poppies against blue sky

Ein besserer Weg

von Richard Scott

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Oft denke ich an die Soldaten, die gerade im Ausland im Einsatz sind. Viele kehren nicht nur körperlich verwundet zurück, sondern leiden auch an einer zerbrochenen Seele. Obwohl ich selbst nie in den Krieg ziehen könnte oder dem Militär angehören würde, achte ich die Bereitschaft dieser Männer und Frauen, ihr Leben zu geben. Viele haben dies im Glauben getan, einen „besseren Weg“ zu bahnen.

Doch worin besteht dieser Weg? Wie können wir unser Leben einsetzen?

Unsere Familie war mit vielen anderen Menschen direkt von der Tragik des Krieges betroffen. Mein Vater zog mit drei seiner Brüder in den Ersten Weltkrieg. Sein liebster und jüngster Bruder wurde kurz vor Kriegsende in einem Flugzeug über Frankreich abgeschossen. Der Horror dieses Krieges hinterließ besonders bei den Frontsoldaten auch tiefe seelische Wunden, die sie für den Rest ihres Lebens schwer beeinträchtigten. Das alles geschah in ihrem Glauben an einen besseren Weg.   

Im Zweiten Weltkrieg verweigerte der einzige Bruder meiner Mutter den Dienst an der Waffe und wurde auf die Insel Borneo in Südostasien versetzt, um den Einheimischen dort zu helfen, ertragreichere Agrarkulturen anzubauen. Als er vor der Invasion der Japaner flüchtete, wurde er getötet. Beide meiner Eltern erlebten in London die Bombenangriffe auf die Stadt, und es war nur der Behütung Gottes zu verdanken, dass sie diese Zeit überlebten. Durch diese Erlebnisse wurde ihnen klar, dass Krieg nie zu einem besseren Weg führt. 

Und so frage ich wieder, worin dieser bessere Weg besteht.

Nach einem Krebsbefund erhole ich mich gerade von einer Operation. Ich bin erst einundsechzig Jahre alt und den Ärzten zufolge ist meine Zukunft bestenfalls ungewiss. Und nun stehe ich vor einer wichtigen Entscheidung: Entweder folge ich den medizinischen Ratschlägen der Ärzte, die auf keinen Fall rosig sind, oder ich lege meine Not einfach in Gottes Hände. Was ist der bessere Weg?

Meine Situation hat mich dazu gezwungen, mir noch tiefere Gedanken darüber zu machen, was es bedeutet sich an Gott zu wenden und ihm völlig zu vertrauen. Es erfüllt mich auch mit Demut, wenn ich erfahre, wie viele Menschen, die ich teilweise selbst gar nicht persönlich kenne, für mich beten. Es ist eine große Stärkung, wenn Menschen sich derartig unterstützen und umeinander sorgen. In Härtefällen haben sich die Menschen in unserem Land schon immer zusammengefunden, um zu helfen. Diese Fürsorge ist mir die größte Ermutigung. Ich weiß jetzt, mehr als je zuvor, dass jeder von uns vor einer Wahl steht: Entweder alles selbst in die eigenen Hände zu nehmen und in angstvoller Selbstverteidigung zu leben oder sich im Glauben an Gott zu wenden, Liebe zu üben und auf andere zuzugehen. Letzteres ist wohl der bessere Weg.   

In den letzten Jahren hatte ich die Gelegenheit, mit vielen jungen Leuten zu arbeiten und sie kennenzulernen. Ihr jugendlicher Enthusiasmus ist immer erfrischend. Es war auch ein Privileg, sie auf ihrer Suche nach einem besseren Weg innerlich zu begleiten. Wie auch immer es mir noch möglich sein wird, möchte ich ihnen voller Erwartung auch weiterhin helfen. Einige feiern in diesem Sommer ihren Schulabschluss und haben natürlich Visionen für eine strahlende Zukunft und ein langes Leben. Doch sie werden und können kaum ahnen, wie schnell unsere Erdentage vorübergehen und dass wirklich das LEBEN zu leben bedeutet, sich Gott völlig anzuvertrauen. 

Ich weiß nicht, wie viel Zeit mir noch gegeben ist. Doch heute kann ich anderen noch helfen, für einen besseren Weg zu leben. Diesen Weg möchte ich gehen und es ist der einzige Weg, auf dem ein Leben Erfüllung finden kann.

red poppies at the Vietnam War Memorial
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