Morning over the bay

Offen sein für die Wiederkunft

von Johann Christoph Blumhardt

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Es fällt uns Menschen so schwer, das Freundliche, was Gott  in seiner großen Barmherzigkeit verheißen hat, vertrauensvoll in unser Herz zu lassen, so dass wir die Wärme seiner Liebe spüren und Mut bekommen. Deswegen schieben wir alle wirklichen Verheißungen Gottes so weit wie möglich von uns weg: Alles, was er in der Welt noch an Freundlichem tun will, alles worin er sich als der Lebendige, der allmächtige Herrscher und doch zugleich als der Barmherzige offenbaren will.

Wir sehen nur, wie die Dinge heute gewöhnlich geschehen, und wir können so oft kein Wirken Gottes und kein Anzeichen auf das Himmelreich erkennen. Aber unsere Sichtweise ist sehr begrenzt, denn zwischen der Welt, die wir wahrnehmen können und dem Reich Gottes steht eine gewaltige Kluft: Die Wiederkunft Christi. Wenn wir auf Gottes Eingreifen und seine Barmherzigkeit hoffen, dann siedeln wir all das gerne in dem Land jenseits dieser Kluft an, etwa in einem Tausendjährigen Reich, das wir dann freigiebig mit allem Herrlichen ausstatten. Und nachdem die Verheißung ganz ins Jenseits verschoben wurde, bleibt im Diesseits nur der traurige Überrest der Weissagung, das Bedrohliche, was eigentlich  die Voraussagung von allerlei Schlimmem ist, das durch die Menschen noch verübt werden wird. Da ist uns dann das schöne Ziel unseres Hoffens, die Wiederkunft unseres Herrn Jesu Christi versperrt von allerlei furchtbar schweren, noch bevorstehenden Entfaltungen des Bösen: Abfall vom Glauben, Antichrist, letzte Leiden. Da schaudert natürlich jeder, und ohne es zu wollen denken wir im Stillen: „Wenn ich’s nur nicht erleben muss!“ Aber davor sollten wir uns hüten! Man ist schon auf dem Holzweg, wenn man alles so genau wissen will; da redet dann nur unser natürlicher Verstand, der den Geist Gottes nicht hören kann, und nicht unser Geist. So hatten’s die Pharisäer: Sie waren gewiefte Eschatologen, sie wussten’s bis auf’s Pünktchen wie’s kommen muss. Nur kam das alles nicht oder eben ganz anders, so anders, dass sie vor lauter genauem Wissen ganz blind mitten im schönsten Geschehen göttlicher Dinge standen, ohne es zu merken. Und sie waren so damit beschäftigt, die Feinde des Reichs Gottes heranmarschieren zu sehen, dass sie gar nicht merkten, dass sie selbst nahezu die einzigen waren, die tatsächlich gekommen waren. Simeon, ihr Zeitgenosse, hatte die Verheißungen mit dem Herzen, im Geiste gelesen. Er wusste lange nicht so viel, er wusste nur eines: Das Heil und Licht der Völker, aber deswegen schlug sein Herz. Der Herr kam so völlig anders als die Pharisäer, vermeintlich getreu nach dem Wortlaut der Weissagung, dachten! Wie viel einfacher und doch viel größer! Wie viel menschlicher und viel göttlicher: Wie viel weniger Richter und viel mehr Heiland!

Quelle: Friedrich Zündel „Johann Christoph Blumhardt“ Brunnen-Verlag, Gießen, 1962, sprachlich überarbeitet 2012 von Daniel Hug.

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Aus den Schriften des protestantischen Pfarrers Johann Christoph Blumhardt sprechen seine persönlichen Erfahrungen mit der Kraft Gottes in Gebet, Erweckung und Heilung.

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