Child running toward her mother

Ein Zuhause schaffen

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Wer solch ein Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf. (Matthäus 18,5)

Es ist eine Sache Kinder zu haben. Ein wirkliches Zuhause zu schaffen ist noch einmal etwas ganz anderes. Einen Ort der Liebe und Geborgenheit für ihre Kinder zu gestalten, ist eine der wunderbarsten Aufgaben für Eltern. Ein solches Zuhause spiegelt unsere Liebe zu Gott und unsere Liebe zu unseren Kindern wider. Jesus sagt uns, dass wer immer ein Kind ihm zuliebe aufnimmt, nimmt ihn auf. (Matth. 18,5)

Leider fehlt vielen Eltern ein Gefühl dafür, was das eigentlich bedeutet. Manche haben ganz einfach keine Zeit für ihre Kinder, sie sind zu beschäftigt um sich um die Kinder kümmern zu können. Andere sind zwar körperlich anwesend und doch mit ihren Gedanken ganz wo anders. Man sieht diese Eltern überall in den Parks und auf den Spielplätzen telefonieren und texten, während die Kinder um sie herumrennen. Auch wenn sie als Person auf dem Spielplatz bei ihren Kindern stehen, so sind sie mit ihren Gedanken am Termine machen sei es für den nächsten Tag oder die nächste Stunde und wollen ständig informiert bleiben über Freunde, die Nachrichten und die Arbeit.

Ein wahres Zuhause kann nur da entstehen, wo Eltern bereit sind, mit Freude alles andere los zu lassen und mit Herz und Kopf ganz bei ihren Kindern zu sein. Alle, die das nur widerwillig tun, werden bittere Früchte ernten. Die Entwicklung eines Kindes hängt von der Liebe und Aufmerksamkeit ab, die es von beiden Eltern empfängt; alle die dies nicht zu Hause finden, werden es später schwer haben mit ihrer Umwelt zurechtzukommen. Was Kinder in Bezug auf Liebe, Sicherheit und innere Führung brauchen, muss ihnen heute gegeben werden. Morgen ist es zu spät.

Eltern, die ihre Kinder lieben, werden versuchen so regelmäßig wie möglich mit ihnen Zeit zu verbringen und dann ganz für sie da zu sein. Den Kindern laut vorlesen, gemeinsam ein Hobby pflegen und vor allem gemeinsame Mahlzeiten geben viele Gelegenheiten zum Miteinander und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Das gilt natürlich auch für alle Aktivitäten, die im Freien stattfinden wie Ballspiele, Wandern, Angeln und Zelten. Solche Erlebnisse vergessen die Kinder nicht, sie sind ein Schatz an Erinnerungen wenn sie selbst erwachsen werden, heiraten und eine eigene Familie gründen.

Für die Kinder da zu sein und mit ihnen Zeit zu verbringen, sollte nie damit verwechselt werden, ihnen materielle Dinge zu geben. Wie viele kommen von einer Geschäftsreise nach Hause und bringen Berge von Geschenken mit und haben dennoch keine Zeit sich einfach hinzusetzen, zuzuhören und aufzunehmen, was sich im Leben des Kindes abspielt. Wie viele Kinder legen diese Geschenke achtlos zur Seite, bleiben unruhig und verlangen immer noch nach echter Liebe. Sogar Kleinkinder können negativ beeinflusst werden, wenn sie zu viele Spielzeuge um sich herum haben. Wenn ihre Betten und Zimmer mit Stofftieren und Büchern überfüllt sind, behindern wir ihre Persönlichkeitsentwicklung – und wir verhindern, dass sie Dankbarkeit entwickeln können.

