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Passionszeit – Zeit der Umkehr

von J. Heinrich Arnold

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Im Folgenden Auszüge aus dem e-Buch Leben in der Nachfolge:

Das Evangelium beginnt mit dem Aufruf zur Buße. Buße bedeutet, dass alles verändert werden muss. Was oben ist, muss erniedrigt werden; was unten ist, muss erhöht werden. Alles muss mit den Augen Gottes gesehen werden. Unser ganzes Wesen muss erneuert werden, all unser menschliches Denken muss aufhören. Gott muss der Mittelpunkt unseres Denkens und Fühlens werden.

Jesus Christus kam, um die Menschen zu erlösen, aber zuerst rief er sie auf, Buße zu tun und ihm nachzufolgen. Viele Christen zieht die Tatsache an, dass er Erlösung verspricht, aber zu völliger Buße sind sie nicht bereit. Es ist tragisch, dass die ärgsten Feinde Jesu oft nicht etwa Ungläubige, sondern religiöse Menschen sind. Sogar zu seinen Lebzeiten wurde Jesus nicht von den Soldaten, die ihn kreuzigten, am meisten gehasst, sondern von den sehr religiösen Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie hassten seine Botschaft der Umkehr.

Der Ruf Johannes des Täufers: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Mt 3,2) wird nicht gerne gehört, denn die meisten Menschen verstehen nicht, was Buße bedeutet. Buße tun bedeutet nicht, dass man sich selbst quält, auch nicht, dass man sich von anderen Menschen gerichtet weiß. Buße tun heißt, dass wir uns von der Verdorbenheit und der Geldgier der gefallenen Menschheit abkehren. Buße tun heißt, dass wir unsere Herzen von der Atmosphäre des Reiches Gottes bewegen lassen. Wer je durch wahre Buße hindurchgegangen ist, weiß, dass sie das Herz wie Wachs schmelzen lässt, dass sie uns erschüttert, indem sie uns unsere Sündhaftigkeit bewusst macht. Aber das sollte nicht im Mittelpunkt des Erlebnisses stehen: Gott muss das Zentrum des bußfertigen Herzens sein – Gott, der sich am Kreuz als Liebe offenbarte, der allein Versöhnung bringt.

Im Leben jedes Menschen gibt es Zeiten, in denen Gott ihm nahe kommt. Solche Zeiten oder Stunden Gottes erlebt auch jede Gemeinde. In der Offenbarung lesen wir, wie Jesus vom Himmel herab durch Johannes zu den sieben Gemeinden sprach (Offb 2 3). Jeder Gemeinde machte er klar, was sie einzusehen hatte und wofür sie Buße tun musste, aber gleichzeitig ermutigte er sie auch. Das war dann zweifellos eine entscheidende Gottesstunde für diese Gemeinden. Gottes Güte ist unendlich. Hat er einmal einen Menschen besucht, so kommt er vielleicht noch ein zweites, drittes oder viertes Mal, vielleicht auch ein fünftes Mal, aber vielleicht kommt er auch nicht mehr. Es liegt an uns, ob wir auf seine Stimme hören.

Unser Wille zur Selbstbeherrschung mag noch so stark sein, wir mögen noch so sehr versuchen, Gott etwas vorzutäuschen - er blickt durch alles hindurch in die Tiefe unseres Herzens. Nur wenn wir uns unter sein Licht stellen, haben wir die Möglichkeit einer Erneuerung. Alles ist möglich, wenn wir uns freiwillig unter Gottes Licht stellen. Sind wir jedoch nicht dazu bereit, dann gerät unser ganzes Leben auf die schiefe Bahn.

Ein neues Leben muss uns geschenkt werden; wir müssen verändert werden. Doch es muss Gott sein, der uns verwandelt. Er tut es vielleicht ganz anders, als wir es wollten oder uns vorstellten. Wir müssen Schluss machen mit unseren eigenen Idealen – mit unseren Vorstellungen von innerem Wachstum oder persönlicher Umgestaltung. Jegliche hohe Stellung muss niedergelegt, alles menschliche Streben aufgegeben werden. Wenn wir für Gottes neue Zukunft brauchbar sein wollen, muss Gott uns verändern.

Aus einem Brief: Ich hoffe, dass du wahre Buße findest, denn das ist die einzige Hoffnung für dich im Kampf gegen alle Bitterkeit. Kein Herz ist so hart, als dass Gott es nicht berühren und schmelzen könnte. Das weiß ich, denn es gibt keinen unter uns, der nicht irgendwann einmal sein Herz gegen Gott verhärtet hätte. Wenn du doch nur sein großes Verlangen und seine brennende Liebe zu dir und jedem Menschen erleben könntest! Dann würdest du alles loslassen, was dich von dieser großen Liebe trennt, und möge es noch so schmerzhaft sein. Wie das Wasser abwärts fließt, so sucht die Liebe Gottes das, was unten ist.

Erkennen wir, wie dunkel die Sünde ist und wie schrecklich es ist, von Gott getrennt zu sein, dann bekommen wir eine Ahnung davon, was Jesus mit Reue meint. Aber Reue bedeutet noch mehr als die Erkenntnis unserer Sünde: Reue bedeutet Zuwendung zum Reich Gottes. Reue bedeutet auch die Bereitschaft, bis ans Ende der Welt zu gehen, um all das Böse, das wir getan haben, ungeschehen zu machen, obwohl wir wissen, dass wir nichts ungeschehen machen können. Letztlich bedeutet Reue, sich ihm hinzugeben, der Vergebung und Freiheit von Sünden schenkt.

Aus einem Brief: Ich bin dankbar, dass du deine Sünde einsiehst, aber ich bitte dich inständig, nicht weiter über dich selbst nachzudenken, über deine Vergangenheit und deine Depression. Davon wirst du nur noch niedergeschlagener. Das ist keine Buße. Stell dir dein Inneres vor wie einen klaren See, in dem sich die Sonne, die Sterne und der Mond spiegeln. Wenn du den Schlamm auf dem Grund aufrührst, wird alles unklar und trübe; je mehr du rührst, um so trüber wird es. Werde still und sei standhaft gegen den Teufel. Dann wird das Wasser wieder klar, und in seinem Spiegel wird dir die Liebe Christi zu dir und zur ganzen Welt aufleuchten.

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Von J. Heinrich Arnold J. Heinrich Arnold

Johann Heinrich Arnold ist als Autor von Büchern bekannt, die tausenden von Menschen geholfen haben, Christus im Alltag nachzufolgen. Die ihn persönlich gut kannten erinnern sich an ihn als einen bodenständigen Mann, der jeden hilfesuchenden Menschen zu einer Tasse Kaffee und einem Gespräch einzuladen bereit war.

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