Morning over the bay

Aus der Dunkelheit zum Licht berufen

Eine Pfingstmeditation

von Eberhard Arnold

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In Metallkisten verpackt und bei Nacht vergraben, wurde das Lebenswerk Eberhard Arnolds: Innenland während einer SS-Razzia vor der Konfiszierung bewahrt und später im Ausland veröffentlicht. Damals, wie auch heute noch, ist dieses Buch  eine Herausforderung für den Zeitgeist, wie er sich in Nationalismus, Rassismus und Materialismus zeigt. Aus der Einführung zur ersten Ausgabe 1936:

Das hier vorliegende Buch will in der heutigen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Erregung zur religiösen Entscheidung aufrufen. Es sucht die Herzen aller derer, die Gott und sein letztes Reich nicht vergessen und verlieren wollen. Es will im Einklang mit den Ereignissen der Zeitgeschichte darauf hinweisen, dass das Heranrücken des Gerichtes Gottes unser Herz treffen will, dass der lebendig machende Geist unser Innerstes bewegen will.

Seit den Anfängen der Menschheit war es allen bewusst: Was gut und edel, was schöpferisch und Leben wirkend ist, ist auch leuchtende Wärme und glühende Helligkeit. Lichte Wärme und Leben der Liebe gehören im Menschenbewusstsein aller Zeiten zusammen. Licht und Schönheit sind eines. Aber nicht überall erstrahlt das Licht. Die Sonne geht unter. Dem Tag folgt die Nacht. Der strahlend glühenden Helle, dem guten Kraftgeist des Lichtes steht im Bewusstsein aller Jahrtausende der böse und unheimliche Geist des Dunkels und der Kälte gegenüber. Was das erwachende Leben des Frühlings aufhält, ist Wintertod. Was gegen die Wärme ist, ist ertötende Kälte. Was gegen die einigende Liebe ist, bewirkt den zersetzenden Tod. Der Tod bedroht das Leben. Zwischen dem Licht und der Finsternis ist Feindschaft und Kampf bis aufs Letzte gesetzt.

Der strahlend glühenden Helle, dem guten Kraftgeist des Lichtes steht im Bewusstsein aller Jahrtausende der böse und unheimliche Geist des Dunkels und der Kälte gegenüber.

Der Mensch ist in eine unerhörte Spannung zwischen Tod und Leben hineingestellt. Er ist für das glühend belebende Licht berufen. Kann er die kalte ertötende Dunkelheit überwinden? Vermag er jene in Kälte erstarrende Finsternis zu besiegen? Besteht er den Kampf gegen diese gefährliche Macht, die ihn beständig von innen und außen umgibt? Der gute Geist des Lichtes war vom Uranfang her als der göttliche, als der führende Held des Lebens offenbar.

Der böse Geist der Finsternis war von Urbeginn an der Feind. Er war der nächtlich düstere Dämon des Todes. Zwischen beiden steht der kämpfende Mensch wie zwischen Himmel und Hölle. Dieser Kampf erfüllte sein Leben. Das Herabsinken der Nacht fürchtete er bangend als die kalte Gefahr des Todes und der Hölle. Das Heraufsteigen des leuchtenden Tages begrüßte er jubelnd als die nahende Glut des Lebens und des Himmels.

Das Licht war ihm Leben und Kraft. Der Morgen der Sonne stieg ihm strahlend zu heldenhaftem Siegeslauf am Himmel empor. Nichts Weiches und Weichliches, nichts Schwaches und Unterliegendes sah er in Sonne, Licht und Feuer. Die siegende Kraft des Lichtes war ihm mit strahlenden Sonnenpfeilen und mit leuchtender Blitzwehr gewaffnet. Der starke Sonnenheld des strahlenden Morgens und des leuchtenden Frühlings verschmolz ihm mit der Donnergottheit des alles bedrohenden Blitzes zu feuriger Einheit. Die Lichtgottheit der Sonnenkraft galt ihm wie der Donnergott des blitzenden Gewitters als männlich und mannhaft. Der Frühling der steigenden Sonne war ihm der jugendliche, der tapfere Kriegsheld, der als triumphierender Sieger den alternden Riesen des mächtigen Winters überwand. Er allein könnte es sein, der über die Erde und alle ihre Bewohner eine neue, die sonnige Zeit heraufführen sollte, die ersehnte, die erwartete Zeit!

