Nach und nach erschienen die CT-Bilder auf meinem Bildschirm. Der Kopf des Babys war fast leer. Es enthielt nur kleine Stücke eines Gehirns – ein wenig Hirngewebe an der Schädelbasis und ein dünner Kranz entlang der Ränder. Der Rest bestand aus Wasser.

Dies bestätigte die Befürchtungen der Eltern. Wir hatten es bereits vor der Geburt auf dem Ultraschall gesehen, doch die Bilder der Computertomografie wenige Stunden nach der Geburt waren viel genauer. Katie sah aus wie ein normales neugeborenes Mädchen, doch sie hatte wenig Chancen auf ein normales Leben. Im Brutkasten neben ihr lag ihre zweieiige Zwillingsschwester. Doch im Gegensatz zu ihr besaß Katie nur ein Drittel ihres Gehirns. All dies erklärte ich ihrer Familie, wobei ich versuchte, ihnen einen Funken Hoffnung für ihre Tochter am Leben zu erhalten.

Ich blieb Katies behandelnder Arzt, während sie heranwuchs. Jede Entwicklungsphase ihres bisherigen Lebens hat sie mit Bravour gemeistert. Sie saß und sprach und lernte früher laufen als ihre Schwester. Sie ist Jahrgangsbeste und wird bald die Highschool abschließen.

Ich hatte weitere Patienten, deren Gehirne ihrem Verstand nicht gerecht wurden. Maria besaß nur zwei Drittel eines Gehirns. Sie benötigte einige Operationen, um überschüssige Flüssigkeit abzulassen, aber sie entwickelt sich hervorragend. Erst kürzlich hat sie ihren Masterabschluss in Englischer Literatur gemacht und als Musikerin hat sie bereits ein Album veröffentlicht. Der Kopf von Jesse hatte bei seiner Geburt die Form eines Footballs und war zur Hälfte voll Wasser – die Ärzte empfahlen seiner Mutter, ihn bei der Geburt sterben zu lassen. Sie weigerte sich. Heute ist er ein normaler Junge in der Mittelschule. Er liebt jede Art von Sport und trägt sein Haar lang.

Manche Menschen mit lückenhaften Gehirnen sind hochgradig behindert. Doch das trifft nicht auf alle von ihnen zu. Als Arzt habe ich hunderte von Kindern behandelt und betreut, die mit einem Gehirn aufwuchsen, das Lücken aufwies, aber einen Verstand hatten, der sie beflügelte. Wie ist das möglich? Die Neurowissenschaft und Thomas von Aquin weisen auf die Antwort hin.