Vaterschaft

von Johann Christoph Arnold

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Gott selbst ist das absolute Beispiel eines wirklichen Vaters. Er ist unser aller Vater, egal wie alt wir sind, wir sind seine Kinder. Und da gibt es keine Ausnahmen. Jesus sagt: "Ihr sollt auch nicht jemand auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist." (Matthäus 23,9) Auch wenn er unser aller Vater sein will, so wird er sich uns doch niemals aufzwingen. Im Gegenteil, er will einfach, dass wir uns nach seiner Hilfe sehnen und uns an ihn wenden. Deswegen beginnt das Vaterunser mit den Worten: "Unser Vater …"

Jesus will dass wir wissen, dass Gott auf uns wartet und uns jederzeit und in jeder Lage helfen will. Deswegen sagt er im Lukas-Evangelium, Kapitel 11, 11-13 "Wer aber ist ein Vater unter euch, den der Sohn um einen Fisch bitten wird - er wird ihm doch nicht einen Stein geben? Oder auch, wenn er um ein Ei bäte - er wird ihm doch nicht einen Skorpion geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisset, wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel ist, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!"

Das Bild Gottes als das liebevolle Vorbild kann gar nicht genug betont werden. Alle Kinder sehnen sich nach Sicherheit, innere und äußere Sicherheit. Jedoch ein Mann ohne moralisches Rückgrat oder der in sich selbst verunsichert ist, kann seinen Kindern keine wirkliche Sicherheit bieten. Und wenn Kinder verunsichert aufwachsen, so kann das tragische Folgen haben.

Wie können Männer ihren Kindern am besten diese Sicherheit vermitteln? Jeder der Vater werden möchte und Kinder in diese Welt setzen will sollte sich zuallererst bewusst sein, dass seine Kinder vor allem durch seine eigene Gottesbeziehung geprägt werden. Alle, die auf diese Beziehung ihre Familie aufbauen, werden reich gesegnet werden, ohne diese Beziehung verliert eine Familie leicht festen Boden unter den Füßen.

Deswegen wurden in früheren Jahrhunderten die Väter als unersetzbar angesehen. Selbst wenn sie nicht die wichtigste Beziehungsperson eines Kindes waren, so haben sie doch die Hauptverantwortung für das Wohl der Familie getragen.

Im vergangenen Jahrhundert hat sich das auf dramatische Weise verändert. In einem Jahrhundert, das wie keines zuvor von Krieg, Unruhen, Unsicherheiten und grenzenloser Mobilität gezeichnet war, sind mehr Kinder als je zuvor ohne Vater im Haus aufgewachsen. Und nun stellt man die Notwendigkeit des Vaters völlig in Frage. Wer braucht überhaupt noch einen Vater? Warum sollte nicht die alleinerziehende Mutter genügen? Oder vielleicht einfach zwei Mütter? Eine solche Missachtung der göttlichen Schöpfungsordnung muss unweigerlich verheerende Folgen haben, und das nicht nur für unsere Kinder, sondern für die ganze Welt.

Wahre Vaterschaft beinhaltet natürlich bedeutend mehr als nur die Anwesenheit im Leben eines Kindes. Es gibt viele Männer, die weil sie keine wirkliche Beziehung zu ihren Kindern haben, emotional abwesend sind während sie im gleichen Haus leben. Und wie viele Väter verwechseln den Hunger und das Verlangen ihrer Kinder nach Aufmerksamkeit mit dem Verlangen nach materiellen Dingen? Leider werden viel zu oft Geschenke gekauft um eine lange Abwesenheit wieder gut zu machen oder das schlechte Gewissen des Vaters zu beruhigen, während die Kinder doch ganz einfach ein wenig Aufmerksamkeit, eine Umarmung, ein Lächeln, eine Gute-Nachtgeschichte wollten.

In den ersten fünf Jahren meines Lebens war mein Vater insgesamt drei Jahre aus beruflichen Gründen nicht zu Hause. Obwohl mir gewisse negative Auswirkungen sehr wohl bewusst sind, habe ich doch nie an der Liebe meines Vaters gezweifelt. Wir waren zwar äußerlich getrennt, aber dennoch war er eine positive Präsenz in meinem Leben; meine Schwestern und ich haben nie an seiner Treue zu unserer Mutter und zu uns gezweifelt. Wir haben seine Abwesenheit auch nie als eine Ausrede für schlechtes Benehmen benutzt. Stattdessen spornte uns das, was er in unserer Erziehung in uns hineingelegt hatte, dazu an, unsere Mutter in jeder Weise zu unterstützen.

Dieses Beispiel sollte all jenen Männern Mut machen die für Tage oder Wochen von ihren Kindern getrennt sind. Die Qualität und nicht die Quantität des Zusammenseins zählt, und daran werden sich die Kinder später erinnern. Das gilt natürlich nicht, wenn man dies als eine egoistische Ausrede benutzt. Es ist entscheidend wichtig, dass Väter so viel Zeit wie nur möglich mit ihren Söhnen und Töchtern verbringen. Und es sind oft die anscheinend zwecklosen Momente, wie z.B. lange Stunden in einem Stau – wenn ein aufmerksamer Vater plötzlich davon überrascht wird wie sein Kind sich öffnet und ihm die erstaunlichsten Dinge anvertraut.

Natürlich beginnt die Vaterschaft lange vor der Geburt eines Kindes. Ein Ehemann sollte die Last und Beschwerden einer Schwangerschaft mit seiner Frau tragen, indem er besondere Liebe und Verständnis zeigt und nicht frustriert reagieren, wenn seine Frau sich unwohl, müde oder den Tränen nahe fühlt. Wenn sie Bettruhe braucht, sollte er bereit sein noch mehr der unerledigten Arbeit zu übernehmen, sei es im Haushalt oder eventuell in der Kinderbetreuung. Er muss eine Quelle der frohen Ermutigung und Zuversicht sein, und mit seiner Frau beten, wenn sie von Ängsten und Befürchtungen überwältigt wird.

Manchmal endet eine Schwangerschaft durch eine Fehlgeburt oder Totgeburt, dann braucht die Frau in besonderer Weise die Geduld und das Verständnis des Ehemannes. Während der Vater vielleicht in der Lage ist, schon bald über das Erlebnis hinwegzukommen, erlebt die Mutter diesen Verlust genauso wie den Verlust jedes anderen Kindes und selbst wenn ihr geholfen werden kann, dieses Erlebnis als Teil von Gottes Plan anzunehmen, muss doch ihrer Trauer Raum gegeben werden, ohne dies auch nur im geringsten zu bagatellisieren.

Und wenn ein gesundes Baby geboren wurde, sollte ein Vater nie vergessen, dass Jesus – der einzige wahre Mann – sich nicht gescheut hat das Beispiel einer Glucke, die ihre Küken unter ihren Flügeln sammelt, auch auf sich anzuwenden. Und jeder Mann sollte zu allen Zeiten sich daran ein Beispiel nehmen.

child holding paper dolls of a family
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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