Keine neues Gesetz

Die Bergpredigt

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Wie stehen wir zur Bergpredigt? Ist das wirklich der Weg, zu dem wir berufen sind? Es war mir so entscheidend, dass die Gemeinde sich auf diesen ersten Schritt des Weges besinnt; denn die Bergpredigt ist der erste Schritt des Weges. Dann können wir durch nichts erschreckt werden, weder durch eigene Selbsterkenntnis noch durch finanzielle Bedrohungen, noch durch die Schwäche der Gemeinschaft oder durch die Schwäche ihrer Zusammensetzung, wenn wir die Bergpredigt wirklich ganz erfassen und wirklich glauben. Dann sind wir der Situation gewachsen, ganz wie wir sind, mitten in unserer Schwäche.

Die Bergpredigt ist kein neues Gesetz, das die Hingabe in Form einer neuen moralischen Aufgabe fordert. Hier ist Christus, die Essenz der Salzkraft, das Licht und die Wärme des Heiligen Geistes. Hier ist das innerliche Licht, die Klarheit des inneren Auges, die Lebenskraft des Baumes, der gute Frucht trägt. Hier ist der Charakter der Stadtgemeinde als ein Licht für die ganze Welt.

Wir müssen erfassen, dass das keine moralistische Hochspannung, sondern es ist die Offenbarung der wirklichen Gotteskraft im menschlichen Leben. Wenn das menschliche Leben mit der Hingabe an Gott ernst macht , wenn Gott eintritt als die Lichtkraft, die elementare Energie, die allein das neue Leben ermöglicht, nur dann werden wir das neue Leben leben.

Wenn wir wie die Tolstoianer, dies als fünf neue Gebote auffassten, dann wären wir vollständig hereingefallen. [Leo Tostoi beschreibt in seinem Buch „Meine Religion“ die Bergrede Jesu als 5 neue Gesetze: Frieden mit anderen, sexuelle Reinheit und Treue in der Ehe, keinen Eid schwören, dem Bösen nicht widerstehen und die Feindesliebe] Jesus zeigt, die Forderungen sind durch seinen Eintritt in die Weltgeschichte, nicht schwächer geworden sondern sind unendlich verschärft. Das sind natürlich nur fünf Beispiele – es könnten ebenso gut fünfhundert oder fünftausend gegeben werden –, fünf Beispiele dieser gewaltigen Wirkung dieser Lichtessenz, der Lebensenergie, an denen offenbar wird, wie Gott wirkt in Christus.

Diese Gerechtigkeit ist besser als die aller Gelehrten und Theologen. Die Gerechtigkeit, die hier gegeben ist, ist absolut anders; sie kann auf dem Weg der moralischen Vorsätze und Gedanken und Begriffe überhaupt nicht gewonnen werden, sondern es ist eine vollkommen andere Art, diese Forderungen zu erfüllen: die wachstümliche Art. Es ist einfach das lebendige Leben. Wie das Licht lodert, wie das Salz ätzt, wie die Flamme leuchtet und der Saft im Baum pulsiert, so ist dieses Leben aus Gott. Es ist Leben, Leben, Leben!

Ursprünglich aus einer Ansprache Eberhard Arnolds im Jahr 1935, nun als Auszug aus dem Buch „Salz & Licht: Über die Bergpredigt“ mit einem Vorwort von Jürgen Moltmann.

Maple tree sap dripping into a bucket
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Von Eberhard Arnold Eberhard Arnold

Eberhard Arnold war ein Theologe, Erzieher, Verleger und Leiter der Bruderhofgemeinschaft.

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