, nur ihnen die Schuld zu geben. Weise Eltern werden allerdings auch immer auf sich selbst schauen und fragen, wodurch sie ein solches Fehlverhalten ihres Kindes unterstützt oder sogar herausgefordert haben. Blumhardt gibt den Rat, das Schwert zuerst gegen uns selbst zu richten und die Sünde aus unserem eigenen Herzen herauszuschneiden – Sünde die sich nun in unseren Kindern wieder zeigt.

Kinder die neidisch, eifersüchtig und streitsüchtig sind brauchen Hilfe um ihre Streitigkeiten in angemessener Weise zu bewältigen. Jedes Kind trägt auch ein erstaunliches Mitgefühl in sich und wir sollten uns eher darauf konzentrieren, diese Kraft zu stärken als gegen die selbstsüchtigen Neigungen anzukämpfen. Auf diese Weise werden unsere Kinder beginnen die beiden größten göttlichen Gesetze zu befolgen: "Liebe Gott von deinem ganzen Herzen, Verstand und Seele!" und "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"(Matth. 22, 37-39).

Es ist außerdem wichtig für Kinder zu lernen, dass das Leben nicht fair ist und sie nicht immer den Wind im Rücken haben können. Wer das schon in jungen Jahren anzunehmen lernt, wird es leichter haben mit der Härte und den Ungerechtigkeiten in der Welt der Erwachsenen zurechtzukommen. In all dem dürfen wir nicht übersehen, dass auch die individuelle Wesensart und der Platz den ein Kind in Familie und Gesellschaft einnimmt, einen großen Einfluss auf sein Leben hat. Ist es das älteste Kind? Das Jüngste? Lasst uns keines bevorzugen und lasst uns daran denken, dass Kinder eine von Herzen kommende Großzügigkeit vor allem am vorgelebten Beispiel lernen und nicht durch langatmige Vorträge.

Kinder reden sich oft mit Halbwahrheiten aus der Affäre, weil es ihnen peinlich ist oder weil sie sich schämen. Wenn sie wirklich Angst haben vor den Konsequenzen ihres Verhaltens, dann greifen sie zu einer eindeutigen Lüge. Das sollte uns nicht überraschen. Es ist wichtig bei jeder Unwahrhaftigkeit, die Tatsachen festzustellen und dem Kind zu helfen, dafür Verantwortung zu übernehmen und was möglich ist, richtig zu stellen.

Wenn wir uns nicht ganz sicher sind, ob ein Kind gelogen hat, sollten wir es auf keinen Fall zu einem Geständnis zwingen. Der Versuch ein Kind bei frischer Tat zu ertappen oder wegen der Motive einer Tat nachzubohren, verursacht großen Schaden; ein solches Vorgehen schwächt das Selbstvertrauen des Kindes und zerstört das Vertrauen. Besser lassen wir das Kind ganz einfach wissen wie unglücklich wir über die ganze Situation sind und lassen ihm die Möglichkeit später alles klar-zu-stellen. Die meisten Kinder gehen darauf ein, und vielleicht wecken sie ihre Eltern sogar mitten in der Nacht, um eine Lüge zu bekennen, weil ihr Gewissen schlägt. Wenn die Wahrheit ans Licht kommt, dann beglückwünschen wir das Kind, dass es reinen Tisch gemacht hat. Und vergeben ihm, so wie Jesus uns aufruft: "Vergebt, damit euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen auch vergibt" (Markus 11,25).

Kindliche Fragen über die Unterschiedlichkeiten von Leuten sollten einfach und klar beantwortet werden, während Spott, Hohn und Respektlosigkeit konfrontiert werden müssen. Was als Respektlosigkeit anderen Menschen gegenüber beginnt kann sich schnell in Missachtung Gott gegenüber verwandeln. Aus dem Grund sollten wir es nicht einfach übersehen, wenn Kinder andere beschimpfen, hänseln oder nachäffen.

Sexuelle Sünde und Unanständigkeiten sollten zwar niemals ignoriert werden, dennoch kann Härte und Moralismus großen und manchmal sogar nicht wieder gutzumachenden Schaden anrichten. Kinder gehen durch Phasen sexueller Neugier und wir dürfen unsere erwachsenen, perversen Gedanken nicht auf die Kinder projizieren. Wenn sie uns über ihren Körper und über Sexualität fragen, sollten wir ihnen wahrhaftig und ohne Verlegenheit antworten, ohne ihnen mehr Informationen zu geben, als sie gefragt haben.

Wenn ein Kind sich im Sexualbereich vergeht, sollten die Eltern an sein Gewissen appellieren und dem Kind helfen, sich zwischen Richtig und Falsch für das Gute zu entscheiden. Weil ein Kind instinktiv spürt, wenn es etwas Falsches getan hat, kann es sein, dass es erst einmal diesbezüglich lügt. Dennoch sollten Eltern vorsichtig sein und kein großes Ding daraus machen. Sie sollten einfach feststellen, was passiert ist, das Kind bestrafen und dann die Sache auf sich beruhen lassen. Viel Befragen und Verhören zieht nur zusätzliche Aufmerksamkeit auf den sexuellen Bereich und belastet das Kind unnötig.

Meine Eltern, die beide als Erzieher arbeiteten, wurden nie müde auf die große Ungerechtigkeit hinzuweisen, wenn man ein Kind oder einen Jugendlichen für seine Vergehen abstempelt. Sie warnten davor Rückschlüsse auf den Charakter eines Kindes und seine weitere Entwicklung zu ziehen und haben immer wieder betont, wie wichtig es ist, dem Kind zu helfen, neue und ganz andere Interessen zu entwickeln.

Wenn ich an die verwirrende Anzahl von Erziehungsmethoden und Ratschlägen denke, die Eltern heutzutage angeboten werden, frage ich mich welchem guten Rat Eltern überhaupt noch vertrauen können? Benjamin Spock, ein amerikanischer Kinderarzt dessen Bücher eine ganze Generation beeinflusst haben, betonte immer wieder, dass Eltern eigentlich selbst mehr wissen als ihnen bewusst ist, und er rief die Eltern dazu auf, ihren von Gott gegebenen Instinkten und Fähigkeiten mehr zu vertrauen. Bis zu einem gewissen Grade hatte er recht: wir müssen unserem eigenen Urteilsvermögen trauen, wenn wir wahrhaftig Eltern sein wollen. Beim Elternsein geht es weit über Techniken und Methoden hinaus, und im Tiefsten können wir diese Verantwortung gar nicht allein tragen. Im Ringen um die besten Antworten und Hilfen für ihre Kinder, werden demütige Eltern sich deswegen immer zuerst im Gebet an Gott wenden.

Ein Kind als "hoffnungslosen Fall" aufzugeben, zeigt einen Mangel an Liebe und Glauben. Wenn wir unsere Kinder wirklich lieben, werden wir nie in Verzweiflung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Auch am Ende eines schweren Tages brauchen wir nicht die Freude an unserem Kind verlieren und sind herausgefordert zu glauben, dass Christus die Kraft hat zu erlösen und zu heilen – unser Kind genauso wie uns selbst.

child holding paper dolls of a family
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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