Child running toward her mother

Wenn Kinder leiden

von Johann Christoph Arnold

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Das wäre mir ein Trost in aller Qual: Was er, der Heilige, befohlen hat, dagegen habe ich niemals rebelliert. Hiob 6,10

Wenn ein Kind leidet und stirbt, fühlt außer dem Kind die Mutter den Schmerz am tiefsten. So habe ich es jedenfalls in meinem eigenen Leben erlebt. Zwei meiner Schwestern starben im Säuglingsalter, und obwohl ich sie selbst nie erlebt habe, weiß ich doch wie viel innere Not ihre Krankheit und ihr Sterben meinen Eltern brachte, besonders meiner Mutter.

Meine Frau und ich haben eine Enkelin im Alter von einem Monat verloren. Sie litt an Trisomie 13, und obwohl sie nicht lange lebte, hat sie doch tausende von Menschen innerlich angerührt und bewegt auch heute noch Herzen. Die Worte, die eine andere Enkelin aufschrieb, drücken dies am besten aus:

Auch wenn ihr kleines Leben kurz war, ist ihr Licht nicht verlöscht –
Es hat unsere Herzen weicht gemacht und nun können wir laut rufen;
Unsere Herzen haben sich für die Botschaft dieses Kindes weit geöffnet:
Jesus kommt wieder, Amen.

Jeder, der am Bett eines sterbenden Kindes war, weiß, was ich meine, wenn ich von dem Kampf ums Leben rede, der in jeder Seele und jedem Körper vor sich geht. Dieser Kampf ist unabhängig von der Sehnsucht der Eltern, dass das Kind überlebt; dieser Kampf hat auch nicht einmal etwas damit zu tun, ob das Kind selbst auf den Tod wartet und sich danach sehnt, von den Schmerzen erlöst zu werden.

Dieser zähe Wille zu leben ist in jedem Menschen, nicht nur in Kindern. Er lebt auch in den älteren Menschen, selbst wenn sie an der Schwelle zur Ewigkeit stehen, ganz bereit sind zu sterben und Gott bitten, sie von ihrem Jammer zu erlösen. Dann wenn wirklich ihre Zeit kommt – und sogar der Körper nach und nach seinen Dienst aufgibt – ist es doch noch schwer, das eigene Leben loszulassen.

Gott ist mit jedem Kind, das leidet. Oft erscheint es zu schwierig, sogar unmöglich, das zu glauben. Warum sollte mein Kind, warum sollten wir, die Last dieser Schmerzen zu tragen haben? Warum gibt uns Gott ein Kind, um es zu lieben, und dann nimmt er es uns wieder? Wie kann unser Kummer einen Sinn haben?

Obwohl niemand solche tiefen Fragen befriedigend beantworten kann, wissen wir doch, dass niemand vom Leiden verschont wird. Wenn wir das annehmen können, selbst ohne es zu verstehen, werden wir darüber inneren Frieden finden und einen Sinn darin entdecken.. Wir können dann zumindest erkennen, dass uns das Leiden zu Gott führt und zur Barmherzigkeit anderen gegenüber.

Anders als Erwachsene haben Kinder einen einfachen Zugang zum Glauben, weil sie Gott noch ganz nahe sind. Wenn wir einem solchen Kinderglauben begegnen, müssen wir uns hüten ihm etwas in den Weg zu legen; im Gegenteil, wir müssen ihn stärken, dass er ein festes Fundament für die Stürme des Lebens ist, die in jedem Leben kommen werden. Mein Vater schrieb dazu:

Kinder sind dem Herzen Jesu näher als irgendjemand sonst. Und Jesus weist auf die Kinder hin, als ein Beispiel für uns. Das Leiden von Kindern ist befremdend. Es ist als ob sie irgendwie fremde Schuld ertragen und erleiden, so als ob sie den Fall der Schöpfung, den Sold der Sünde tragen müssten, obwohl Kinder noch gar keinen Anteil an der Sünde haben. Vielleicht steht das Leiden eines Kindes in engem Zusammenhang mit dem größten Leid, dem Leiden Gottes, dem Leiden Christi um diese verlorene Schöpfung. Deswegen ist das unschuldige Leiden eines Kindes immer von großer Bedeutung.

In einer leidensscheuen Welt dürfen wir nie vergessen, dass diese Welt durch das Leiden Jesu erlöst wurde. Wenn wir es so sehen, kann Leiden uns verändern und unseren Glauben vertiefen. Ohne Glauben können wir verbittern; wenn wir das Leiden – selbst wenn es schwer ist – im Glauben annehmen, kann es uns jedoch innerlich retten.

child holding paper dolls of a family
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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