Child running toward her mother

Wenn Kinder verwöhnt werden

von Johann Christoph Arnold

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Stock und Tadel helfen, klug zu werden; aber ein sich selbst überlassenes Kind bereitet seiner Mutter Schande. Sprüche 29,15

Obwohl Millionen von Kindern auf der ganzen Erde in absoluter Armut aufwachsen, haben doch die meisten Kinder in unseren westlichen Ländern weit mehr als sie brauchen. Wir erziehen eine ganze Generation von Kindern, die man ganz einfach als verwöhnt bezeichnen muss. Wir Eltern sind zwar schnell bereit den Materialismus unserer Gesellschaft im Großen und Ganzen oder das ständige Bombardement durch die Werbung dafür verantwortlich zu machen und doch ist es eine Tatsache, dass dieses Problem seinen Anfang nimmt, lange bevor die Kinder diesen Einflüssen ausgesetzt sind. Meiner Erfahrung nach sind verwöhnte Kinder das Produkt von verwöhnten Eltern. Eltern die darauf bestehen, dass alles immer nach ihren Wünschen läuft und deren Leben auf die Illusion aufgebaut ist, dass sofortige Belohnung glücklich macht.

Kinder werden nicht nur durch ein Überangebot an Nahrung, Spielzeug und Kleidung verwöhnt, sondern indem ständig auf ihre Launen eingegangen wird. Wenn sie noch im Krabbelalter sind, ist das schon schlimm genug, es wird aber umso schlimmer je älter sie werden. Kinder, die sich ziemlich sicher sind, dass sie ihren Willen bekommen, werden bestimmt den Kampf ansagen, wenn etwas nicht nach Wunsch geht oder ihnen vorenthalten wird und ihre Forderungen können schnell die ganze Beziehung zu den Eltern bestimmen. Wie viele genervte Eltern verbrauchen ihre ganze Energie mit dem Versuch die Forderungen ihrer Kinder zu erfüllen? Und wie viel mehr Eltern geben sofort nach nur um ihre Kinder ruhig zu halten?

Man verwöhnt Kinder auch, wenn man ihnen zu viele Wahlmöglichkeiten anbietet. Natürlich müssen sie lernen, Entscheidungen zu treffen, wer ihnen aber ständig eine ganze Palette an Auswahl bietet, egal ob es sich um Lebensmittel, Getränke, Geschmacksrichtungen oder Aktivitäten handelt, tut den Kindern keinen guten Dienst. Kinder, die sich schon beim Frühstück zwischen drei verschiedenen Arten an Cerealien entscheiden müssen sind nicht glücklicher als solche Kinder die einfach essen, was ihnen angeboten wird. Zu viele Wahlmöglichkeiten führen zu Unentschlossenheit, pingeliges Essverhalten und Undankbarkeit. Es ist einfach eine Tatsache, dass Kinder sich nach Grenzen sehnen. Sie blühen auf, wenn sie in einem klar definierten Rahmen leben können.

Es ist auch möglich Kinder durch Überstimulierung zu verwöhnen. Obwohl Kinder natürlich an unterschiedliche Aktivitäten herangeführt werden sollten, um ihre Aufmerksamkeit zu fesseln und ihre Phantasie anzuregen, tun wir ihnen doch keinen guten Dienst, wenn wir uns verpflichtet fühlen ihnen ständig neue Erlebnisse und Nervenkitzel zu bieten. Sie müssen einfach lernen zu akzeptieren, dass es im realen Leben Dinge gibt, die man einfach nicht haben oder tun kann.

Zu viele Freiheiten lassen Kinder zu kleinen Tyrannen zu Hause und in der Schule werden und wenn sie älter werden, werden sie nichts unversucht lassen, zu bekommen was sie wollen. Recht bald werden sie dann zu impulsiven, fordernden Teenagern und was einmal einfache Unzufriedenheit war, wird nun zu unkontrollierbarer Rebellion.

Wie können wir nun unsere Kinder erziehen, ohne sie zu verwöhnen? Vom Buch der Sprüche bis hin zu den modernen medizinischen Veröffentlichungen, ist die Weisheit die gleiche geblieben: diszipliniere dein Kind! Setz Grenzen, sag mindestens so oft „Nein“ wie du „Ja“ sagst und wenn sie einen Trotzanfall haben, solltest du nicht Mitleid haben, auch nicht wenn sie sich mürrisch und enttäuscht abwenden. Selbst wenn das zu Anfang schwer ist, so werden gut disziplinierte Kinder später doch zu dankbaren, rücksichtsvollen und selbstsicheren Erwachsenen – während diejenigen, die immer ihren Willen bekamen, verunsichert, selbstsüchtig und unredlich werden.

Paulus vergleicht Gott mit einem Elternteil hier auf Erden und schreibt, dass Gott die, die er liebt auch diszipliniert und straft. (Heb. 12,6) Wenn wir unsere Kinder wirklich so lieben wollen, wie Gott uns liebt, dann werden wir das Gleiche tun. 

child holding paper dolls of a family
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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