Morning over the bay

Euthanasie und die Seligpreisungen

von Rebekah Domer

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In diesen Wochen haben in Belgien zwei Parlamentsausschüsse nach monatelanger Debatte den Weg zur Euthanasie nun auch für Kinder geebnet. Danach können Minderjährige mit der Zustimmung der Eltern, wenn sie sich in der Endphase der Erkrankung befinden, einen „Ausweg aus einer unerträglichen Situation“ beantragen. Der selbe Gesetzentwurf sieht vor, dass auch Erwachsene bei schweren, aber nicht-tödlichen Leiden Sterbehilfe erhalten, dazu gehören auch Erwachsene im frühen Stadium einer Demenz. Verschiedene Pressemitteilungen im In- und Ausland, haben dazu gemeldet,  dass diese Tötung von Kindern bereits stattfindet und mit diesem Gesetz lediglich legalisiert würde. Die gleiche Pressemitteilung berichtet über verschiedene Belgier, die im vergangenen Jahr durch sogenannte „aktive Sterbehilfe“ getötet wurden, darunter auch zwei 43-jährige, taube Zwillinge, die am Erblinden waren.

Wenn ich auf mein Leben zurückschaue so stechen jene Erlebnisse heraus, in denen ich Jesus als eine Realität erlebte. Jedes dieser Erlebnisse beinhaltete Leiden und sie waren „zum Verzweifeln schmerzhaft“. Und, was noch bedeutungsvoller ist, es waren Situationen, die nach der belgischen Gesetzesvorlage ein Grund zur Euthanasie darstellten: unheilbar, erkrankte Kinder und demente Erwachsene.

Mein Vater starb vor einigen Monaten im Alter von 86 Jahren, nachdem er viele Jahre an Alzheimer erkrankt war. Als ich beobachten konnte, wie dieser einst brillante, gebildete Mann sich in einen von Demenz zerstörten Menschen veränderte, habe ich mich selbst gefragt: Warum sollte Gott es erlauben, dass jemand eine solche Demütigung erlebt? Wie kann es ein Segen für ein solch reiches Leben sein in einem zusammengeschrumpften Körper und einem zerstörten Gehirn zu enden?

Ich fand meine Antwort in den Seligpreisungen der Bergpredigt im 5. Kapitel des Matthäusevangeliums. Bevor Jesus diese Worte sprach, kündigte er das Reich Gottes an und rief zur Buße und Umkehr auf. In den Seligpreisungen zeigt uns Jesus den Charakter dieses Reiches:

Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren.
Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.

Mein Vater zeigte mir was es heißt arm im Geist zu sein, sanft und im Herzen rein zu sein. Die Krankheit raubte ihm seine intellektuellen Fähigkeiten, aber sein Geist, sein Tiefstes und Innerstes, war nicht zu unterdrücken.

Weihnachten letztes Jahr ist unvergesslich. Papa hatte aufgehört zu essen und war bereit „zu gehen“. Er lag in seinem Sessel und schaute aus dem Fenster, seine Augen leuchteten und die Hände zeigten aufwärts, so als könnte er Dinge sehen, die uns verborgen waren. Schon im Oktober hatten wir einen Weihnachtsbaum aufgestellt, weil wir nicht wussten, ob er Weihnachten noch mit uns erleben würde. Er schaute gern den leuchtenden Baum an. Sein Zimmer war wie ein Magnet der Besucher in diese Atmosphäre des Friedens, der Liebe und Freude hineinzog, die er ausstrahlte.

Wann sonst konnte ich in meinem Leben je Zeuge dieser Merkmale des Reiches Gottes sein? Ich denke dabei an die Jahre zurück als ich für meine Schwester Louisa sorgen durfte, die mit Down-Syndrom und einem nicht operierbaren Herzfehler zur Welt kam. Louisas führte ein Leben intensiven Leidens, das sich bis zu ihrem Tod im Alter von 28 Jahren immer noch steigerte. Aber Louisas Leben war auch von großer Freude erfüllt. Sie liebte das Leben und strahlte Fröhlichkeit aus. Sie lebte ein erfülltes Leben und berührte mit ihrer kindlichen Unschuld mehr Menschen als wir, deren Leben als „wert zu leben“ bezeichnet werden.

Alzheimer, genetisch bedingte Missbildungen und Krankheiten (sowohl chronisch als auch unheilbar) bringen Leiden mit sich – nicht nur für die betroffenen Menschen, sondern auch für alle, die ihnen nahe stehen. Sie bringen Schmerz und Herzeleid. Daran gibt es keinen Zweifel. Aber sind uns diese Situationen nicht von Gott anvertraut, um uns den Weg zu seinem Reich zu zeigen?

Sick child with IV
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