Morning over the bay

Mord an den Unschuldigen im Stil des 21. Jahrhunderts

von Christa Ebong

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Als ich acht Jahre alt war, wurde mein Bruder Jakob geboren. Er hat nicht einmal zwei Stunden gelebt.

Eine pränatale Diagnose hatte gezeigt, dass Jakob mit höchster Wahrscheinlichkeit mehrfach behindert zur Welt kommen würde. Der Arzt hatte eine Abtreibung angeraten, die meine Eltern ohne das geringste Zögern ablehnten. Sie wussten, dass Abtreibung, egal aus welchen Gründen, Mord ist. Sie hatten auch keinen Zweifel, dass Gott ihnen dies Kind aus einem bestimmten Grund schickte, und dass er, der auf wunderbare Weise geschaffen war, einen besonderen Auftrag zu erfüllen hatte. In diesem Sinn haben wir Jakob in unserer Familie willkommen geheißen, wir haben geweint als er starb und wir feiern noch immer jedes Jahr seinen Geburtstag.

Seit nun über 36 Jahren ist Jakob ein Segen für unsere Familie. Er ist unsere Verbindung zur Ewigkeit und zur Welt der Engel. Aber auch seit mehr als 36 Jahren raten Ärzte nach negativen Testergebnissen zur Abtreibung, als einen Weg die Anzahl der mit Behinderungen geborenen Kinder zu reduzieren.

In den USA lassen Versicherungsgesellschaften nun prüfen welches die kostengünstigsten pränatalen Diagnoseverfahren sind und der öffentliche Gesundheitsdienst drängt zu einem erweiterten Zugang zu diesen vorgeburtlichen Diagnoseverfahren. Natürlich hat die Pränatal Diagnostik ihren Platz. Eltern können sich in angemessener Weise auf ein behindertes Kind vorbereiten und auch für die Geburt kann eine entsprechend ausgerüstete Geburtsklinik gewählt werden. Trotz allem ist die tiefgreifende Auswirkung der steigenden Anzahl von pränatalen Diagnoseverfahren jedoch ein erschütternder Anstieg der Abtreibungen, weil der Test gezeigt hat, dass das Kind abnormal, missgestaltet und deswegen unerwünscht ist.

Studien zeigen, dass die überwiegende Zahl dieser Abtreibungen innerhalb von 72 Stunden nach dem Test stattfanden. Das ist kaum Zeit genug für eine Frau eine solche Nachricht zu verarbeiten, geschweige denn eine angemessene Beratung durchzuführen. Noch erschreckender ist, dass diese Studie zeigt, dass Mitarbeiter des Gesundheitswesens eher für eine Abtreibung in diesen Fällen sind als Personen, die nicht mit dem Gesundheitswesen in Verbindung stehen und dass bis zu einem Drittel der Frauen, deren vorgeburtliche Tests einen Geburtsschaden voraussagten, sich von den Mitarbeitern des Gesundheitswesens unter Druck gesetzt fühlten einer Abtreibung zuzustimmen.

Down Syndrom ist die Behinderung, die am häufigsten durch die Pränatal Diagnostik festgestellt wird. Beinahe 90% aller Frauen, bei denen diese Diagnose gestellt wird, stimmen einer Abtreibung zu. Zur gleichen Zeit finden sich hunderte von Eltern, die bereit sind ein Kind mit Down Syndrom zu adoptieren.

Warum eine solche Diskrepanz? Kinder mit Down Syndrom sind nicht lebensgefährlich krank und ihr Leben ist auch nicht ein solches Elend wie es die gegenwärtige Medizin gerne darstellt. Kinder mit Down Syndrom können zu Hause leben, eine entsprechende Schule besuchen und sogar einen Arbeitsplatz erhalten. Sie können ein Leben führen, das nicht weniger glücklich ist als das von manch anderen. Ich kenne viele von ihnen, und jede Begegnung war eine Bereicherung für mich.

Warum sind sie dann in den Fokus der Medizin geraten, dass gerade bei ihrer Frühdiagnose zur Abtreibung geraten wird? Manche Genetiker berufen sich auf Eugeniker, die schlagfertig feststellen, dass das Down Syndrom den Genpool verunreinigt. Ein weiterer grotesker Grund der zur "Prävention" von Down Syndrom angeführt wird, ist finanziell begr��ndet. Die Befürworter einer Abtreibung wägen die Kosten eines pränatalen Tests und des darauffolgenden Schwangerschaftsabbruchs mit den Kosten ab, die durch eine Person mit Down Syndrom im Laufe einer Lebensspanne von 40-50 Jahren anfallen könnten.

Der Horror hört nicht bei der Abtreibung auf. Ein kürzlich veröffentlichter Artikel in "Journal of Medical Ethics" hat festgestellt, dass eine "nachgeburtliche Abtreibung" – eine erstaunliche Beschreibung für Kindermord – akzeptabel sei weil ein neugeborenes Kind noch keine richtige Person mit einem moralischen Recht auf Leben sei. Die Autoren dieses Artikels führen dazu Babys mit Down Syndrom als Beispiel an. Diese Kinder könnten einer Euthanasie zum Opfer fallen weil "solche Kinder ein unzumutbare Belastung für die Familie und Gesellschaft als Ganzes sein könnten, wenn staatliche Stellen für ihre Versorgung aufkommen müssen." Solche Gedanken, werden tatsächlich schon umgesetzt: in den Niederlanden ist es längst Routine Down Syndrom Babys nach der Geburt einfach verhungern zu lassen.

Wir sollten uns hüten Mütter die einer genetisch begründeten Abtreibung zustimmen zu verurteilen ohne uns zuerst ernsthaft damit auseinandergesetzt zu haben, wie unsere Gesellschaft Menschen mit Behinderungen sieht. Wir sind gefangen genommen von dem Gedanken der körperlichen Perfektion und intellektuellen Fähigkeiten und unsere Lebensauffassungen sind nicht von Barmherzigkeit sondern von Selbstsucht und Gier getrieben. Die Wurzeln dieses Übels sind in unseren Herzen. Wo ist unsere Achtung vor Gott, dem Schöpfer allen Lebens, der keine Fehler macht?

Schon vor 2000 Jahren hat uns Jesus vor einer solchen Arroganz gewarnt.

Entweder ihr ändert euch und werdet wie die Kinder, oder ihr werdet nie in das Königreich Gottes gelangen. Deswegen, wer sich selbst erniedrigt wie ein Kind wird der Größte im Reich Gottes sein, und wer immer ein Kind im Namen Gottes annimmt, nimmt Gott selbst auf. Passt auf, dass ihr keines dieser Kleinen verachtet, denn ihre Engel sehen alle Zeit das Angesicht Gottes (Matthäus 18).

Wir leben heutzutage in einer Gesellschaft die nicht nur auf "die Kleinen" herabschaut, sondern auch aktiv dabei ist "die Kleinen" zu zerstören. Wenn wir gegen dieses Böse nicht aktiv Stellung nehmen, machen wir uns genauso schuldig wie die Täter. Auch für uns gibt es noch Zeit zur Umkehr. Möge Gott mit uns allen Gnade haben.

Die Autorin ist Assistenzärztin im Staat New York, USA

Ultrasound of a baby
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