Morning over the bay

Warten auf den Richtigen

Einer, der’s überlebt hat, spricht über Boyfriend-Girlfriend-Beziehungen

von Charles Moore

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    Ich finde nicht, dass Eltern oder Freunde bei der Beziehungssuche mithelfen sollten oder dürfen. Die partnersuche ist ausschliesslich eine Sache zwischen 2 Menschen, da sollte keiner reinreden! Allerdings glaube ich dass viel Gebet und Gespräch in der Partnerschaft notwendig ist...Damit vor der Ehe geklärt wird, welchen Glauben die Partner haben, welche Einstellung zu wichtigen Themen: Rollenverteilung, Kinder, Mögliche Scheidungsgründe u.s.w.... Ich habe selbst negatives erlebt ehe ich meinen Mann kennenlernte. Meinem Mann war das ganz wichtig, dass unsere Beziehung erstmal rein platonisch war... Wir haben viel Geredet, zusammen in der Bibel gelesen und gebetet... Ich glaube wenn das alle Paare so tun würden, gäbe es weniger Scheidungen. Obwohl ich gestehe eine Ehe ist nicht leicht, und wenn meine Ehe bestand hat, dann NUR durch GOTTES Hilfe und Führung.

Pam war meine erste Freundin. Sie war blond, hatte langes, blondes, welliges Haar und eine Stupsnase. Sie war lebhaft und schien immer von einem Haufen Freunde umgeben zu sein. Mein Vater und meine Brüder waren hingerissen, als ich ihr Foto in der Familie herumzeigte! Ich war sieben Jahre alt.

So sehr ich mich auch bemühte – es dauerte volle sechs Jahre bis ich wieder ein Mädchen mein eigen nennen konnte. Mittlerweile hatte ich schwere Selbstzweifel. Ohne Freundin fühlte ich mich irgendwie nicht cool genug. Aber gegen Ende der sechsten Klasse wurde ich schließlich von meiner Angst erlöst. Eines Tages nahm ich in der Pause all meinen Mut zusammen und gab mein St.Christophers-Halskettchen einem Mädchen, von dem ich den Eindruck hatte, dass es mich wirklich mochte. Ich erinnere mich bis heute daran, wie Laura es sich umhängte, als wollte sie sagen: „Ja, ich gehöre jetzt zu dir.“ Weniger als eine Woche später bekam ich das Kettchen mit der Post zurück. Keine Erklärung, aber die Botschaft kam an. Ich war am Boden zerstört.

Schon als Siebenjähriger hatte ich das Boyfriend-Girlfriend-Schema in meinem Kopf, und das andere Geschlecht war für mich etwas, das es zu erobern galt. Ich hatte keine Ahnung, wie sehr mich das daran hindern würde, in einer Begegnung zunächst den Mitmenschen und nicht das Geschlecht zu sehen.

Die Geschichte verlorener Lieben zog sich durch meine gesamte Schulzeit bis zum College. Es war immer wieder dieselbe Geschichte: Schauen, ausprobieren, sich hineinstürzen und dann schließlich weiterziehen. So haben viele wie ich eine Menge Liebesbeziehungen angefangen und wieder aufgelöst. Wir jagten einer romantischen Illusion hinterher und hielten es für einen ganz normalen Teil des Erwachsenwerdens, sich so seiner Rolle als Mann oder Frau bewußt zu werden

„Mit jemand gehen“ ist kein harmloser sozialer Brauch. Es liegt in der Natur des „miteinander Gehens”, dass man Intimität ohne Verantwortung, ohne Verpflichtung haben will. Es erniedrigt den Zauber und die Disziplin des einander Kennenlernens und des sich umeinander Kümmerns zu einem oberflächlichen Schauspiel des miteinander Gehens und wieder Schlussmachens.

Wenn eine Zweierbeziehung ohne eine dauerhafte Verantwortung füreinander besteht, dann trennt sie uns durch ihre Ausschließlichkeit von Freunden und Familie. Sie führt zu egozentrischen Beziehungen, weil sie das Körperliche und das Emotionale überbetont, während das Seelische vernachlässigt wird. Wenn Geschlechtsverkehr Teil einer solchen Beziehung ist, kann es das Gewissen so belasten, dass es Jahre dauert, bis die inneren Wunden verheilt sind. Die Folgen sind oft Unfähigkeit zu echten Beziehungen, zu einem natürlichen, freien und gesunden Miteinander. Das Schlimmste ist aber, dass es uns beibringt zu schauspielern, einen „guten Eindruck“ zu machen und unsere Versprechen zu brechen. Auf diese Weise werden die Fundamente zerstört, auf denen eine glückliche, lebenslange Beziehung mit einem anderen Menschen wachsen könnte.

Es ist entwürdigend, wie flüchtig und unverbindlich diese Boy-Girl-Beziehungen in unserer Gesellschaft sind. Die Bemühungen, einander kennen zu lernen, zu respektieren und füreinander zu sorgen, werden reduziert auf die zwei Kategorien des entweder Zur-Wahl-stehens oder Nicht-zur-Wahl-stehens: Top oder Flop. Die Folge ist, dass immer weniger von uns dem anderen Geschlecht gegenüber wirklich wir selbst sein können. Stattdessen benutzen wir einander oder wir idealisieren einander – so dass wir entweder ständig enttäuscht sind oder voller Angst, uns als der zu zeigen, der wir wirklich sind. Während der Suche nach dem/der „Richtigen“ oder während des Versuchs, als die/der „Richtige“ zu erscheinen, ist der Druck so gross, ein gutes Image aufzubauen und zu bewahren, dass wir kaum wagen, wirklich wir selbst zu sein.

