Fall leaves

Ein normaler Montag

von Ralph Wiser (16 Jahre)

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7. November 2011. Ein normaler Montag. Ein Schultag wie schon viele andere. Aber im Lauf des Vormittags wurde mein Hals immer enger. Zunehmend fühlte ich einen dumpfen, klopfenden Schmerz in der Brust. Beim Mittagessen konnte ich kaum mehr schlucken, und gegen eins fühlte ich Luftblasen im Nacken. Was war los?

Der Schmerz wurde immer schlimmer. Ich stolperte die Treppe rauf  zum Zimmer der Krankenschwester, kämpfte gegen aufkommende Panik und konzentrierte mich aufs Atmen. Eine Stunde später war ich in der örtlichen Notaufnahme und am Abend brachte mich ein Krankenwagen in das eine Stunde entfernte Keiskrankenhaus.

Die Ärzte sagten, ich hätte einen außerordentlich seltenen Anfall von spontanem Pneumomediastinum. Großes Wort! Große Angst! – das jedenfalls war mein erster Gedanke. Meine rechte Lunge hatte einen Riss bekommen  und dadurch kam Luft in den Raum um mein Herz herum bis hinauf in den Nacken. Der Druck verursachte Schmerzen und das Atmen fiel mir schwer; Schlucken war fast unmöglich. Die Ärzte sagten, ich solle mir keine Sorgen machen – es würde wieder heilen.

In meinem Krankenzimmer versammelten sich Medizinstudenten, um das seltene Geräusch zu hören, wie bei jedem Herzschlag Luft um mein Herz blubbert. Ich machte mir einen Spaß daraus, von jedem, der zuhören wollte, 25 Cent zu verlangen. Aber das Lachen machte mir Schmerzen.

Für die Mediziner war ich ein seltener Fall – etwas, das man studieren wollte. Jedoch für mich hatte dieser Vorfall eine tiefere Bedeutung. Was ich erlebte war mehr als das, was man mit den Ohren hören konnte. Es war eine Lektion für mein ganzes Leben.

Als ich schließlich im Bett lag, versammelten sich zuhause Freunde und Familienangehörige, und in der Schule kamen meine Schulkameraden zusammen, um für mich zu beten. Mein Bruder, der als Medizinstudent in diesem Krankenhaus arbeitete, saß stundenlang an meinem Bett, einfach um bei mir zu sein. Am nächsten Tag bekam ich einen Riesenpacken persönliche Grüße von meinen Mitschülern, die mir Mut zusprachen. Familie und Freunde kamen mich besuchen.

Diese Erfahrung lehrte mich etwas, das ich vorher niemals richtig wahrgenommen hatte: Ich wurde geliebt. Als ich so hilflos in meinem Krankenhausbett steckte, bewegte es mich, wie viele Menschen sich um mich sorgten. Ich wurde echt vermisst! Auch begriff ich, dass es vielleicht gar kein „nächstes Mal“ geben könnte und dass ich meine Zeit viel besser nutzen müsste. Um das alles zurückzugeben, müsste ich mich in Zukunft viel mehr um meine Kameraden und alle um mich herum kümmern.

So danke ich euch allen, die ihr für mich gebetet habt. Danke euch allen, die ihr mir Liebe gezeigt habt. Es geht mir jetzt wieder besser. Aber am allermeisten wünsche ich, dass dies alles mich verändert. Ich möchte viel länger leben, als nur einen weiteren normalen Montag.

Ralph
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