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Muss ich meine Sünden bekennen?

von Johnny Fransham

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Kürzlich kam ein Ehepaar unserer Gemeinschaft von einer Missionsreise wieder nach Hause zurück. Sie hatten viele suchende Herzen getroffen – Menschen, die fühlten, dass sich etwas ändern muss und die nach etwas Neuem suchten. Aber wenn sie über die Sündenvergebung sprachen, die Jesus anbietet, kamen unterschiedliche Reaktionen: „Gott hat mir schon vergeben.“ „Muss ich meine Sünden wirklich bekennen, damit mir vergeben wird?“ „Ist Gottes Gnade nicht genügend?“

Gottes Gnade ist in der Tat unübertrefflich, aber das ist sie besonders dann, wenn wir unsere Sünden vor jemand anderem bekennen. Sünde und Schuld wirken immer im Verborgenen. Deshalb schreibt Dietrich Bonhoeffer:

„Im Bekenntnis konkreter Sünden stirbt der alte Mensch unter Schmerzen einen schmachvollen Tod vor den Augen des Bruders. Weil diese Demütigung so schwer ist, meinen wir immer wieder, der Beichte vor dem Bruder ausweichen zu können… In dem tiefen geistlich-leiblichen Schmerz der Demütigung vor dem Bruder, erfahren wir das Kreuz Jesu als unsere Rettung und Seligkeit.“ (Dietrich Bonhoeffer, Gemeinsames Leben, München 1979).

Meine Sünden einem anderen Menschen zu bekennen – selbst jemandem, dem ich vertraue – ist nie leicht, denn ich mache mich damit verletzlich; ich bekenne damit, dass ich Hilfe brauche. In einer Gesellschaft, welche die persönliche Leistung idealisiert und Schwächlichkeit verachtet, ist es nicht populär, Sünden zuzugeben und „es tut mir leid“ zu sagen. Denn es könnte ja auch darüber geklatscht werden und seine Runde machen, besonders in kleineren christlichen Gruppen, in denen man sich gegenseitig kennt.

Das kann aber auch eine faule Ausrede sein, weil ich mich nicht wirklich von der Sünde abwenden will. Wir verstecken uns hinter unserem Christentum und halten unsere Sünde geheim; nicht weil wir glauben, sie sei schon vergeben, sondern aus Angst vor verletztem Stolz. Selbstgerechtigkeit, alles unter Kontrolle zu haben, gut auszusehen sind in uns so tief verwurzelt, selbst unter hingegebenen Christen, dass wir uns, anstatt uns als Sünder erkennen zu geben, hinter die Gitter eines Gefängnisses einsperren, das wir uns selbst allein aus geistlichem Stolz errichtet haben – ein Gefängnis, das uns voneinander und von Gott trennt.

Meine Frau und ich haben unsere Ehe auf dem Verlangen gegründet, vor allem anderen Christus nachzufolgen. Oft und oft sind wir dahinter zurückgeblieben, aber ebenso oft haben wir es erfahren, dass ein gegenseitiges offenes Bekenntnis uns zu tieferer Einheit und Liebe führt und wir einander helfen können. Es ist ganz offensichtlich, dass ein Verschweigen meiner Fehler gegenüber meiner Frau – besonders wenn es um meine Versuchungen und Sünden geht – unsere Ehe zerstören kann.

Gilt das nicht auch für alle unsere anderen Beziehungen? Wenn wir uns nach Frieden und Einheit untereinander sehnen, dann müssen wir uns verletzlich machen und ins Licht bringen, was wir im Dunkeln zu verstecken suchen. Wenn der Apostel Paulus uns ans Herz legt, unsere Lasten miteinander zu tragen, dann sagt er damit, dass uns das näher führt zu Jesus und schließlich zueinander. Es ist ein Geschenk, nicht eine unangenehme Pflicht.

Der Erste Johannesbrief ist zugleich scharf und voller Hoffnung: „Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander.“

Wie können wir heute zu Jesus kommen und unsere Herzen für sein Gericht und seine Gnade öffnen? Wie es uns die Geschichte von dem Gelähmten in Matthäus 9 beschreibt, sind wir alle auf die eine oder andere Weise von Leiden, Krankheit oder anderen Gebrechen befallen. Leiden wir nicht alle unter unseren Sünden und Verfehlungen? Deshalb mahnt uns Jakobus in seinem Brief, wenn wir krank sind die Ältesten der Gemeinde zu rufen, damit sie über uns beten, und einander die Sünden zu bekennen (Jakobus 5,13-17). Durch das Bekenntnis können wir die Bande lösen, die uns innerlich gebunden haben. Dann werden wir echte und dauerhafte Heilung finden.

Aber damit das geschehen kann, müssen wir bereit sein dazu, dass Christus uns verändert. Vielleicht fällt es uns deshalb so schwer, uns einem anderen gegenüber zu öffnen. Denn wenn wir unsere Fehler offen zugeben, dann zeigt das, dass wir unser ganzes Leben verändern lassen wollen. Jesus verspricht alles neu zu machen, aber er sagt auch: „Geh und sündige nicht mehr“.

Ja, Gott weiß alles, und wir können immer direkt zu ihm kommen. Seine Vergebung ist ein wundervolles Geschenk. Aber seine Macht, uns zu befreien und zu heilen, kostet auch etwas: Wir müssen bereit sein, klein zu werden, damit Christus uns zu einem neuen Leben aufrichten kann.

Wenn wir unsere Sünden einander bekennen, dann gehen wir den niedrigen Weg Jesu, der in einem Stall geboren ist und am Kreuz starb. Diesem Jesus begegnen wir in unserem Bruder und in unserer Schwester. Es ist ein Geheimnis, aber der Weg der Demut ist der einzige Weg, der zu Licht und Hoffnung, Freiheit und Freude führt. So sagt Jesus: „Das Reich Gottes ist in eurer Mitte“ (Luk. 17,21).

two people standing on a rocky beach looking at a city
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