Child running toward her mother

Rücksichtnahme

von Johann Christoph Arnold

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Handelt nicht aus Selbstsucht oder Eitelkeit! Keiner soll sich über den anderen erheben, sondern ihn mehr achten als sich selbst. Verfolgt nicht eure eigenen Interessen, sondern sehr auch auf das, was den anderen nützt. Philipper 2,3-4

Beschimpft und verspottet werden hat so lange zum Alltag der Kinder gehört, wie es Schulen gibt.

Mit dem Internet, seinen sozialen Netzwerken und vor allem mit Instant Messaging hat dieses Problem eine neue, gemeine Gestalt angenommen.

Cyber- oder auch Internet-Mobbing ist zu einer der schädlichsten Waffen in der Hand junger Teenager geworden; viele Vertrauenslehrer an Schulen bestätigen, dass es sich dabei um die schlimmste Art von Mobbing handelt, die sie bisher erlebt haben. Vielleicht ist es deswegen so tödlich weil es alleine und in aller Stille geschieht und die Psyche der Schüler so tief verletzt.

Mobbing ist nicht nur ein soziales Problem, es hat vielmehr tatsächlich auch medizinische Folgen. Mobbing-Opfer leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen, Albträumen, Essstörungen - und besonders Mädchen im Teenage-Alter sind auffallend oft suizidgefährdet. Die Auswirkungen von Mobbing in diesem sensiblen Alter können ein ganzes Leben lang zu spüren sein; es handelt sich hier absolut nicht um einen harmlosen Übergangsritus oder einen unvermeidbaren Teil des Erwachsenwerdens.

Mobbing von Teenagern, die schwul oder lesbisch sind, oder von denen andere annehmen, dass sie es sind, ist auch ein Problem. Egal was man selbst von dem Lebensstil eines anderen Menschen hält ist es doch niemals richtig jemanden auszugrenzen und zu verletzen, nur weil er anders ist. Mein Vater warnte immer wieder, dass "Seelenmord" genauso kriminell ist wie der eigentliche Mord. Es sind gerade jene Teenager, die herausstechen weil sie anders sind oder auch weil sie sich absondern, die unsere Liebe und Ermutigung brauchen. Wenn wir uns Zeit nehmen und Mühe geben, werden wir immer wieder etwas finden, das wir mit ihnen gemeinsam haben und wir werden Wege entdecken Beziehung mit ihnen aufzubauen.

Rassen- und Fremdenhass ist da nicht anders. Auch diese Haltungen werden erlernt; wenn man Kinder unbehelligt lässt, spielen sie fröhlich zusammen und vergessen völlig, dass jemand eine andere Hautfarbe hat. Wenn sie älter werden, nehmen sie ganz natürlich die äußerlichen Unterschiede wahr, und doch wird diese Wahrnehmung niemals zu einem Vorurteil oder Hass führen. Rassismus herrscht nur unter Kindern deren Selbstbewusstsein und die Wahrnehmung anderer durch den Einfluss von Erwachsenen um sie herum verzerrt und entstellt wurde.

Wann immer sich eine Form von Rassismus einschleicht, müssen wir unseren Kindern (und auch uns gegenseitig) helfen, sich von den verrückten menschlichen Ideen über Hautfarbe, Kultur und soziale Klasse abzuwenden. Das Wichtigste ist dann, dass wir uns der Liebe Gottes zuwenden, der uns in aller unserer Unterschiedlichkeit erschaffen hat. Dann müssen wir unseren Kindern in Wort und Tat zeigen, dass wir uns verpflichtet haben, für Gerechtigkeit und Bruderschaft zwischen allen Menschen auf dieser Erde einzutreten.

Es ist relativ einfach Kinder großzuziehen, die höflich sind und gute Manieren haben, dagegen ist es viel schwerer ihnen eine natürliche Sensibilität für die Ansichten und Nöte anderer beizubringen. Echte Rücksichtnahme und Achtsamkeit anderen gegenüber ist weit mehr als eine Frage des Benehmens. Es heißt seinen Nächsten zu lieben, wie sich selbst. Es bedeutet im anderen das zu sehen, was von Gott in ihn hineingelegt ist.

Es gibt viele Möglichkeiten Kinder auf diesem Weg zu unterstützen und anzuregen. Ein Blumenstrauß für die Großeltern, etwas backen zum Geburtstag eines Freundes oder einen einsamen, alten Nachbarn besuchen. Wenn sie Schritt um Schritt lernen über ihren eigenen, kleinen Horizont zu schauen, werden sie auch die Erfüllung erleben, die es mit sich bringt wenn man anderen eine Freude bereitet.

In dem Klassiker "Die Brüder Karamasow" erinnert uns Dostojewski daran, dass Kinder so sensibel sind, dass sie unsere Haltungen und Werte übernehmen; wir prägen sie durch unser eigenes Verhalten, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. So werden unsere wichtigsten Lektionen fürs Leben immer durch das Vorbild vermittelt.

"Achte jeden Tag, jede Stunde und jede Minute auf dich, gehst du böse, mit einem schlechten Wort und hasserfüllter Seele an einem Kind vorbei, das du vielleicht nicht einmal beachtet hast, und es sieht dein hässliches und verzerrtes Antlitz, siehe, es prägt sich in sein schutzloses Herzchen ein. Du weißt es nicht einmal und hast doch Schlechtes in sein Herz gesät, und der schlechte Same wird aufgehen, nur, weil du in seiner Gegenwart nicht auf dich achtetest und keine Liebe in deinem Herzen war." 

child holding paper dolls of a family
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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