Child running toward her mother

Adoption

von Johann Christoph Arnold

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Man ehrt Gott, den Vater, auf die rechte Weise, wenn man den Waisen und Witwen in ihrer Not beisteht.

Neben den vielen Millionen Leben, die jedes Jahr durch Abtreibung ausgelöscht werden, sind es noch Tausende mehr, die unerwünscht geboren werden. Manche werden von Eltern abgelehnt, die es sich nicht vorstellen können, noch ein weiteres Kind zu ernähren; andere werden abgeschoben, weil sie missgebildet oder verkrüppelt sind. Und diese Kinder werden nicht nur in Krankenhäuser und Kliniken abgeschoben. Immer mehr Säuglinge werden einfach zum Abfall oder in Mülltonnen geworfen, von Teenagern, die mit ihrer Situation nicht fertig werden, oder alkohol – oder drogenabhängige Erwachsene misshandeln ihre Neugeborenen und andere Eltern tun dies, weil sie ganz einfach nicht im Leben zurechtkommen.

Es ist klar, dass an erster Stelle die leiblichen Eltern für ihr Kind verantwortlich sind. Aber wir sind alle mitbeteiligt daran, dass so viele Kinder von ihren Eltern abgelehnt werden; denn so lange es auf dieser Welt Elendsviertel, Ausbeutung und Arbeitslosigkeit gibt, tragen wir alle, die wir in wirtschaftlicher Sicherheit leben, eine Mitschuld an den Nöten, die daraus erwachsen.

Wie können wir Frauen helfen, die sich so überfordert fühlen, dass sie das Kind ablehnen, welches sie doch selbst getragen haben? Mein Großvater – der selbst Abtreibung ablehnte – war fest davon überzeugt, dass es falsch sei gegen Abtreibung zu protestieren ohne Frauen und Familien eine praktische Alternative anzubieten. Wir können auch nicht Eltern verurteilen, die ihre Kinder verlassen oder abgeben, wenn wir uns nicht mit ihren Nöten auseinandergesetzt haben. Das ist keine einfache Aufgabe, aber es ist klar, dass weder die Kirchen noch die sozialen Hilfsdienste bisher genügend Hilfen angeboten haben.

Es dauert oft viele Jahre und kann viel Geld kosten ein Kind zu adoptieren, und der Vorgang für ein Kind die passenden Adoptiveltern zu finden ist sehr schwierig. Manchmal entsprechen die zur Adoption angebotenen Kinder nicht den Erwartungen oder Wünschen der zukünftigen Eltern; in anderen Fällen legen staatliche Stellen unerwartete Hindernisse in den Weg, oder die Adoption verzögert sich aus unerklärlichen Gründen. Es ist ganz klar, dass sich etwas radikal ändern muss, um Adoptionen zu erleichtern und gleichzeitig die nötige Sicherheit für die Kinder zu garantieren.

Selbst wenn es ohne Schwierigkeiten zu einer Adoption kommt, ist es dennoch nicht einfach, ein adoptiertes Kind großzuziehen. Viele Kinder sind missbraucht und vernachlässigt worden, oder die Verhältnisse während ihrer Geburt haben Spuren in Seele und Geist der Kinder hinterlassen. Manchmal liegen auch medizinische oder psychiatrische Probleme vor.

Trotz aller Schwierigkeiten müssen Adoptivkinder mit bedingungsloser Liebe aufgenommen werden. Schon vor mehr als hundert Jahren gab der Baden-Württembergische Pfarrer Blumhardt einen zeitlosen Rat:

Wer Kinder adoptiert, muss sie mit all ihrer Undankbarkeit annehmen oder es wird nicht gut gehen. Ein Kind aufzunehmen und dafür Dank zu erwarten, ist unnatürlich. Kinder zeigen denen, die ihnen Nahrung und Kleidung geben nie eine besondere Liebe, sie zeigen einfach Liebe in einer Weise wie alle Kinder es tun. Für Kinder ist es irgendwie selbstverständlich, dass wir sie weder hungrig noch nackt durchs Leben gehen lassen und dass wir nicht nur das mindeste tun, sondern auch noch ein wenig mehr, wenn wir können. Und sie fühlen auch, dass sie ein Recht darauf haben, egal wer für sie sorgt.

Viele, die Kinder adoptieren, erwarten jedoch irgendwie von den Kindern eine besondere Anerkennung – als müssten die Kinder davon überwältigt sein, dass jemand, der ihnen gegenüber keine Verpflichtungen hat, sie einfach aus Barmherzigkeit aufnimmt. Aber genau das empfinden Kinder nicht, und warum sollten wir das eigentlich von ihnen erwarten?

Liebt sie einfach ohne Dank zu erwarten, selbst wenn sie euch nur Mühe machen; ihr müsst sie mit all ihren Unarten annehmen. Das werden sie spüren und dafür werden sie euch lieben, aber ganz ohne Worte.

Oft bekommen Pflegekinder alles was sie äußerlich brauchen, aber ohne Liebe. Und das spüren sie; und sie bekommen es sogar manchmal mit Worten zu hören. Das verletzt und kann sogar Hass in ihrem Herzen aufkommen lassen...

Pflegekinder wollen nicht weniger Privilegien haben als die anderen Kinder, mit denen sie zusammen leben; sie bemerken jeden Unterschied, der gemacht wird, und es verletzt sie furchtbar. Warum ist das so? Ganz einfach, weil sie Kinder sind, und sie verstehen nicht, warum das eine Kind mehr haben sollte als das andere.

Wenn ihr ein Kind adoptiert, dann nehmt es völlig an, so dass es einfach Kind sein kann und von euch alles erwarten kann, was ihr einem Kind geben könnt.

Wir tun gut daran uns zu erinnern, dass Jesus gesagt hat: "Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf" (Matth.18,5). Diese wunderbare Verheißung gilt ganz bestimmt allen Adoptiveltern – jedem der ein Kind in sein Zuhause aufnimmt.

child holding paper dolls of a family
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Von Johann Christoph Arnold Johann Christoph Arnold

ist als Redner und Schriftsteller international bekannt. Seinen reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in Ehe- und Erziehungsfragen sowie im Umgang mit Leiden und Sterben hat er in Büchern zugänglich gemacht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er trägt Verantwortung in der Leitung des Bruderhofs, einer internationalen, christlichen Gemeinschaftsbewegung.

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