… die ersehnte, die erwartete Zeit!

Diese Zeit allein kann Leben, das starke, das sprossende und bleibende Leben erwecken. Am Ende der Tage sollte das Licht über die Finsternis triumphieren. Der Endfrühling aller Welten und aller Zeiten sollte einst die gesamte jetzige Zeit als die kalte, tote und dunkle Winterszeit für immer abtun und hinwegschmelzen. In der urchristlichen Zeit schrieb Hermas, ein Prophet der damaligen römischen Gemeinde, sein Buch vom Hirten, (siehe: „Am Anfang war die Liebe – Dokumente, Briefe & Texte der Urchristen"), in dem er diese uralte Einsicht im urchristlichen Sinne erneuert hat. In seinem dritten Gleichnis sprach er:

„Die jetzige Weltzeit ist die Zeit des Winters ... Die kommende Weltzeit ist die Zeit des Sommers.“

In dem Geisteslicht der glaubenden Gemeinde sondert die Feuerscheidung stets aufs neue alles Verderbliche und Eigene aus. Alles, was vor der Reinheit der heiligen Flamme nicht zu bestehen vermag, wird ausgeschieden und hinweggeräumt. Das Geheimnis der Gemeinde ist der in ihr leuchtende Christus. In dem reinen Feuer des Heiligen Geistes offenbart er sich als gegenwärtig. Die Klarheit seines Lichtes duldet keine Befleckung. Die Lichtwelt des kommenden Reiches duldet keine Verdunkelung der sie erwartenden Gemeinde. Das reine Licht Gottes lässt keine Verdüsterung an seinen Leuchter herankommen.

Schon der Gläubige in Israel bekannte: „Der Herr ist mein Licht“ (Ps. 27:1). Er rief zu Gott: “Lasse dein Angesicht über mir aufleuchten!“ (Ps. 31:17). Er wusste von einem Leben vor den leuchtenden Augen Gottes. Er ließ sich von seinem Licht und seiner Wahrheit leiten und weiterführen. Er gelangte bis zu dem Zeugnis: „In deinem Licht sehen wir das Licht“ (Ps. 36:1). Dem Apostel Paulus wurde das Geheimnis anvertraut, das den Gläubigen des Alten Bundes fehlte. Ihnen fehlte das Geheimnis des in der Gemeinde lebendigen Glanzes zukünftiger Herrlichkeit, dessen innerliche Seite nichts anderes sein kann als das Licht des „Christus in euch"!

Jesus Christus, der Abglanz der strahlenden Majestät, gibt Licht für das Reich Gottes.

Jesus Christus, der Abglanz der strahlenden Majestät, gibt Licht für das Reich Gottes. Er ist das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet. Sein Licht strahlt in die Finsternis aller Menschen hinein. Es bringt einen jeden zu der großen Entscheidung, die zeigen soll, ob er die Finsternis mehr liebt als das Licht oder ob er von der Finsternis zum Licht umkehren will. Wo diese Umkehr geschieht, wird der Gegensatz in den Menschen schroff herausgestellt. Vorher waren sie Finsternis in sich selbst. Nun aber werden sie Licht in Christus (Eph. 5:8).

Sie kommen an das Licht der Welt. Sie erblicken es. Sie werden gerettet vor der Obrigkeit der Finsternis, damit nun das Feuer der Vereinigung, das Licht des Friedens in ihnen regiere. Von der Herrschaft inneren Lichtes aus wird ein alles umfassendes Licht-Leben gestaltet, das alle bisherige Verworrenheit in Klarheit verwandelt. Es schließt die Werke der Finsternis aus. Es führt zu dem hingebenden Wirken, wie es dem verbrennenden Licht eigen ist. Es sendet seine Strahlen in weite Umkreise durch die sich selbst verzehrenden Taten der Liebe.

daisies against a blue sky
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Von Eberhard Arnold Eberhard Arnold

Eberhard Arnold war ein Theologe, Erzieher, Verleger und Leiter der Bruderhofgemeinschaft.

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