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Die Wurzel der Gnade

Über die Machtlosigkeit des Menschen und die Allmacht Gottes

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Seinen 50. Geburtstag am 26. Juli 1933 nahm Eberhard Arnold zum Anlass, um vor der versammelten Gemeinschaft ein Bekenntnis abzulegen. Dabei ging es ihm nicht um das was erreicht und aufgebaut worden war, sondern um das was Gott wirken kann, obwohl wir ihm so oft im Weg stehen.

Am heutigen Tag ist mir natürlich besonders die persönliche Unfähigkeit und das ungeeignete eigene Wesen zum Bewusstsein gekommen, wenn ich daran denke, wie Gott mich schon mit meinem sechzehnten Lebensjahre gerufen hatte, und wie ich Ihm sehr im Wege gestanden habe, dass so vieles von dem, was Gott (zweifellos durch Seine Werkzeuge) hat bewirken wollen, nicht hat bewirkt werden können. Trotzdem ist es ja richtig, dass es ein Wunder Gottes bleibt, dass Er an uns wenigen schwachen Menschen, die wir versammelt sind, Sein Werk der Gemeinde des Heiligen Geistes aufs kräftigste von neuem bezeugt hat, - nicht durch unser Verdienst,- dass Er uns nicht verworfen hat, sondern immer wieder angenommen hat durch die Gnade Jesu Christi in der Vergebung der Sünde.

Ich musste immer wieder denken an den Hirten des Hermas, wie er den Aufbau auf dem großen gewaltigen Marmorwürfel schildert, und wie er, dieser alte Prophet, immer wieder darauf hinweist, dass viele Steine wieder weggeworfen werden müssen. Es wird der Versuch gemacht, sie in den Bau einzufügen. Wenn sie auch durch strenges und scharfes Behauen ihrer Ecken nicht hineingefügt werden können, müssen sie weggeworfen werden, möglichst weit weg vom Turm. Aber auch die Steine, die hineingefügt werden in die Gemeinschaft des Aufbaus, müssen sehr scharf beschlagen und behauen werden, ehe sie hineinpassen und hineingefügt werden können…

Noch ein weiterer Punkt bewegt mich sehr: Die Machtlosigkeit des Menschen, auch dessen, dem irgend ein Auftrag anvertraut ist, Gott allein ist mächtig, wir sind durchaus unmächtig. Auch zu dem Werk, das uns aufgetragen ist, sind wir ohne alle Macht in uns selbst. Wir können auch nicht einen einzigen Stein der Gemeinde einfügen, wir können auch nicht einen einzigen Schutz für die aufgebaute Gemeinde herstellen, nicht einen einzigen. Wir können auch nicht eine einzige Wirkung der großen Sache in die so riesengroße Welt der heutigen Menschen hineingeben aus eigener Macht. Wir sind durchaus machtlos. Aber ich glaube, gerade das ist die eigentliche und tiefste Ursache, dass Gott uns berufen und erwählt hat zu diesem Dienst, dass wir uns machtlos wissen.

Und das ist etwas, was sehr schwer zu erzählen und zu berichten ist, wie es dahin gekommen ist, dass wir alle, besonders die älteren Bruderschafter, uns so vollkommen machtlos wissen. Es ist sehr schwer darzustellen, wie wir aller eigenen Macht entkleidet worden sind, wie die eigene Geltung niedergelegt worden ist, wie das alles abgebaut, abgerissen und weggetan worden ist. Und ich wünschte auch den jüngsten Bruderschaftern und Novizen, dass dieser Abbau der eigenen Macht bis aufs letzte gehen möchte. Das ist nicht so leicht erreicht, durchaus nicht, und wird nicht etwa durch einen einzelnen heroischen Entschluss geschaffen, durchaus nicht.

Darin liegt die Wurzel der Gnade verborgen: in dem Abbau der eigenen Macht. Nur in dem Grade, in dem alle eigene Macht unter uns wirklich abgebaut ist, wird Gott die Anrichtung Seines Geistes, den Aufbau Seiner Sache unter uns, durch uns, an uns und mit uns auch weiterhin tätigen, sonst auch wiederum keinesfalls. Wenn sich unter uns irgendwie eine kleine eigene Macht erheben würde, so würde sich Gottes Geist, Macht und Vollmacht in demselben Augenblick und in demselben Grade zurückziehen, in dem diese eigene Macht von Menschen Raum gewänne. Das ist meines Erachtens die wichtigste Erkenntnis für das Geheimnis der Gemeinde und des Reiches Gottes…

Das sind überaus verborgene Vorgänge, die aber wirklich ganz tödlich sind für das alte Leben, und die zugleich eine auferweckende Kraft haben für das neue Leben, das allein von Christus kommt durch den Heiligen Geist. …

Damit bekennen wir uns zur Gnade. Und das Bekenntnis zur Gnade ist das uns aufgetragene Bekenntnis. Alles, was wir haben wirken dürfen, was Bestand haben soll, ist unverdientes Geschenk von Gott. Gott kann also nur überall dorthin dieses unverdiente Geschenk geben, wo der eigene Anspruch und das eigene Vorrecht abgebaut sind. Deshalb bekennen wir uns zur Gnade und erbitten die Gnade, wie sie in Jesus Christus erschienen ist und im Heiligen Geist der Gemeinde anvertraut ist.

Eberhard Arnold
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Von Eberhard Arnold Eberhard Arnold

Eberhard Arnold war ein Theologe, Erzieher, Verleger und Leiter der Bruderhofgemeinschaft.

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