Child running toward her mother

Die ersten Jahre

von Johann Christoph Arnold

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Erziehe dein Kind schon in jungen Jahren - es wird die Erziehung nicht vergessen, auch wenn es älter wird. Sprüche 17, 6

Schon lange weisen Erzieher darauf hin, dass die ersten fünf Jahre die prägendsten im Leben eines Menschen sind. Was auch immer Kinder in dieser Zeit erleben beeinflusst sie für den Rest ihres Lebens. Der Reformpädagoge Friedrich Fröbel sagte schon im 19. Jahrhundert, dass das geistliche Leben eines Menschen größtenteils durch die frühkindlichen Erlebnisse geprägt wird. Die Beziehung, die ein Kind zu seinen Eltern, zu Gott, zur Gesellschaft und auch zur Natur entwickelt hängt hauptsächlich von der Entwicklung in dieser Lebensperiode ab.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben dies in den letzten Jahren erneut bestätigt. Im Licht dieser Tatsachen und der enormen Verantwortung, die dies für Eltern bedeutet, ist es grundlegend wichtig, dass die Beziehung zwischen Vater, Mutter und Kind direkt vom Moment der Geburt an gepflegt wird. Eltern müssen sich bewusst sein, dass Gott ihnen ein Kind anvertraut hat und sie nun die Verantwortung dafür tragen, dass Gottes Auftrag im Leben ihres Kindes zur Erfüllung kommt.

Die Wichtigkeit der frühen Interaktion mit dem Kind kann gar nicht genug betont werden. Meine Mutter hat uns immer wieder gesagt, dass die Erziehung in der Wiege anfängt. Babys sollen gehalten, gestreichelt und liebkost werden. Man soll sie anlächeln, singen und zu ihnen reden. Am wichtigsten ist, sie bedingungslos zu lieben.

Dennoch müssen sich Eltern dagegen wappnen, ihre Kinder durch eine rosa-rote Brille zu betrachten. Ich habe erlebt, wie das Leben junger Menschen zerstört wurde, weil ihre Eltern nicht Nein-Sagen konnten als die Kinder noch klein waren. Sie haben sie immer nur als "niedlich" erlebt und versäumt, sie zu erziehen. Diese Eltern haben sich von ihren eigenen Kindern gefangen nehmen lassen. Solche verwöhnten Kinder wuchsen auf und konnten weder mit Enttäuschung noch mit irgendwelcher Mühsal umgehen und weigerten sich, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen.

Wenn die Kinder ins Krabbelalter kommen freuen sie sich an einfachen Spielen, Reimen und Liedern und werden damit in ihrer Entwicklung angeregt. In diesem Alter haben Kinder eine unglaubliche Lernfähigkeit und was nun versäumt wird, kann später nur schwer aufgeholt werden.

Natürlich wird die Entwicklung eines Kindes nicht nur an Lernerfolgen gemessen. Die emotionale und innere Entwicklung ist genauso wichtig und wird in besonderer Weise unterstützt wenn die Kinder ungestört für sich alleine sein können. Solche ungestörten Zeiten sind entscheidend wichtig für die Entwicklung der kindlichen Phantasie. Ein Mangel an Phantasie führt dazu, dass Kinder sich nicht alleine beschäftigen können und ständig auf Erwachsene angewiesen bleiben.

Das stille ungestörte Spiel und Zeit zum Träumen geben dem Kind ein Gefühl der Geborgenheit und die nötigen Entspannungspausen im Tagesablauf. Viel zu oft stören Erwachsene die Kinder unnötigerweise und belästigen sie mit ihren Einmischungen. Sie können an keinem Baby vorbeigehen, ohne es auf den Arm zu nehmen, es zu halten, zu küssen oder sonst irgendetwas mit dem Kind zu tun. Wenn das Kind sich wehrt, fühlen sie sich verletzt und wo gerade noch Zufriedenheit und Ruhe herrschten ist nun Ärger und Frustration eingezogen. Fröbel geht noch einen Schritt weiter und sagt, dass die Möglichkeit zu ungestörtem Spiel eine Voraussetzung dafür ist, dass ein Mensch konzentriertes Arbeiten lernen kann. Ein Kind das intensiv spielt wird sich zu einem gründlichen, zielstrebigen Menschen entwickeln können.

In jedem Kontakt mit einem Kind sollten die inneren Charakteranlagen des Kindes, sein einfaches Wesen, seine Offenheit und Verletzbarkeit bedacht werden. Kinder groß zu ziehen heißt nicht, sie nach unseren Wünschen und Vorstellungen zu formen. Es heißt, ihnen zu helfen, ein Mensch nach Gottes Gedanken zu werden.

Umzudenken und unsere vorgeformten erwachsenen Ideen loszulassen war noch nie einfach. Selbst die Jünger empörten sich über die Kinder, die sich zu Jesus vordrängeln wollten. Wenn Kinder in der Nähe sind, geht nichts wie geplant. Möbel werden zerkratzt, Blumenbeete zertrampelt, neue Kleidung zerrissen und Spielzeug geht kaputt oder verloren. Kinder wollen Dinge in die Hand nehmen und damit spielen. Sie wollen Freude haben und brauchen Platz zum Toben und laut sein.

So können die ersten Jahre für Eltern von kleinen Kindern manchmal überwältigend und anstrengend sein und am Ende eines langen Tages erscheinen uns manche Kinder eher als eine Plage als ein Geschenk. Sie sind keine niedlichen Porzellanpuppen sondern kleine Schlingel mit klebrigen Fingern und laufenden Nasen. Sie schreien in der Nacht. Und doch gilt: wenn wir Kinder haben, müssen wir sie so nehmen wie sie sind.

child holding paper dolls of a family
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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