Warum ist dieses unverbindliche „Miteinander-gehen“ so häufig in unserer Gesellschaft? Teilweise sicherlich, weil wir uns Illusionen über die romantische Liebe machen. Wir glauben, dass unser Glück. wesentlich davon abhängt, ob wir in einer gefühlsbetonten und sexuell aktiven Beziehung stehen. Wir glauben, dass unser Wohlbefinden und sogar unser Wert als Person davon abhängt, ob wir jemanden haben, der zu uns gehört oder zu dem wir gehören. Wenn wir nur einen solchen Menschen in unserem Leben hätten, dann wäre es erfüllt.

Dieser besondere Mensch ist dann aber kaum mehr als ein Ersatz für ein bestimmtes Gefühl – eine oberflächliche Verliebtheit, die wenig mit unseren tiefsten Bedürfnissen zu tun hat. Ob dieses Gefühl dauerhaft ist oder nicht, ist uns dann weniger wichtig als die Tatsache, dass es existiert. Das Gefühl steht im Mittelpunkt, nicht die andere Person. In diesem Sinne ist Liebe wirklich blind. Wie gut sich zwei Menschen kennen ist dann nicht so wichtig wie das gute Gefühl des Zusammenseins.

Ob es sich um eine echte Liebe handelt, entzieht sich nach dem heutigen Verständnis von Liebe größtenteils unserer Kontrolle. Diese Form der Liebe ist wie Magie: sie kommt wie aus heiterem Himmel, man wird wie von einer riesigen Welle mitgerissen. Sie ist nicht an ein Pflichtgefühl gebunden und nicht vom Willen zu beherrschen. Diese Art der Liebe soll es leicht machen (oder zumindest leichter), mit einer anderen Person zusammen zu sein.

Aber all das hat wenig mit wirklicher Liebe zu tun. Gottes Liebe, von der zwischenmenschliche Liebe lediglich ein Abbild ist, ist unbedingt – sie ist dauerhaft, treu, geduldig und verlässlich. Es geht hier nicht um eine Erfahrung oder ein Gefühl, auch nicht um die Stärke einer Beziehung, sondern um eine innere Haltung, um eine Kultur des Gebens. Ehe und Familie müssen auf einer Liebe gegründet sein, die nicht auf dem Augenblicklichen und Vergänglichen fußt, sondern auf dem Dauerhaften und Unveränderlichen.

Es ist harte Arbeit, jemanden zu lieben; nicht weil es eine lästige Pflicht ist, sondern weil es uns in den Kampf ruft, der in jedem von uns zwischen dem Guten und dem Bösen stattfindet. Es ruft uns auf, das Böse durch das Gute zu überwinden. Echte Liebe fordert von uns, zuerst an die Bedürfnisse des anderen zu denken.

Wie also sollten gesunde Beziehungen zwischen jungen Menschen aussehen? Nach meiner Erfahrung müssen Eltern und Freunde dabei mithelfen. In der Gemeinschaft, in der ich lebe, sollen sich junge Leute nicht zu privaten Rendezvous verabreden oder „miteinander gehen“. Ihnen wird vielmehr Gelegenheit zu positivem und natürlichem Umgang miteinander gegeben, sei es bei der Arbeit, beim Spiel, in der Freizeit, beim Singen, Feiern oder in der Familie.

Was aber noch wichtiger ist, sie sollen lernen, dass nicht Romantik oder Ehe, sondern Christus im Mittelpunkt jeder Beziehung stehen muss. Auf dieses Ziel hin erhalten sie innere Führung durch Eltern und Seelsorger. Ohne das ist es außerordentlich schwierig für zwei junge Menschen, nicht ins rein Gefühlsmäßige abzugleiten während sie sich kennenlernen. Nur wenn sich beide – und die, denen sie sich anvertraut haben – sicher sind, dass Gott sie zusammengeführt hat, können sie anfangen, über Heirat und Ehe nachzudenken.

Wenn die heute so übliche Praxis des Miteinander – gehens ersetzt wird durch eine Gemeinschaft, in der jeder sich um jeden kümmert, wird das Verlangen nach Freundschaft befriedigt und dem sinnlichen Verlangen Einhalt geboten – dann wird der Kampf gegen die Einsamkeit für alle gewonnen. Jungen und Mädchen, junge Männer und Frauen, alle können ungezwungen miteinander umgehen, ohne in eine Karikatur des Erwachsenseins hineingedrängt zu werden und ohne zwanghaft aufeinander schauen zu müssen. Dort haben sie Zeit, zu reifen und eine gesunde sexuelle Identität zu entwickeln ohne unter Erfolgsdruck zu stehen oder das, was der Ehe vorbehalten sein sollte, vorwegzunehmen. Und obwohl der Kampf gegen Oberflächlichkeit und sexuelle Versuchungen immer bleibt, so muss er nicht unüberwindlich sein und das Leben muss sich nicht in einem verrückt machenden Teufelskreis verlorener Lieben verlieren. Wenn die Zeit kommt, werden sie für den einen besonderen Menschen bereit sein. Sie werden bereit sein, eins zu werden – nicht als Pärchen, sondern als Einheit fürs ganze Leben.

two hands holding a red rose
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