Geburtstage und jede andere Art von Gelegenheit gemeinsam zu feiern ist wichtig für ein Zuhause. Dies sind nicht nur einfach frohe gemeinsame Zeiten, sondern sie helfen auch dem Kind innerlich das zu geben, was es zum Aufwachsen braucht; dies sind Zeiten, wo wir das Kind erleben und spüren lassen können, wie dankbar wir Gott sind, dass er uns dieses Kind anvertraut hat und wir lassen sie spüren wie wir uns an ihnen freuen und sie lieben. Es sind und bleiben jedoch die Prioritäten, die wir in unserem Alltag setzen, die den größten Einfluss auf die Entwicklung unserer Kinder haben. Die großartigste Geburtstagsfeier kann niemals die innere Sicherheit ersetzen, die ein Kind erlebt, wenn es regelmäßig und täglich die notwendige Zuwendung und Aufmerksamkeit erlebt.

Äußere Sicherheit ist nicht weniger wichtig als innere Sicherheit. Eltern, die ihre Kinder lieben, sind wachsam im Umgang mit einem heißen Ofen oder offenem Wasser, hochgelegenen Fenstern, Fahrzeugen und giftigen Medikamenten. Wenn auch oft gesagt wird, dass Eltern heutzutage zu vorsichtig und überbehütend sind, kann dies doch nie eine Ausrede dafür sein, dass die Aufsichtspflicht für kleine Kinder verletzt wird.

Manchmal wird es eine besondere Entschlossenheit und Energie brauchen, um an einer solchen Zeit für die Familie festzuhalten, besonders wenn die Kinder mit ihren Freunden draußen spielen und man ruft sie zu einer gemeinsamen Mahlzeit ins Haus. Die meisten Kinder sind nicht begeistert über eine solche Unterbrechung, aber wenn einmal eine gewisse Routine eingeführt ist, werden sie sich sogar darauf freuen.

Eine meiner besten Kindheitserinnerungen, sind die Abende, wenn unsere Familie vor dem Haus saß und unser Vater uns Geschichten über Jesus, die ersten christlichen Märtyrer oder andere Männer und Frauen aus vielen Jahrhunderten erzählte, die ihren Glauben mutig auslebten. Wir lebten damals im paraguayischen Dschungel in Südamerika, wo es keine Elektrizität gab. Es wurde sehr plötzlich und früh dunkel, so wie es eben in subtropischen Gebieten ist. Wir haben dann Kerzen angemacht und beim flackernden Licht einfach weitergemacht. Unser Haus stand nicht weit weg vom Regenwald und wir konnten oft die wilden Tiere hören. Wenn wir Angst bekamen, dann haben wir miteinander gesungen und unsere Eltern haben uns erzählt, wie man mutig wird, wenn man eine persönliche Beziehung zu Gott hat. Das wurde für uns Realität.

Egal wie eine Familie ihre gemeinsame Zeit verbringt, wichtig sind immer ein paar Minuten am Bett jedes Kindes. Kleine Kinder brauchen die Sicherheit eines Gute-Nacht-Kusses, ein beruhigendes Wort und ein kurzes Gebet bevor sie einschlafen. Kinder, die vor der Dunkelheit oder dem Alleinsein Angst haben, ganz besonders wenn sie diese Ängste noch nicht formulieren können, sollte man immer wieder daran erinnern, dass sie einen Schutzengel haben, der auf sie aufpasst.

Wie dem auch sei, wahre Sicherheit hängt von mehr als ermutigenden Worten ab. Kinder finden ihre tiefste innere Sicherheit, wenn die Liebe der Eltern in Taten Ausdruck findet und das nicht nur wenn es Zeit ist schlafen zu gehen, sondern Tag für Tag neu. Mutter Teresa sagte über das Familienleben im Allgemeinen:

"Wir müssen nicht denken, dass unsere Liebe außergewöhnlich zu sein hat. Aber dennoch müssen wir lieben ohne müde zu werden. Wie brennt eine Öllampe? Durch einen ständigen Tropfen Öl, der nachfließt. Diese Tropfen sind wie die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens: Treue, kleine freundliche Worte, eine Kleinigkeit, die dem anderen zeigt, dass wir an ihn dachten, die Art und Weise wie wir miteinander still sein können, wie wir schauen, sprechen und uns verhalten. Dies sind die wahren Tropfen der Liebe, die unsere Leben und Beziehungen am Leuchten halten wie eine kleine lebendige Flamme."

child holding paper dolls of a family
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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