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Umkehr

von Phillip Britts

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Ein großer Schritt ist getan, wenn wir uns vom Schein und dem Glanz der sogenannten Zivilisation nicht mehr gefangen nehmen lassen, sondern wahrnehmen, dass das ganze monströse Gebäude auf verrotteten Fundamenten steht. Dass wir die Dinge mit offenen Augen wahrnehmen und ihre wahre Natur erkennen können, verdanken wir dem menschlichen Verstand. Unser Verstand zeigt uns auch, wie sehr unser persönliches Leben in diesen Zwängen gefangen ist und wie diese uns so formen, dass wir nicht wir selbst sein können, sondern dass wir ein Produkt unserer Zeit und Umwelt geworden sind.

Ein weiterer Schritt ist es, wenn unser Gewissen uns dazu bringt, unsere Verantwortung zu erkennen. Dann werden wir, anstatt uns zu einem winzigen Rädchen im großen Getriebe machen zu lassen, unsere Aufgabe darin sehen, zu protestieren und dieses Getriebe in Frage zu stellen. Wir werden es wagen, Außenseiter zu sein, denn wir wissen, dass die Welt anders aussehen könnte. Wir müssen nur den Weg dahin finden.

Unser freier Wille gibt uns die Wahl zu entscheiden, welcher Macht wir dienen wollen.

Es ist etwas Großes, wenn unser Suchen zu einer praktischen Alternative führt, einer völlig anderen Art zu leben, und wenn wir uns entscheiden, unser Leben dafür einzusetzen. Unser Verantwortungsbewusstsein wächst, wenn wir sehen, dass unsere eigenen Gedanken und Taten der Macht des Bösen dienen. Wenn wir auf uns selbst blicken, auf unsere egoistischen Ziele und Wünsche, mit denen wir Ungerechtigkeit, Falschheit, Misstrauen, Unreinheit und Hass säen, finden wir diese kleinen Samenkörner, aus denen schließlich Unterdrückung und Krieg hervorwachsen.

Unser freier Wille gibt uns die Wahl zu entscheiden, welcher Macht wir dienen wollen. Mit all unseren glänzenden Gaben, unseren Einsichten, all unseren geistigen und körperlichen Kräften können wir nur einer Sache dienen. Wir können uns nur für eine von zwei Mächten entscheiden. Die Mächte, um die es geht, sind einander entgegengesetzt. Die eine Macht ist der Geist des Guten, die andere ist der Geist des Bösen. Zum Geist des Bösen gehören Hass, Gleichgültigkeit, Habsucht, Ehrgeiz und Stolz – alles, was Menschen voneinander trennt.

Zum Geist des Guten gehören Liebe, Herzlichkeit, Selbstlosigkeit, Offenheit, Demut – alles, was Menschen vereint und sie zusammenführt. Jesus warnt: „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen; ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Hüten wir uns vor Halbherzigkeit. Hüten wir uns vor dem Versuch, beide Wege gehen zu wollen, denn sie führen in entgegengesetzte Richtungen.

Die Wahl ist frei und muss zu allen Zeiten freiwillig und von ganzem Herzen getroffen werden.

Auch wenn wir unsere Wahl getroffen haben, ist der Sieg noch nicht unser. Der Frieden ist keine Errungenschaft des menschlichen Intellekts oder menschlicher guter Vorsätze sondern des Geistes der Liebe. Der Geist der Liebe fordert die bedingungslose Hingabe des ganzen Menschen; und das fällt uns schwer. Der Geist der Liebe duldet nichts Böses, er kann sich nicht mit Lieblosigkeit verbinden, wo immer sie auftaucht. Doch er zwingt uns nicht. Die Wahl ist frei und muss zu allen Zeiten freiwillig und von ganzem Herzen getroffen werden.

Der Geist der Welt scheint viel weniger von uns zu verlangen. Er sagt: „Wenn du niederfällst und mich anbetest...“. Er gestattet uns, als „gute“ Menschen auch gute Werke zu tun, weiterzumachen und das verrottete System notdürftig zusammenzuhalten. Wir dürfen die Ideale der Brüderlichkeit predigen, solange wir noch den kleinen Finger reichen, mit dem wir uns an das ganze System anbinden lassen. Das Böse toleriert eine ganze Menge Gutes, aber das wirklich Gute sucht nach radikaler Klarheit.

Deshalb ruft uns der Geist des Guten dazu auf, mit allem zu brechen, was böse oder Menschenwerk ist. Es muss ganz klar sein, dass dieser Bruch vollständig und eine Entscheidung für das ganze Leben ist. Es geht nicht um eine kleine Verbesserung unseres Lebensstils; es geht um eine Kehrtwendung auf unserem Lebensweg, der von nun an in die entgegengesetzte Richtung führt. Wahre Umkehr ist ein Bruch mit dem Vergangenen und eine Verpflichtung an das Neue.

Philip Britts (1917-1949) war ein englischsprachiger Wissenschaftler und Pazifist, der vor allem Gedichte und Lieder schrieb. Er starb in Paraguay im Alter von nur 32 Jahren an einer Tropenkrankheit.

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